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Petraeus-Affäre Kommt der General vors Kriegsgericht?

Ein Offizier wird jederzeit als Vorbild und Repräsentant in die Pflicht genommen. Deshalb bestrafen Amerikas Streitkräfte Verstöße gegen eine Sexualmoral, an die sich die zivile Gesellschaft nicht mehr hält.

© Polaris /Studio X Untreue, sagt das Handbuch der amerikanischen Kriegsgerichte von 2002, setze die Streitkräfte dem „öffentlichen Spott“ aus. Gilt das auch für General David Petraeus?

Im Jahre 1988 sprach ein militärisches Berufungsgericht einen Oberleutnant des amerikanischen Heeres frei, der in erster Instanz nach Artikel 133 des Militärstrafgesetzbuchs der Vereinigten Staaten verurteilt worden war.

Patrick Bahners Folgen:

Der Begriff für das in dieser Bestimmung erfasste Delikt ist in den allgemeinen Wortschatz eingegangen, er begegnet uns in Buch- und Filmtiteln: Bestraft wird ein Verhalten, das eines Offiziers und Gentleman unwürdig ist, „conduct unbecoming an officer and gentleman“.

Was darf ein Offizier und Gentleman?

Der „Uniform Code of Military Justice“ wurde vom Kongress 1950 verabschiedet. Das Gesetzbuch fixiert Vorstellungen von Disziplin, die sich aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs ergeben hatten. Maßgeblich für die Anwendung des Gesetzes ist das „Manual for Courts-Martial“, das von der Exekutive herausgegeben wird und daher einfacher als das Gesetzbuch dem Wandel gesellschaftlicher Vorstellungen angepasst werden kann. Die allgemeinen Straftatbestände des Gesetzes werden im Handbuch konkretisiert. Ein Beispiel für mit dem Status eines Offiziers nicht zu vereinbarendes Verhalten sind öffentliche Beziehungen zu Prostituierten.

Der Oberleutnant hatte mit drei Gefreiten, die derselben Sportmannschaft angehörten wie er, ein Bordell betreten, dort aber die Dienste des Personals nicht in Anspruch genommen. Nach Auffassung des Berufungsgerichts hatte er sich nicht als Offizier unmöglich gemacht, weil ein solcher sozusagen touristischer Inspektionsbesuch „vollkommen legal“ war - gemäß den Maßstäben der „lokalen Gemeinschaft“, der Bürger der Stadt Frankfurt am Main.

Wäre der Fall anders entschieden worden, wenn nicht Frankfurter Rechtsgefühl hätte herangezogen werden müssen, sondern der sittliche Ortsgeist der Stadt Tampa im amerikanischen Bundesstaat Florida? Vor dem republikanischen Parteitag in diesem Sommer konnte man lesen, dass Tampa als die Hauptstadt der Striplokale gilt. Zur stabilen Nachfrage tragen die in Tampa stationierten Soldaten des Luftwaffenstützpunkts sowie der Hauptquartiere der Nahosttruppen, der Spezialeinsatzkräfte und der Marines ihr Scherflein bei.

Generäle sollten keine erotischen Eroberungen machen

In den letzten Tagen hat man nun erfahren, dass es in Tampa Damen der guten Gesellschaft gibt, die es als ihre patriotische Pflicht ansehen, die nach Südflorida versetzten Kommandeure aus der Isolation des Kasernendaseins herauszulocken. Belohnt wird die Truppenbetreuung schon einmal durch die Verleihung eines fiktiven Botschaftertitels; im vertrauten Gedankenaustausch zwischen den Berufsoffizieren und ihren ehrenamtlichen Verbindungsoffizieren aus der Zivilgesellschaft kann sich ein informeller Ton einstellen, dessen schriftlicher Niederschlag unter Umständen missverständlich wirkt.

Auch wenn die Unterstützer sich finanziell verausgaben, sind der Integration des militärischen Personals Grenzen gezogen. Selbst wenn für Partygäste das Piratenkostüm vorgeschrieben ist, sollten Generäle lieber keine Beute machen: Durch erotische Eroberungen setzen sie sich unter Umständen der Gefahr der Strafverfolgung nach dem Buchstaben der Gesetze von Florida aus.

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