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Pflügers Literaturkritik Auf den Spuren von Oriana Fallaci

23.01.2006 ·  Friedbert Pflüger will Regierender Bürgermeister von Berlin werden. In der Stadt leben rund 210.000 Muslime. Eine Rezension aus der Feder des CDU-Politikers zeigt eigenwillige Vorstellungen vom Zusammenleben der Religionen.

Von Christian Schwägerl
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Das von ihm selbst dokumentierte Rezensionswerk des aus Hannover stammenden Volkswirts, Pressesprechers, Vermögensverwalters, Bundestagsabgeordneten und Staatssekretärs Friedbert Pflüger setzt am 1. Oktober 2001 mit einer Abhandlung über Mario Vargas Llosas Roman „Das Fest des Ziegenbocks“ ein und endet vorläufig im März vergangenen Jahres mit Gedanken zu „Der General in seinem Labyrinth“ von Gabriel Garcia Marquez.

Für das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, das der CDU-Politiker anstrebt, dürfte indes sein Frühwerk aus dem Jahr 2001 die größte Relevanz haben. Pflüger stellt sich heute als Kandidat für eine Stadt vor, in der rund 210.000 bekennende Muslime leben - und zeigte sich damals begeistert von Oriana Fallacis Buch „Die Wut und der Stolz“, das sich nicht gegen den Islamismus richtet, sondern gegen den Islam an und für sich: Es sei eines der „aufrüttelndsten der letzten Jahre“, spreche „unbequeme Wahrheiten“ aus und stelle einen „Weckruf für Europa“ dar, schrieb Pflüger.

Eigenwillige Vorstellungen vom Zusammenleben

„Nach Fallacis Meinung begreifen die bequemen, die so wohlmeinenden ,Gutmenschen' nicht, daß ihre Toleranz zur Beliebigkeit wird, wenn sie die christlich-abendländische Kultur auf eine Stufe mit dem Islam stellen“, hieß es weiter. Pflüger zitierte die „große, stolze und wütende Frau“ ausführlich: „Von wegen extremistische Randgruppen! Von wegen fanatische Minderheit! Millionen über Millionen sind sie, die Extremisten. Millionen über Millionen sind sie, die Fanatiker. Die Intellektuellen im Westen, die ,Zikaden und Idioten' würden vor ihm die Augen verschließen, einem falsch verstandenen Pazifismus frönen und mit ihrem ,Alles verstehen' dem Vordringen religiöser und kultureller Intoleranz den Weg bereiten.“

Dann stimmte Pflüger vergleichsweise versöhnliche Töne an: „Der ,Dialog der Kulturen', nicht der ,Kampf der Kulturen' ist es, den wir uns wünschen. Aber der Dialog erfordert gegenseitige Achtung und Toleranz, also auch von der islamischen Seite gegenüber uns. Wird aber nicht tatsächlich ein ,umgekehrter Kreuzzug' (Fallaci) geführt? Achten die Muslime uns, oder verachten sie uns zunehmend? Vielleicht auch, weil wir so wenig von uns selbst halten, uns nicht wehren, keine Selbstachtung erkennen lassen?“

Immerhin: auch ein Einspruch

Pflüger gibt zu erkennen, daß er nur hie und da widersprechen möchte: „Trotz mancher aus der Erregung des 11. Septembers verständlichen Überspitzung und Übertreibung, es gibt auch Passagen in Oriana Fallacis Buch, die nicht akzeptabel sind. Wenn sie beispielsweise schreibt, daß sich ,unsere ausländischen Arbeiter wie die Ratten vermehren', so ist das eine Sprache, die Menschen gegenüber nicht würdig ist“, bemerkt er. Auch sei der Euro eben kein „schönrednerischer Unsinn“, sondern eine große europäische Integrationsleistung.

In Pflügers Fallaci-Rezension deuten sich eigenwillige Vorstellungen vom Zusammenleben in der Hauptstadt an. Eine Ideenskizze über Oriana Fallacis neueres Buch „Die Kraft der Vernunft“ oder einige Gedanken zum Prozeß, der momentan in Italien gegen sie geführt wird, wären für die Berliner Öffentlichkeit hilfreich.

Quelle: F.A.Z., 23.01.2006, Nr. 19 / Seite 40
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