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Peter Gauweiler : Der Überbayer

Wie der antike Philosoph Sokrates weiß dessen Verehrer Peter Gauweiler, dass er nichts weiß Bild: Roeder, Jan

Vom Schwarzen Peter zum Sekretär des Volkes: Der bekennende Föderalist Peter Gauweiler liebt politische und juristische Alleingänge. Das gefällt nicht allen, aber vielen. Eine Langzeitbeobachtung.

          München, Promenadeplatz. Dunkelbraune Wandtäfelung, ein Steingarten mit Fetthenne unter dem Dachfenster, dahinter trübgrauer Novemberhimmel. Anwälte kommen und gehen durch Türen mit Messinggriffen. Im Eckbüro mit Stilmöbeln schwebt ein Putto mit Helm und bayerischer Fahne über dem Schreibtisch, auf dem kein Computer steht. Ein schwarzesweißes Bild zeigt den Vater, ein farbiges die Ehefrau und vier wohlgeratene Kinder. Auftritt Peter Gauweiler, weiß der Schnauzbart und der Haarkranz, Sportuhr mit Kautschukband, Slipper, mittelgraue Wollhose, Tweedjacket, schmale Krawatte, schmaler Ehering.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Fester Händedruck, beinahe schwarz wirkende Augen in tiefen Höhlen, überdacht von graumelierten Augenbrauenskulpturen. „Sind sie katholisch?“, fragt er überfallartig nach der Begrüßung, um gleich anzufügen: „Ich bin evangelisch.“ Ob das vielleicht doch von größerem Belang ist? Der Dreiundsechzigjährige ist einer von zwei protestantischen Mitgliedern im Katholischen Männerverein Tuntenhausen. Dessen Ehrenvorsitzender, der ehemalige Kultusminister Hans Zehetmair, ist sicher, dass Gauweiler „ein Marienverehrer ist, „katholischer lebt als mancher von uns“.

          Also reden wir erst einmal über Kinder und Erziehungsfragen, landen bald beim Dauerbrenner: Wenn er seinem Sohn sage, er könne so viel Geld haben, wie er brauche, dann nähme der auch alles an - wie die Griechen. Woher nimmt Gauweiler nebenher soviel Zeit für die Griechen, als Anwalt, Bundestagsabgeordneter, Parteimitglied, Publizist, Familienvater? Er könne sich ein Leben, in dem das alles nicht stattfände, nicht vorstellen. „Ein Anwalt ist im Dienst, bis er umfällt. Man will ja nicht wie ein Möbel herumstehen. Man muss es ja nicht mehr so gach machen.“ Gach, süddeutsch für schnell, jäh.

          „Integration ist nicht seine Lieblingsbeschäftigung“

          Schnell war der Münchner Rechtsanwaltssohn immer. Im Alter von dreiundzwanzig Jahren Stadtrat, Jura-Studium, berufsmäßiger Stadtrat, Kreisverwaltungsreferent in München, Innenstaatssekretär, Umweltminister. Als ihn „die Liebe meiner Partei“, wie er heute spöttelt, aus dem Amt drückt, macht er sich als Anwalt selbständig. Die ersten Mandanten kommen aus Neugierde. Später Fusion zur Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner in vornehmer Altstadtlage. Eine Boutique mit fünfzehn Anwälten sei man, keine Law Firm. Als Einheizer und Feuerwehrmann ist er der CSU willkommen, als stellvertretender Vorsitzender nicht.

          Nach der Niederlage um das Amt eines Partei-Vizes wollte ihn Seehofer stärker einbinden, erinnert sich Theo Waigel, „aber Gauweiler ist schlau und weiß, dass das gar nicht geht, weil Integration nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung ist“. Lieber will man ihn dort haben, wo es brennt. Der Straubinger Abgeordnete Hinsken, Banknachbar Gauweilers im Bundestag, will ihn als Redner im Bayerischen Wald. Eine CSU-Bastion droht verlorenzugehen. Die SPD hat den Bürgermeister von Bodenmais als Landratskandidaten aufgestellt - einen sechsundzwanzigjährigen bekennenden Homosexuellen. Gauweiler lehnt ab. Die Gerüchteküche platziert ihn im Zusammenhang mit einer möglichen Parteigründung rechts der CDU gern zwischen Thilo Sarazzin und Friedrich Merz.

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