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Veröffentlicht: 05.08.2013, 10:04 Uhr

Politik in Pausenstimmung Die Zukunftsverweigerung

Um das Politische bei den Parteien zu finden, reicht heute eine Lupe nicht aus. Warum es in diesem Wahlkampf um rein gar nichts geht. Und warum das eine Lüge und eine Zumutung ist.

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© F1online

In diesen sommerlichen Tagen, da das politische Leben sich aus der heißen Hauptstadt weitgehend zurückgezogen hat, ist es die SPD, die immer mal wieder für Abkühlung sorgt. Es ist ja die Kernkompetenz der Sozialdemokraten, die Eiseskälte der sozialen Verhältnisse zu beklagen - aber der Schauder, mit welchem das Publikum auf die neuen Plakate der SPD reagierte, kam ganz bestimmt nicht davon, dass irgendwer die Kampagne cool gefunden hätte.

Claudius Seidl Folgen:

Es stehen da, in weißen Großbuchstaben vor rotem oder lilafarbenem Untergrund, die bekannten Forderungen der Sozialdemokraten. Bessere Kinderbetreuung, höhere Mindestlöhne, bezahlbarere Mieten. Es sind aber die Bilder, deren Bedeutungen seltsam zu schillern scheinen, es sind auf diesen Bildern die Menschen, welche den Forderungen der SPD ein Gesicht geben sollen, und diese Gesichter schauen so missmutig, so bedrückt, so depressiv in die Kamera, dass man sich fragt, was uns die SPD damit sagen will. Verspricht sie uns ein Leben in der Depression? Oder klagt sie die Regierung an dafür, dass die Produktion von guter Laune stagniert?

Die Frühstücks-Kanzlerin

Wer genauer hinschaut, entdeckt schnell, dass anscheinend die Hosen zwicken, die Schuhe drücken, die Hemden nicht richtig zu sitzen scheinen. Auch die Haarschnitte wirken seltsam schief - und je länger man diese Fotos betrachtet, desto weniger weiß man die Antwort auf die Frage, in welcher Beziehung diese traurigen Menschen in ihren traurigen Kleidern zur Regierung, zur Opposition und zu den Wahlen stehen: Gibt es für alle schönere Kleider mit Peer Steinbrück? Werden die Frisuren eleganter, wenn der Mindestlohn für Friseure steigt? Oder sind hässlichere Hemden der Preis dafür, dass die SPD die Ausbeutung der Textilarbeiter in Asien nicht länger dulden wird?

Im Spot der CDU, welcher schon seit dem Frühjahr kursiert, geht die Sonne auf, und glückliche Menschen steigen aus den Betten, putzen schneeweiße Zähne, selbst das Frühstück scheint sie anzulächeln. Währenddessen sitzt die Kanzlerin, längst angezogen und frisiert, an einem Tisch in ihrem Kanzleramt, trinkt Kaffee, liest die F.A.Z., und die Kamera schaut über ihre Schulter. Auf der Tonspur ist davon die Rede, wie glücklich, wie ideenreich und freiheitsliebend wir Deutschen seien, auf den Bildern liegt das Licht der Filterkaffeereklame, und der Geist einer Lebensversicherungsbroschüre hat die Montage inspiriert. Deutsche, Angela Merkel hat die Qualität eurer Frühstückssemmeln persönlich überprüft - das wäre wohl die Botschaft dieses Spots, wenn man ihn nicht, wegen seiner absoluten und totalen Nichtigkeit, noch während des Sehens vergessen würde.

Zukunftslosigkeit als Botschaft

Der Spot der FDP geht so los: „Deutschland geht es gut. Wir haben in den letzten Jahren der Regierungsverantwortung viel für Deutschland erreicht. Wir haben Deutschland modernisiert. Wir haben Deutschland auf Wachstumskurs gehalten. Wir haben die Rahmenbedingungen . . .“, na, und so weiter, und dazu gibt es die Bilder eines Regisseurs, der seine Zuschauer offensichtlich für Deppen hält: Münzen, die umfallen, wenn es ums Geld geht, das seinen Wert nicht verlieren darf. Menschen, viele Menschen, mit langer Brennweite herangeholt, wenn es um die Menschen im Lande geht, um welche sich die FDP auch weiterhin kümmern wird. Zwischendurch, wie ein Springteufelchen, wird immer wieder Rainer Brüderle hineingeschnitten, der im Pfälzer Singsang den Refrain in ein Mikrofon brüllt: „Wer hat’s gemacht? Wir hams gemacht!“

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