28.05.2009 · Trotz Antisemitismus-Vorwürfen hat der ägyptische Kulturminister gute Chancen, zum neuen Generalsekretär der Unesco gewählt zu werden. Doch die Prosteste gegen Faruk Hosni mehren sich.
Von Jürg Altwegg, GenfJetzt wird auch die Politik aktiv: Der Aufruf von Claude Lanzmann, Elie Wiesel und Bernard-Henri Lévy, den ägyptischen Kulturminister Faruk Hosni als Generalsekretär zu verhindern (Das größere Übel: Der zukünftige Generalsekretär der Unesco ), hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag fordert die Bundesregierung auf, „die Kandidatur nicht zu unterstützen“. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Uschi Eid, hat an Außenminister Frank-Walter Steinmeier geschrieben, dass sie als Vorsitzende der Deutsch-Ägyptischen Parlamentariergruppe bereits 2008 gewarnt habe: „Der Botschafter ließ der Parlamentariergruppe eine Stellungnahme des ägyptischen Kulturministers zukommen, die unsere Bedenken nicht ausräumte.“
Faruk Hosni bestreitet die Aussage über seine Bereitschaft, israelische Bücher eigenhändig verbrennen zu wollen, nicht. Er gibt aber an, sie sei verzerrt wiedergegeben worden. So steht es in der Stellungnahme. Und so hat er sich auch gegenüber Yves Kugelmann, dem Chefredakteur der in der Schweiz erscheinenden jüdischen Zeitschrift „Tachles“, geäußert. Kugelmann hat mit Hosni zwei Mal gesprochen. Zuerst traf er ihn im März in Paris, wo der Ägypter an der Präsentation des von der Unesco unterstützten Programms Aladin teilnahm. Es geht darum, den arabischen Ländern die Literatur über die Schoa zu vermitteln, vorgestellt wurde damals auch die Übersetzung von Anne Franks Tagebuch. Kugelmann war an Diskussionen im engen Kreis beteiligt. Er schildert Hosni als profunden Kenner der jüdischen Kultur in Ägypten. Für einen Antisemiten und Holocaust-Leugner hält er ihn nicht – vielmehr für einen gebildeten Freidenker und Provokateur. Schockiert wäre Kugelmann über Hosnis Wahl nicht. Er hofft, dass jener dann seine Energie auf konstruktive Projekte anstatt auf fragwürdig Polemik verwenden werde.
Gemäßigter oder fanatischer Provokateur?
Aus Ägypten ist zu hören, dass sich Faruk Hosni eher gegen die Muslimbrüder gewandt und für die Rechte der Frauen eingesetzt habe. Einen Kulturaustausch mit Israel, den viele ägyptische Intellektuelle ablehnen, hat er aber nie unterstützt. Der französische Philosoph und Negationist Roger Garaudy bekam unter Hosnis Verantwortung auch staatliche Ehrungen. Als dienstältester Minister seines Landes gehört Hosni zum engsten Kreis um den ägyptischen Präsidenten Mubarak – was nicht nur für seine Qualitäten als Provokateur spricht, sondern ebenso sehr auf einen ausgeprägten Opportunismus schließen lässt. Israel, das lange protestierte, akzeptiert allerdings inzwischen seine Kandidatur.
Vertritt Faruk Hosni die gemäßigten Kräfte, die man fördern sollte? Oder ist er ein fanatischer Wolf im Schafspelz? Als weltgewandter Kulturminister seines Landes und gefeierter Künstler müsste er auch die europäischen Ansprüche kennen. Ein mutiges Wort ist sein Versprechen, er werde sich als Generalsekretär gegenüber der israelischen Kultur strikt an das Gebot der „Neutralität“ halten, ganz gewiss nicht. Man möchte genauer wissen, wer die Person ist, die das wichtigste kulturpolitische Amt der Welt bekleiden will. Eher „ein Künstler“ sei er, hat Hosni im Gespräch mit Kugelmann gesagt: „Ich bin eigentlich ein Profikünstler und ein Amateurminister.“