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Veröffentlicht: 08.02.2016, 11:50 Uhr

Pegida-Aktivistin in Warschau Sie wollen die Europäische Union von innen zerstören

Diese Internationale bekämpft das Menschenrecht: Die Pegida-Aktivistin Tatjana Festerling redet vor dem Warschauer Schloss. Ein Spiel zwischen der Manifestation nationalistischer Parolen und gezielter Volksverhetzung.

von Felix Ackermann, Warschau
© dpa Sie spricht, und tausend polnische Rechtsradikale und besorgte Bürger antworten im Chor auf Polnisch: Tatjana Festerling vor dem Warschauer Schloss.

Tatjana Festerling steht vor der Sigismund-Säule gegenüber dem Warschauer Schloss. Das Renaissancegebäude ist in Polen ein Symbol für die systematische Zerstörung der Millionenstadt und die Plünderung polnischer Kulturgüter durch die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs. Es steht aber auch für den Wiederaufbau der Warschauer Altstadt nach dem Ende des Krieges. Im Rücken der Rednerin werden Bilder von der gleichzeitig stattfindenden Pegida-Kundgebung in Dresden übertragen. Tatjana Festerling warnt auf Deutsch vor einer islamistischen Invasion Europas. Sie prangert die Unterwerfung Europas an, die angeblich bereits stattgefunden habe. Nachdem ihre Rede übersetzt worden ist, grölen tausend polnische Rechtsradikale und besorgte Bürger gemeinsam im Chor auf Polnisch zurück: „Statt Einwanderung für Dschihadisten Bomben für Terroristen!“

Ein junger Demonstrant aus der masurischen Kleinstadt Mragowo, die bis 1945 Sensburg hieß, schwingt eine polnische Nationalflagge mit dem Ankersymbol für den Warschauer Aufstand. Für alle Fälle hat er sich die Flagge und das Ankersymbol auch auf seinen Unterarm tätowieren lassen. Er sieht kein Problem darin, dass heute eine rechtsradikale Deutsche eine Rede vor Polen hält, die sich als besonders kämpferische Patrioten verstehen. Ihn stört nur, dass so wenige Menschen an der Kundgebung teilnehmen. „Wir haben nichts gegen Deutsche. Was uns geteilt hat, ist Vergangenheit“, erklärt er. „Doch nun sind wir gemeinsam bedroht von den islamischen Einwandern.“

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Zweihundert Meter vom Schlossplatz entfernt protestieren weniger als zweihundert linke, teils vermummte Demonstranten gegen die Kundgebung des radikalnationalen Lagers, auf der Böller und Leuchtfeuer gezündet werden. Berittene Polizei riegelt die Gegendemonstranten von den aus dem ganzen Land angereisten Rechten ab. Ein katholischer Priester, der gerade aus der nahen Universitätskirche kommt, findet an der Szenerie nichts Ungewöhnliches: „Wir sind eine Demokratie. Da gehören Demonstrationen dazu. Und es ist klar, dass sich hier Radikale beider Seiten versammelt haben.“ Auf die Frage, woher der Fremdenhass in einer Gesellschaft kommt, in der es seit Ende des Zweiten Weltkriegs nur wenige Fremde gibt, antwortet er: „Das muss man verstehen. Die Menschen haben eben Angst. Sie wollen nicht, dass Muslime in unser Land kommen.“ Nach dem Gebot der christlichen Nächstenliebe in Zeiten des Krieges im Nahen Osten gefragt, gibt er zu bedenken: „Ja, wir diskutieren das gerade in der polnischen Kirche, was das für uns bedeutet!“ Vielleicht bezieht er sich darauf, dass es auch in Polen katholische Gemeinden gibt, die sich um bereits angekommene Flüchtlingsfamilien kümmern.

Verbale Ausgrenzung als symbolische Gewalt

Tatjana Festerling setzt zu dieser Zeit ihre Hasstirade fort und spricht von Angela Merkel als der „gefährlichsten Frau Europas“, von einem „kollektiven Stockholm-Syndrom der deutschen Gesellschaft“ sowie von „tausendfachen Verfassungsbrüchen“. Sie warnt vor einer angeblich kurz bevorstehenden Entscheidungsschlacht gegen die islamische Bedrohung Europas und beschreibt Asylbewerber aus den Kriegsgebieten in Syrien, dem Irak und Afghanistan konsequent als Eindringlinge. Ihre sprachlichen Bilder von einem physisch durch diese Fremden bedrohten deutschen Volkskörper spielen mit sprachlichen Mustern des Faschismus. Die Projektion der eigenen Ressentiments auf eine andere Religion und die pauschale Ablehnung dieser funktioniert heute ebenso gut für den Islam, wie sie seit Jahrhunderten für das Judentum funktionierte.

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