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Philipp Freiherr von Boeselager „Ich hätte ihn erschießen können“

 ·  In der Nacht zum 1. Mai starb Philipp von Boeselager. Er war der letzte Überlebende des 20. Juli 1944, einer aus dem innersten Kreis der Hitler-Attentäter. Drei Wochen vor seinem Tod gab er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung noch ein letztes Interview.

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In der Nacht zum 1. Mai starb Philipp von Boeselager. Er war der letzte Überlebende des 20. Juli 1944, einer aus dem innersten Kreis der Hitler-Attentäter (Siehe auch: Zum Tode von Philipp von Boeselager). Drei Wochen vor seinem Tod gab er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung noch ein letztes Interview.

Stimmt es, dass Sie mit einer Leiche durch den Krieg gereist sind?

Es war damals ja strengstens verboten, aus dem Ausland jemand zu überführen. Ich habe im letzten Urlaub gesehen, was das für meine Mutter bedeutete, dass das Grab für meinen Bruder da war. Dann fiel mein Kamerad Wendt im Jahr drauf, und ich - mit seiner Frau war ich sehr befreundet - habe eine Holzkiste machen lassen mit Zinkeinlage. Ich habe ihn dann ausgebuddelt, das war noch kompliziert, es war gefroren, und man musste mit Benzin die Erde aufbrennen, und dann kamen Leute an und wollten löschen. Wir durften das ja alles gar nicht. Kurz und gut, wir haben ihn in die Kiste rein bekommen, ich habe ihn mitgenommen.

Wie ich zur Truppe kam, habe ich ihn mitgenommen, weil ich dachte, eines Tages werden wir nach Hause kommen. Er war anderthalb Jahre bei mir im Zimmer. Und da waren drei Lederpolster drauf, und da war die Chefbesprechung drauf, es gab ja keine Stühle im Krieg. Und das wusste jeder, da unten liegt der tote Wendt drin. Das hat keinen besonders gestört. Und ich hatte ihn, wenn richtiger Krieg war, bei mir im Tross; und wenn kein richtiger Krieg war, war er bei mir im Zelt oder in meiner Bude. Und dann wurde ich ins Oberkommando des Heeres (OKH) versetzt. Im Flugzeug konnte ich ihn ja nicht mitnehmen. Daraufhin habe ich einem Freund von mir, der Forstmeister war, gesagt, jetzt verbuddel ihn und mach eine Skizze, dass man ihn später holen kann.

Wenn man Ihr Alter erreicht hat, wie weit sind die Ereignisse um den 20. Juli 1944 dann von einem entfernt?

Es ist ganz nah. Aber ich erzähle an sich nichts darüber. Meiner Frau habe ich später vom Widerstand erzählt, weil es vorbei war, wie der Krieg. Aber es gab auch niemanden sonst, mit dem man reden konnte, die waren alle tot, und mit anderen wäre es doch Angeberei gewesen.

Es gab ja auch nicht geringe Teile der Deutschen, die das für Verrat hielten.

Bei mir und in meinem Elternhaus war das anders. Ich hatte das Glück; ich war im Oberkommando des Heeres, und damals waren die beiden Kavallerie-Divisionen, die mein Bruder mit aufgestellt hatte, in Ostpreußen, und es war für jeden Trottel ersichtlich, dass Ostpreußen eingeschlossen wird, so, wie Hitler Krieg führte. Ich bin dann zu Bonin gegangen, der war Chef in der Operationsabteilung, und damals plante Hitler schon diesen ganz verrückten Angriff mit der SS-Panzerarmee von Wien aus Richtung Südosten. Der letzte große feierliche Angriff mit allem, was das Reich noch hatte! Und nachdem ich sah, die in Ostpreußen werden verheizt, habe ich zu Bonin gesagt, das wäre jetzt der kriegsentscheidende Angriff, da müssten die beiden Kavallerie-Divisionen, die besten, die es ja noch gab auf der Welt, beteiligt werden. Da blinzelte er mich so an und sagte, ich will sehen, was ich machen kann. Da sind die beiden Kavallerie-Divisionen im Dezember, Januar 1945 noch nach Wien verlegt worden, um an diesem Angriff teilzunehmen.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

01.05.2008, 19:43 Uhr

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Von Andreas Platthaus

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