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Potsdamer Garnisonkirche : Rückenwind vom rechten Rand

  • -Aktualisiert am

Carl Hasenpflug malte die Garnisonkirche in Potsdam im Jahr 1827 als Uhrbild in Öl auf Kupfer. Bild: Picture-Alliance

Die Potsdamer Garnisonkirche wird wieder aufgebaut. Als Gotteshaus braucht sie keiner, als Symbol ist sie angeblich wichtig. Aber wofür? Ein Gastbeitrag.

          Im Oktober soll mit dem Nachbau der Garnisonkirche Potsdam begonnen werden. Bundespräsident Steinmeier hat kürzlich die Schirmherrschaft übernommen, der Bund finanziert 12,4 der 26 Millionen Euro Kosten für den ersten Bauabschnitt, weitere staatliche Mittel im Wert von circa drei Millionen Euro wurden zur Verfügung gestellt.

          Ursprünglich sollte der Wiederaufbau der Barockkirche, der insgesamt um die 100 Millionen Euro kosten soll, ganz aus Spenden finanziert werden. Doch trotz des Engagements ranghoher Kirchenvertreter und Politiker, des Ex-Bischofs Wolfgang Huber zum Beispiel, der Vorsitzenden der Synode der EKD, Irmgard Schwaetzer, Sigmar Gabriels, Manfred Stolpes, Matthias Platzecks und vieler mehr kamen nach mehr als zehn Jahren des Spendensammelns nur sechs Millionen Euro für das Projekt zusammen. Der Baubeginn wurde mehrfach verschoben, der erste Bauabschnitt auf ein Minimum reduziert, und trotzdem, es reichte nicht. Schließlich sprang die evangelische Kirche mit Krediten in Höhe von fünf Millionen Euro ein.

          Die problematischen Seiten des preußischen Erbes

          Die Garnisonkirche hat es schwer: Ihr kirchlicher Rechtsnachfolger, die Heilig-Kreuz-Gemeinde, lehnte schon in den neunziger Jahren den Wiederaufbau ab und sah keinen Bedarf für eine weitere Kirche in Potsdam. Vor sechs Jahren wurde eigens für das Projekt eine Profilgemeinde geschaffen; aber zu den wöchentlichen Gottesdiensten in der Nagelkreuzkapelle kommen oft nur zwei Handvoll Besucher.

          Ein Neubau von 40 Millionen für ein Dutzend Kirchgänger? Nein, es geht um Höheres, es geht um ein Nationaldenkmal. Als Kirche des preußischen Militärs und Grablege der preußischen Könige ist der Bau eines der wichtigsten Symbole Preußens. Und das darf im wiederaufbauseligen Potsdam nicht fehlen. Doch steht die Garnisonkirche in den Augen vieler auch für die problematischen Seiten des preußischen Erbes. Das wissen auch die Aufbaubefürworter und sprechen von einer wechselvollen, ja auch zwiespältigen Geschichte. Beim „Tag von Potsdam“, dem 21. März 1933, sei die Kirche von den Nationalsozialisten missbraucht worden. Viel deutlicher aber habe sie „für christlich verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft“, für die Verbindung von christlichem Glauben und „preußischen Tugenden“ gestanden. Sie sei für zahlreiche Offiziere des Widerstands vom 20. Juli 1944 „geistliche Heimat“ und „ein wichtiger Ort“ gewesen.

          Schon vor der Machtergreifung willkommen

          Über die problematischen Seiten schweigt man lieber – und hält es wie die chinesische KP mit dem Erbe Mao Tse-tungs: Die spricht abstrakt davon, „70 Prozent seien gut, 30 Prozent schlecht gewesen“ und nimmt so Kritikern den Wind aus den Segeln, ohne Verehrer zu verprellen. Ohnehin sieht sich die Kirche als Opfer der Zeitgeschichte: des Nationalsozialismus, des Bombenkriegs, der SED-Diktatur. Das wiederaufgebaute Bauwerk soll zu einem Lernort der Geschichte werden. Was man darunter versteht, zeigt das erste Projekt mit Onlineausstellung, Wissensspeicher und Planspiel. Dies befasst sich mit der Zeit von der Bombardierung bis zum Abriss, von 1945 bis 1968 also, und dient der Diskussion des DDR-Unrechtsstaates. Von einer kritischen Befassung mit preußischer Geschichte keine Spur.

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