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Protest der Drehbuchautoren : Ungeheuer inkompetente Einmischungen

Kristin Derfler, Annette Hess, Hanno Hackfort und Thorsten Wettcke gehören zu den Initiatoren der Liste von Forderungen an die Fernsehindustrie Bild: Andreas Pein

Auf der ganzen Welt werden Drehbuchautoren für ihre Arbeit gefeiert, in Deutschland kennt kaum jemand ihre Namen. 92 von ihnen haben nun ein Manifest veröffentlicht. Ein Gespräch mit den Initiatoren

          Seit Jahren beschweren sich deutsche Drehbuchautoren über mangelnden Respekt von Produzenten oder Redakteuren. Wie groß die Geringschätzung ist, sah man beispielhaft Anfang des Jahres bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises, zu der überhaupt keine Autoren eingeladen wurden (außer jene, die für die Kategorie „Drehbuch“ nominiert waren). Jetzt haben Sie, gemeinsam mit vielen anderen renommierten Drehbuchautoren, die Erklärung „Kontrakt 18“ veröffentlicht, in der Sie sich selbst verpflichten, nur noch unter bestimmten Bedingungen zu arbeiten. Sie fordern unter anderem kreative Kontrolle bis zum Schluss, öffentliche Anerkennung und ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Regie. War der Filmpreis eine Art Initialzündung?

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Kristin Derfler: Das war im Grunde genommen nur der Punkt, an dem bei uns allen gemeinsam das Ende der Toleranz erreicht war. Die Missstände, die sich sowohl im Verhaltenskodex als auch in den Verträgen niederschlagen, bestehen schon seit über zwanzig Jahren. Auch deshalb ist Deutschland, trotz all der neuen Möglichkeiten des Fernsehens, nach wie vor Entwicklungsland. Wir haben den erneuten Aufschlag im Januar als Auslöser genommen, uns zu verständigen und zu sagen: Wir können nicht darauf warten, dass von außen etwas passiert. Wir haben diesen Kontrakt in einem mehrwöchigen Prozess entwickelt. Wir hatten zwei Konferenzen, die letzte im Mai im Berliner „Savoy Hotel“, mit dreißig Teilnehmern. Jetzt sind es knapp einhundert Unterzeichnerinnen und Unterzeichner.

          Nach der Debatte um den Filmpreis hatte man den Eindruck, dass es viel Sympathie in der Branche gibt, es gab sogar die leise Hoffnung, dass endlich eine Diskussion beginnen könnte. Warum haben Sie sich nun für die Konfrontation entschieden?

          Hanno Hackfort: Die Sympathiebekundungen kennen wir schon seit Jahren. Wenn wir die Missstände ansprechen, sagen uns Produzenten oder Sender immer, dass man unsere Arbeit gar nicht hoch genug schätzen kann. Aber meistens bleibt es dabei. Im Januar haben sich viele geäußert, auch von anderen Gewerken. Aber danach war Stille.

          Annette Hess: Es hat sich nicht viel geändert. Auf dem Weg hierher habe ich in der Zeitung Fotos vom gestrigen Fest der Produzenten-Allianz gesehen und gedacht: Wir hätten mit unserem Kontrakt ein paar Tage vorher rauskommen müssen. Damit hätten wir für Gesprächsstoff gesorgt. Aber warum wussten wir nicht, dass das Fest stattfindet? Wir waren nicht eingeladen. Produzenten, Schauspieler, Senderverantwortliche, Regisseure, Agenten haben ein großes „Familienfest“ gefeiert. Ein entscheidendes Familienmitglied dabei aber vergessen. Wir haben uns mal spaßeshalber die Gästeliste angesehen: Der Anteil der geladenen Autoren lag bei weniger als zwei Prozent.

          Derfler: Das setzt sich fort. Beim Münchner Filmfest ist es genau das Gleiche. Ich wollte gerne zur Eröffnung kommen. Und dann kam eben: Sie stehen auf Warteliste XY. Und im Netz werden Tickets verkauft, ganz offiziell.

          Thorsten Wettcke: Wobei die Erklärung gar nicht konfrontativ gemeint ist. Was wir fordern, ist in anderen Ländern längst Usus: Wir wollen einfach, dass wir nicht abgekoppelt vom restlichen Produktionsprozess sind. Das gibt es nur in Deutschland: Wenn der Drehbuchautor das Buch abgibt, kann er nach Hause gehen. Wenn er Glück hat, wird er zur Premiere eingeladen. Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, sondern wir wollen partizipieren.

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