19.08.2010 · Ist Patchwork wirklich das Familienmodell der Zukunft? Auf jeden Fall passt es in unsere Unverbindlichkeitswelt. Doch unsere Selbstverwirklichungsmanie fordert ihren Preis. Und den zahlen die Kinder.
Von Melanie MühlRichtlinien für Lesermeinungen
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Es tut mir leid, dass Sie den Satz : ..., „dass die Authentizität ihrer Beschreibung des Problems „Transformation traditioneller Familienstrukturen“ eher der Lektüre der von der Autorin zitierten Bücher geschuldet sein dürfte“ auf sich bezogen haben. Er betrifft vielmehr Frau Mühl, die Ihrer Meinung nach "die Probleme authentisch beschrieben hat“, obwohl doch nahe liegt, dass die Autorin (Jahrgang 1976) sich überwiegend nicht auf eigenes Erleben stützten kann. Das wäre auch nicht zu beanstanden, wenn sie mit der angemessenen Sachlichkeit und Sensibilität aufgetreten wäre, anstatt in diffamierender und verletzender Weise Millionen von Mitbürgern wegen der Form ihres Familienlebens zu kritisieren. Im übrigen kann ich Ihren Frust verstehen, mag aber Ihren Pessimismus nicht teilen. Es gilt, dafür zu streiten, dass die gesellschaftliche Realität vorbehaltlos zur Kenntnis genommen und das Beste aus der Situation gemacht wird, das heißt, die betroffenen Familien nicht zu diffamieren, sondern mit Hilfsangeboten zu unterstützen, u.a. Beratung und, falls erforderlich, Familientherapie. Die erforderlichen Mittel wären gut investiert im Interesse der betroffenen Menschen und der gesamten Gesellschaft.
Jede Scheidung ist eine zuviel....
Der Artikel ist radikal - im Kern aber für mich (Rechtsanwältin für Familienrecht) zutreffend. Die Trennungs- und Scheidungsfolgenverarbeitungsindustrie läuft auf Hochtouren: Beratungsstellen, Jugendämter, Autoren diverser Ratgeber (Gipfel bzw. Tiefpunkt der Entwicklung für mich immer noch das Buch mit dem Titel "Glückliche Scheidungskinder"). Total vernachlässigt wird das Feld der Scheidungsprävention: Aufklärung über Konflikte in der Partnerschaft, Training für die Bewältigung von Ehekrisen, Schulunterricht zum Thema Beziehung - einfach genau derselbe Beratungsaufwand für den Erhalt von Partnerschaften, wie derzeit für deren "Abwicklung".
Wenn manche Paare wüssten, welche quälenden Folgen eine Scheidung für sie und ihre Kinder hat - sie würden mehr Energie in den Erhalt der Beziehung stecken.
Scheidungen setzen ungeahnte Negativ-Kräfte frei, oft nicht mehr zu bremsende Eskalationen. Vom dauerhaften Absinken des Lebensstandards ganz zu schweigen. Von all dem wird viel zuwenig geschrieben und berichtet.
Wunsch Nr. 1 von Scheidungskindern: Die Eltern sollen wieder zusammen sein.
Dieser Wunsch hält sich lange und zäh, oft jahrelang - er wird nur seltend bis nie erhört.
Langsam kommen wir uns näher. Nur Ihre Spekuationen über meine Motive und Kenntnisse verbitte ich mir. Das steht Ihnen nicht zu!
Wandel akzeptieren und begleiten. Gene. Ich bin total tolerant. Jeder (Erwachsene) soll leben wie er will. Kindern aber müssen wir endlich die Bedingungen schaffen, die den Kindern helfen. Um die geht es. Da kenne ich mich recht gut aus. Unsere Gesellschaft predigt die Toleranz und die ach so tolleranten Modernos lassen reihenweise Kinder im Stich. Klar, dass die staatlichen Stellen als Nothelfer aller Art eintreten sollen. Tun die auch. Aber mit zu wenig Ressourcen. Es muss viel, viel mehr getan werden. Für die Kinder; nicht in Form von Freibeträgen für die Eltern dieser Kinder.
Man mag das bedauern, es ist aber unerlässlich. Für eine ganze Generation ist es schon zu spät. Wie es künftig besser gehen soll wissen Insider nicht. Die meisten resignieren und wursteln sich durch.
Der Egoismus des Großteils der Erwachsenen machen Lösungen unmöglich. Minderheiten (Schwule, Lesben, Exoten) oder Kinderlose (inzwischen wohl die Mehrheit) haben die Macht im Staate. Gute Nacht für all die Kinder, denen die Eltern nicht einen emotional gangbaren Weg bereiten. Kinder brauchen mehr als Geld oder Chipkarten.
Meine Frau machte machte mich auf diesen Artikel aufmerksam, den ich aber schon gelesen hatte, und auf den ich sie meinerseits noch aufmerksam machen wollte. Ich habe selten einen so gut analysierenden und treffsicheren und gleichzeitig witzigen Artikel gelesen, den ich in dieser Form gleich mehrmals unterschreiben möchte. Als Scheidungskind weiß ich genau, welche Schwierigkeiten auch bei relativ guter Zusammenarbeit der getrennten Eltern auf einen zukommen, auch wenn bei Patchwork in optischer Hinsicht ganz nette Flickenmuster erzielen kann. Und auch wenn z. B. Prominente mit angestrengter Fröhlichkeit diese Lebensweise gelenkig vorturnen, ist sie nur die zweitbeste Lösung. Nochmals beherzten Glückwunsch zu diesem Artikel!
Ich nehme einmal an, dass Sie das nicht ganz ernst meinen. Falls Ja, wird jeder Diktator an Ihnen seine helle Freude haben.
Das Modell, das Sie beschreiben ist so ziemlich genau das, was sich die Diktatur des Proletariats oder die Nazis auf die Fahnen geschrieben hatten. Die Familie als der Raum den es für das Kollektiv zu überwinden gilt:
"So wie in der Urgesellschaft die Familie den Klan zerstörte, so zerstört im Kommunismus das wirtschaftliche Kollektiv die Familie, die schon in der Krise des Kapitalismus zu zerbröckeln begann. Der Prozeß kehrt sich um. Wenn die Familie ideologisch oder strukturell festgehalten wird, dann wird das Kollektiv in seiner Entwicklung gebremst; gelingt es ihm nicht, die Bremsen zu überwinden, dann zerstört es sich selbst an den Schranken der familiären Struktur des Menschen ..." (Wilhelm Reich)
Dass dieser kommunistische Schmuh immer noch begeisterte Anhänger findet, lässt einen doch sehr an der Vorstellung vom Menschen, als vernunftbegabtem Wesen zweifeln.
Es waren nicht die 68er! 2.Teil
Deshalb halte ich auch viele der hier negativen Kommentare für das erregte Gebell „getroffener Hunde“.
Vielleicht wäre es besser, einmal darüber nachzudenken und zu diskutieren, wie die „ideale“ Familie aussehen könnte, und welche Rahmenbedingungen die Politik dafür setzen müsste, anstatt das häufig vorkommende Scheitern klassischer Familienmodelle als Totschlag-Argument gegen diese zu verwenden und sie durch irgendwelche zeitgeistigen Konzepte ersetzen zu wollen oder diese sinnlos zu verteidigen, nur weil man selbst betroffen ist.
Und vor allem sollte man sich sich hüten, in die Falle zu gehen die uns Frau v.d.Leyen oder Merkel mit ihrer „Das ist alternativlos“-Argumentation stellen.
Es gibt immer etwas Besseres, man muß nur selbst denken lernen.
Es liegt an uns, zu entscheiden, wie wir leben wollen, aber dazu muss man das Gehirn einschalten, nicht nur irgendwelche leeren Parolen nachplappern.
Hier muß ich auch dem Kommentar von Jörg de Joop (Staffelberg) vom 19.08./16.30 voll zustimmen.
Es waren nicht die 68er! 1.Teil
Meines Erachtens waren die hier so oft als Schuldige bezeichneten „68er“ nicht der Auslöser, sondern die in der Nachkriegszeit so oft gehörte Parole „Meine Kinder sollen es mal besser haben“, die von einem völlig falschen Werteverständnis zeugt, was für ein Kind „gut“ ist.
Hier bahnte sich eine falsche Gewichtung materiellen Wohlstands an, die heute noch in den Köpfen verankert ist. Wenn ich dann heute in anderem Zusammenhang (Finanzkrise, jetzige Diskussion zum Aufschwung, Atomausstieg) Sätze von Kommentatoren lese, wir müssten in Deutschland „unseren Wohlstand sichern“, wird mir ganz schlecht. Nicht irgendwelche anonymen 68er haben die Kleinfamilie und unser Wertesystem zerstört, sondern jeder Einzelne war selbst dafür verantwortlich, welches Konzept er in seinem Leben umsetzte und welchen Vorbildern er nacheiferte! Auch wenn heute gerade in den einschlägigen Dokusoaps der Privatsender täglich diese Zerstörung betrieben wird, ist es die Schuld des Einzelnen, der diese Modelle (teils mangels besseren Wissens) willig nachlebt, anstatt sich selbst Gedanken zu machen.
==> Teil2
Die Lösung ist offensichtlich und wurde auch schon genannt(Teil 2 von 2)
Für Einbindung in Gemeinschaft ist meiner Meinung nach die Schule, der Ort an dem die Gesellschaft ihre Verpflichtung gegenüber den Kindern wahrnimmt, verantwortlich.
Wir müssen endlich die Entwicklung der Kinder aus dem Zufall der Herkunft und dem Dunkelfeld der Kleinfamilie in die Gesellschaft holen."Schulpflicht" ab der Geburt in Form von Krabbelgruppen und enger Betreuung durch Ärzte und andere. Den Kindern unabhängig von ihren Eltern Zugang und Einbindung in die Gesellschaft anbieten und ermöglichen.
Die Trennung oder der Wegfall der Kleinstgruppe "Eltern" darf nicht zur Katastrophe für die Entwicklung des Kindes werden. Es muß in ein Netz eingebunden werden, daß nicht bis auf rudimentäre Reste(materielle versorgung/Kinderheim) zerreißt, wenn einzelne Personen oder Beziehungsfäden wegfallen.
Es sollte Standard werden, daß auch junge Kinder an Abwesenheit und Eigenständigkeit ohne ihre Eltern bzw primären Bezugspersonen gewöhnt werden.Das darf nicht erst mit der Wehrpflicht passieren.Sie müssen erleben und spüren, daß sie auch unabhängig von ihren Eltern Geborgenheit, Zuwendung und Liebe erfahren.
Als erster Schritt kann der Hort dafür erweiterte Schule sein. Ganztagsschulen mit häufigen auch längeren "Klassenfahrten" z.B.
Die Lösung ist offensichtlich und wurde auch schon genannt(Teil 1 von 2)
It Takes a Village". So hieß mal ein Buch der ehemaligen First Lady und heutigen US Außenministerin Hillary Clinton. und auch wenn ich ihr in vielen nicht zustime, heir leigt sie genau richtig.
Die Kleinfamilie als Trutzburg ist und war schon immer eine Propagandalüge. Selbst in völlig intakten Beziehungen können Partner sterben oder krank werden. Lediglich Mutter und Vater als Bezugspersonen für Kinder zuzulassen ist fahrlässig und für das Kind schädlich. Ein breites Spektrum, eine Gemeinschaft kann als einziges Sicherheit und ein breites Bild der realen Verhältnisse liefern.
Dieser Rückzug auf die Kleinfamilie pervertiert die Individuen und führt zu extrem abgekapselten Welten, die geradezu psychisch behinderte Kinder hervorbringen.
Stabilität kann eine auf wie es jemand hier dümmlich ausgedrückt hat "zwei Säulen:Mutter und Vater" gegründete Welt NIEMALS bieten. Bei sowenigen Bezugspersonen führt ein Ausfall, der wie gesagt auch abseits von Trennung durch Tod oder derlgeichen IMMER vorkommen kann unweigerlich in die Entwicklungskatastrophe für das Kind.
Nur ein breites Umfeld, früher hätte man von Stamm oder Clan gesprochen, heute sollte das die Gesellschaft sein, kann Stabilität und Ausgeglichenheit durch Vielfalt bringen.
The same procedure as every year
Bei diesem Thema darf sie nicht fehlen, die Warnung vor den 50ern mit ihrer Heuchelei, Verlogenheit und Bigotterie. Wir sollten sie ernst nehmen, diese Warnung.
Denn ein Rückfall in die 50er würde bedeuteten, dass wir nur Heuchelei, Verlogenheit und Bigotterie hätten, jedoch auf Nannies, Sozialwissenschaft, Coaches, Spezialerzieher, frühkindliche Bildung, Analphabetentum, nachehelichen Unterhalt, Kinderpsychologen, Hartz-IV, betreutes Wohnen, Bildungsunfähigkeit, Familiengerichte und Betreuungsunterhalt verzichten müssten.
Und das kann ja keiner wollen - jedenfalls nicht die Heerscharen derer, die sich eingerichtet haben in dieser überhaupt nicht geheuchelten, verlogenen oder gar bigotten Giga-Umverteilungsmaschine.
Ich wünsche mir, dass jemand, der über dieses komplexe Thema einen kleinen Artikel schreibt, sich dessen bewusst ist, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es an Werten wie Tolleranz und Nächstenliebe mangelt.
Wenn Sie einen Artikel mit einem provokanten Titel für diese Zielgruppe schreiben, werden sie Provokation und Intolleranz Ihnen gegenüber ernten. Von all jenen, die wie Sie, nicht daran partizipieren, nicht.
Deshalb, auch wenn Sie nicht Teil einer Patchwork-Familie sein sollten, haben Sie die Traurigkeit, die dieses Thema enthält schon sehr gut verinnerlicht.
Ich finde es gut, wenn Sie ihre Meinung äussern und damit dieses senisble Thema in der heutigen Zeit nach vorne bringen. Allerdings fehlt Ihnen die nötige Transparenz und Tolleranz, um die Situation jedes einzelnen, die der Kinder, der Eltern, der dahinterstehenden Partner und Familien, den daraus resultierenden Familien, zu begreifen. Ein Leben kann lang sein. Sowohl für die Kinder als auch für die Erwachsenen. Aber ohne gegenseitige Tolleranz und Liebe für den wertneutral Nächsten, wird der Inhalt eines solchen Lebens, wie der Inhalt Ihres Artikels.
Vielen Dank für diesen Artikel
Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel ! Ich selber bin noch in den Genuss gekommen in einer Familie aufzuwachsen - um mich herum sehe ich nur Kinder aus Scheidungsfamilien und ich bin mittlerweile nur noch froh, dass mich das Schicksal an dieser Stelle nicht getroffen hat. Dieses Ideal der Familie möchte ich selbstverständlich auch an meine Kinder weitergeben. Sehr schön zu sehen, dass es anscheinend noch andere Befürworter der "echten" Familie gibt.
Es geht nicht um Modelle, sondern um Menschen.
Frau Mühl übersieht, dass die Patchworkfamilie kein Familienmodell ist, sondern meistens das Ergebnis gescheiterter Beziehungen. Das sucht sich niemand aus. Dieser Artikel ist deshalb schwer erträglich, da die Autorin sich anmaßt, über Menschen zu urteilen, die sie nicht kennt. Wer sich die spießigen 50er Jahre zurückwünscht, sollte bedenken, dass es damals viel Heuchelei und Verlogenheit gab. Dass heute Männer und Frauen den Mut haben, so zu leben, wie es ihnen ihr Herz sagt, ist ein Segen und keine Schande. Familienglück ist dort, wo Menschen sich lieben und füreinander da sind. Und das spüren auch Kinder.
@ Leo Terbrack - So machen' schließlich fast alle...
Da haben Sie aber ordentlich hingelangt, alle Achtung! Und Sie attestieren der Frau Mühl Mut für ihre vergleichsweise moderate Hommage an das konservative Familienglück, das jedem zuteil würde, wenn er es nur wirklich wollte. Dabei sollten Sie doch damit rechnen, dass Sie nun von Freunden, Bekannten und Kollegen wegen Ihrer mutigen Offenbarungen ordentlich ins Gebet genommen werden, denn aus diesem Kreise werden doch wohl Ihre Erfahrungen stammen, nach denen es sich bei Ehescheidungen ausnahmslos um Fälle verantwortungslosen Strebens nach Selbstverwirklichung handelt, das keine Rücksicht auf die Belange der Kinder nimmt. Frau Mühl kann ja wenigstens mit Feuerschutz aus dem Stammtischmilieu rechnen, Sie aber werden mit dem Zorn der von Ihnen ertappten schamlosen Selbstverwirklicher rechnen müssen. Es sei denn, Ihre unangenehmen Wahrheiten gründen sich nicht auf eigene Beobachtungen, sondern auf Hörensagen und Verlautbarungen der neokonservativen Kampfpresse. Das wird man Ihnen nachsehen, denn so machen's ja schließlich fast alle...
Tiefe Anerkennung für Frau Mühl Teil 2
Ein solche Gesellschaft hat keine Zukunft und die Frage der Frau Mühl ob „Patschwork wirklich das Familienmodel der Zukunft ist“ wird unter der Befürchtung das Promi und Proleten auch in den nächsten Jahren dem Mainstream folgend und nicht lassen können von Scheidungen nach Lust und Laune, von den Sozialkrüppeln der nächsten Generation beantwortet werden müssen.
Leo Terbrack
P.S. Wer fakten möchte sollte sich das Buch:
„Scheidungsfolgen - Die Kinder tragen die Last. Eine Langzeitstudie „ studieren
ISBN-10: 3935984030
Tiefe Anerkennung für Frau Mühl Teil 1
Meinen Respekt und meine tiefe Anerkennung für Frau Mühl.
In dieser Zeit in der, in der jeder, ob Promi oder H4 Empfänger mindestens eine Scheidung zur persönlichen Selbstverwirklichung hinlegen muss ohne dabei die Bedürfnisse der Kinder auch nur im geringsten zu achten, in dieser Zeit ist der Mut dieser Frau gar nicht hoch genug zu bewerten.
Letztlich fragt uns Frau Mühl ob wir nicht mitunter überlegen sollen, unsere egoistischen Interessen als Erwachsenen auch mal mit dem Kindeswohl abzuwägen.
Ein Forderung die natürlich den Erwachsenen gar nicht passt. Von Ihrem rücksichtslosen Selbstverwirklichungsstreben müssten Sie dann ja Abstand nehmen.
Das Drama an dieser Situation ist aber das selbst Familienrichter in unserem Land einem Elternteil der die Position der Frau Mühl als Nachdenkens wert darstellt, das Sorgerecht für seine 3 leiblichen kleinen Kinder genommen bekommt, eben nur weil dieser Elternteil seine Kinder vor dem Schicksal der Scheidung bewahren möchte.
@ Carlo Rabatto - Gesellschaftlichen Wandel verstehen und kritisch begleiten
Mal abgesehen davon, dass Authentizität ihrer Beschreibung des Problems „Transformation traditioneller Familienstrukturen“ eher der Lektüre der von der Autorin zitierten Bücher geschuldet sein dürfte, ist es hilfreich, wenn sich hier Leute austauschen, die „nah am Thema“ sind. Alles, was ich aus meiner Erfahrung an „Anregungen“ bieten kann, habe ich im Wesentlichen in meinem an Sie gerichteten Beitrag vom 20.08. gesagt. Auch wenn es offenbar viele nicht erkennen wollen und von Neokonservativen, wie im hier zur Debatte stehenden Artikel, mit missionarischem Eifer bekämpft wird: Die Gesellschaft, und damit ihr Wertekanon, unterliegt einem ständigen Wandel, der sich in den letzten Jahrzehnten durch neue Kommunikationsstrukturen und damit Ausweitung des Erfahrungshorizonts beschleunigt hat. Eine Folge ist, dass mit Krisen in der traditionellen Familie mit einer anderen Erwartungshaltung umgegangen wird, was nicht, wie hier verschiedentlich unterstellt wird, mit vermindertem Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein einhergehen muss. Außenstehende, insbesondere jene, die sich öffentlich äußern, sollten versuchen, diesen gesellschaftlichen Wandel zu verstehen und kritisch zu begleiten, statt ihm mit Vorurteilen zu begegnen.
Ich würde Anregungen begrüßen, wie die fraglos bestehenden und in dem Artikel authentisch beschriebenen Probleme für die Kinder gemildert werden können. Das hätte ich erwartet bzw. gewünscht. Mehr nicht. Von "Lösungsansätzen" will ich nicht erst reden. Ich ahne, das es keine wirklichen gibt.
Wohin die gesellschaftliche Reise geht können all Diejenigen beurteilen, die mit den Patch-work Kindern der 2. Generation zu tun haben. Diese stellen, zusammen mit den Migranten, mindestens 95 % aller Problemfälle in den Schulen (Quelle: Eigene Beobachtungen und vielfältige Erfahrungswerte sowie eigene Schätzung - ich bin nah am Thema).
Grundsätzlich bin ich damit einverstanden, wenn Sie sagen: < Dass jeder einzelne für sein eigenes Leben einzustehen hat und für sein Handeln die Konsequenzen trägt. Diese Erkenntnis bedeutet in zunehmendem Maße "erwachsen werden", also Verantwortung üben >. Aber diese Tatsache läßt sich doch nicht lösen von dem Elternhaus, in dem man aufwächst? Um solch einen gefestigten Charakter zu entwickeln, wie Sie ihn zu Recht fordern, braucht das kleine Kind dieses unverbrüchliche Urvertrauen, das es nur in einer intakten Vater-Mutter-Kind-Familie bekommen kann. Und es braucht das Vorbild der Eltern, um die Forderungen zu erfüllen, die Sie stellen. Irgendwann später - ich wage nicht zu sagen, wann das ist - kommt der Zeitpunkt, wo ein Kind dann selbst entscheiden kann, wie sein eigenes Erwachsenenleben aussehen sollte. Aber die Basis, die viel früher gelegt wurde, ist überaus wichtig für diese "Selbstfindung".
Lieber Herr Schnappe, da habe ich ja wohl bei Ihnen einen empfindlichen Nerv getroffen, was Sie sogleich veranlasst hat, dem Thema, um das es hier geht, Lebewohl zu sagen. Kann ja passieren. Aber weil ja das Thema „Egoismus“ weder eine Erfindung der bösen „68er“ ist noch seit jener Zeit merklich nachgelassen hat, obwohl ja die „68er“ und ihr verderblicher Einfluss, wie Sie sagen, „auf dem absteigenden Ast“ sind, spielt er zweifellos eine Rolle bei dem hier anstehenden Thema Familie, mit oder ohne Patchwork. Er spielt hier ebenso eine Rolle wie Liebe oder wenigstens Zuneigung, Empathie und Verständnis, Geduld und Selbstdisziplin – alles Tugenden, die für das Gelingen einer familiären Gemeinschaft unerlässlich sind, deren Fehlen Sie aber im Einzelfall besser weder den „68ern“ anlasten sollten noch auf ungenügende Beachtung der profunden Einsichten der Frau Mühl zurückführen sollten. Beides wäre wenig geeignet, das Leid infolge gescheiterter Beziehungen zu mindern, weder in den „staatstragenden Familien“ noch bei denen, „die in der Hängematte eines sozialen Netzwerks ihre Zukunft sehen“.