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Papst-Debatte : Der Tag des friedlichen Zorns?

  • -Aktualisiert am

Es gibt keinen Dialog: Jussuf al Qardawi Bild: AP

Der Mann, der dem Papst antwortet: Das Wort von Jussuf al Qardawi hat Gewicht. Der Al-Dschazira-Fernsehprediger macht Front gegen den Vatikan - und vierzig Millionen Menschen hören ihm zu.

          Es war wie jeden Sonntagabend bei Al Dschazira. Wenn deutsche Zuschauer auf den „Tatort“ warten, ist das Publikum des arabischen Nachrichtensenders auf einen gelehrten Greis mit Turban und Hornbrille fixiert. Er heißt Jussuf al Qardawi und bestreitet die Sendung „Asch Scharia wa al Hayat“ - das islamische Gesetz und das Leben. Al Qardawi ist einer der wichtigsten Fernsehprediger der arabischen Welt. Seine Botschaften erreichen schätzungsweise vierzig Millionen Menschen. Als Radikaler gilt er nicht, und doch stimmte er jetzt sogleich mit aller Härte in den Kanon der islamischen Kritiker ein, die in der Vorlesung Benedikts XVI. in der Universität von Regensburg eine Schmähung ihres Glaubens erkennen wollen.

          Die Muslime hätten das Recht, „wütend und verletzt über die Bemerkungen des höchsten christlichen Geistlichen zu sein“, sagte al Qardawi und forderte eine Entschuldigung des Papstes. „Zu sagen, der Prophet Mohammed hat böse und unmenschliche Dinge propagiert, wie den Glauben mit dem Schwert zu verbreiten, ist entweder eine Verleumdung oder blankes Unwissen.“ Der Papst verhindere den Dialog. Der „Dschihad“, der „Heilige Krieg“, diene der Selbstverteidigung und nicht dazu, anderen den Islam aufzuzwingen, denn im Koran stehe: „Es gibt keinen Zwang in der Religion.“

          Der richtige, islamische Weg

          Allwöchentlich erklärt der Geistliche den Zuschauern von Al Dschazira den richtigen, islamischen Weg, ob es um den Libanon-Konflikt, künstliche Befruchtung oder die Gleichstellung der Frau geht. Seit 1997 ist al Qardawi bei Al Dschazira auf Sendung. Zuvor war er oberster Islamgutachter Qatars, Schüler der renommierten Al-Azhar-Universität in Kairo, Anhänger der Muslimbrüder. Im ländlichen Unterägypten aufgewachsen, soll er schon mit zehn Jahren den Koran auswendig gelernt haben. Trotz seines Werdegangs ist er nicht einfach ein traditioneller konservativer Scheich. Vielen Muslimen gilt er als moderat, ja sogar liberal. Mehr Frauen im Richteramt wünscht er sich etwa, überhaupt mehr Frauen in Männerberufen.

          Das verstimmt die Fundamentalisten. Doch auch die Liberalen reiben sich an al Qardawi, etwa an seiner Einlassung zum Thema Gewalt in der Ehe: „Der Mann hat als Oberhaupt der Familie ein Recht auf den Gehorsam seiner Frau“, schreibt er, und „nur wenn es nicht anders geht, ist es ihm erlaubt, sie mit den Händen zu ermahnen, dabei soll er ihr Gesicht oder andere verletzliche Zonen schonen“. Homosexualität ist ihm ein Greuel. Also ist er doch ein rückwärtsgewandter Gelehrter? Seine Empfehlungen sind voller Widersprüche, die Terroranschläge in New York, London und Madrid verurteilt er, zivile Opfer bei Selbstmordattentaten in Israel betrachtet er hingegen als bedauerliche Kollateralschäden, die es bei einem bewaffneten Konflikt nun einmal gebe.

          Das Erlaubte und das Verbotene

          Der Fernsehscheich ist seit mehr als vierzig Jahren eine feste Größe im sunnitischen Islam, dem 85 Prozent aller Muslime angehören. 1960 machte ihn sein Werk „Das Erlaubte und das Verbotene im Islam“ berühmt. Es ist ein Dauerbrenner mit über dreißig Auflagen. Bei der deutschen Ausgabe sind es schon fünf. Weltweit liegen seine Videos und Kassetten in Moscheen aus. Al Qardawi hat zudem die Möglichkeiten des Internets erkannt. Seine wichtigste Website Islamonline (islamonline.net) registriert eine halbe Million Zugriffe täglich. Islamonline ist angeblich die meistbesuchte Islamseite und die fünftwichtigste arabische Adresse im Netz. Kaum eine Frage des täglichen Lebens bleibt bei Islamonline unbeantwortet. Beachtet Allah Gebete, wenn man zuvor Alkohol getrunken hat? Darf ich eine Frau künstlich beatmen? Ist Oralverkehr erlaubt? Suchmaske, Eingabe - al Qaradawi weiß Bescheid. Er und ein großes Team entscheiden nach den Regeln der islamischen Rechtsfindung, basierend auf dem Koran, der Überlieferung vom Leben des Propheten und der Tradition. Heraus kommen religiöse Gutachten, also Fatwas.

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