05.05.2009 · Die großen deutschen Wissenschaftsorganisationen setzen auf „Open Access“, also die Publikation aller wissenschaftlichen Studien im Internet. Doch was als Fortschritt gespriesen wird, läuft auf eine Enteignung der Forscher hinaus.
Von Roland ReußRichtlinien für Lesermeinungen
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Urheberrecht entmuendigt wissenschaftliche Urheber
Herr Reuss beklagt unter anderem, dass Open Access unberechtigterweise aus Forschungsmittel subventioniert wuerden. Die Wahrheit ist, dass weit groessere Summen als Subskriptionsgebuehren an Wissenschaftsverlage fliessen und so der Wissenschaft entzogen werden. Die angebliche Kostenexplosion, die er mit den Serverkosten der Yale-Universitaet zu untermauern sucht, gibt es so nicht, denn er unterschlaegt, dass der Open Access Server nicht nur von Yale-Mitarbeitern sondern weltweit gelesen werden kann. Was bieten dem gegenueber die etablierten Verlage: wenig. Die Artikel werden von Wissenschaftlern verfasst, begutachtet, herausgegeben und kamerafertig im Verlagslayout produziert. Ein Lektorat vom Verlag findet kaum mehr statt. Dieses fast ausschliesslich steuerfinanzierte Produkt tritt der Author unentgeltlich an den Verlag ab, oft bezahlt er noch dafuer. Will er dann seinen eigenen Artikel in der Zeitschrift lesen, bezahlt er dafuer ueber die Subskriptionsgebuehr noch einmal. Hier werden grosse Summen der Wissenschaft fuer eine nur geringe Gegenleistung entzogen. Ein Teil davon in OpenAcess Serven angelegt, ist eine weit sinnvollere Investition.
Widerstand gegen Open Access zum Schutz des Staates ?
Könnte es nicht sein, dass unter dem Deckmantel des zu schonenden Urheberrechts, des "Schutzes der Autoren", der wirtschaftlichen Existenzerhaltung der "Verlage" eine Politik der Informationsvorenthaltung betrieben wird zum Schutze des Staates vor dem vielleicht (zu) mündigen Büger ?
Vortrefflicher Artikel von Herrn Reuß
Herr Reuß spricht mir hier aus der Seele. So wie ich meine Schallplatten nicht durch das laufende Radioprogramm ersetzen lassen will, so hat doch auch die Wertschöpfung Buch ein völlig anderes Format als fliegende CD-Roms ... Ulrich Langner, Bayern
Antwort auf eine ganz banale Frage
Hajo Neumann fragt "Wie steht es eigentlich mit der Nachhaltigkeit von Open Access Publikationen?" und meint damit wohl die Nachhaltigkeit von _elektronischen_ Publikationen, egal nach welchem Geschäftsmodell die erschienen sind. Eine sehr berechtigte Frage! Ein Druck auf Papier ist ungleich viel haltbarer als eine elektronische Erscheinungsform. Das gilt für die technische Seite, nämlich das sich Ändern elektronischer Formate, aber auch für den Aspekt des Verschwindens von Texten durch einen Rückzug eines Servers vom Netz. Ein Verlag kann in Konkurs gehen, ein Anbieter kann seinen Server abschalten, ohne dass jeweils "automatisch" ein Ersatzserver einspringt. Die Frage der Langfristarchivierung ist derzeit nicht überzeugend gelöst. Das ist und bleibt eine drängende Aufgabe für alle "Gedächtnisorganisatoren", für Bibliotheken und DV-Abteilungen sowie für deren Sponsoren. Davon unberührt ist das überwältigende Votum aller Akteure im (Natur-)Wissenschaftsbetrieb, den Zugang zu Wissen elektronisch zu erhalten und zu nutzen. Oder eben fast aller Akteure. Es ist jedenfalls nicht der breite Strom von Anhängern elektronischer Publikationen, der als Strom von Geisterfahrern verdächtig ist.
"mittelständische Wissenschaftsverlage" : um die geht es doch hier eher weniger
sondern um internationale Großkonzerne wie Elsevier, Springer, Wiley etc. mit z. Teil Mrd.-Umsätzen. Und wofür bekommen die ihr Geld? Das ist einem nicht ganz klar, wenn man selber wissenschaftlich arbeitet: Das Argument, bei open access müsse der Publiziernde alles selber machen, trifft ja leider für die meisten kostenpflichtigen Publikationen genauso zu. Ein Lektorat gibt es eigentlich nicht, das "peer review" wird ebenfalls unentgeltlich erledigt. Oft muß der Veröffentlichende noch selber etwas bezahlen! Dafür darf er dann sein copyright abgeben und seine eigene Arbeit ohne Erlaubnis des Verlags nicht mehr weiter verwenden, hat auch keinen Einfluß darauf, wenn der Verlag die Publikation eines Artikels einfach mal verschiebt. Unter diesen Umständen davon zu sprechen, daß durch die kommende Entwicklung die Forscher "enteignet" würden, ist eine Unverschämtheit. Herr Reuß sollte auch zu denken geben, daß diejenigen Zeitschriften, die ihren Lesern einen echten Mehrwert bieten, indem sie richtige redaktionelle Arbeit leisten, Hintergrundinformationen und Nachrichten bringen oder durch Kommentare und Diskussionen helfen, die veröffentlichen Forschungsergebnisse zu bewerten, auch heute keine Probleme haben, Abonnenten zu finden.
Forschungspublikationen richtiggestellt
Herr Reuss, Sie haben das System nicht verstanden. Das Problem ist folgendes: Der Wissenschaftsrat in vielen Laendern erzaehlt den Politikern und somit den Steuerzahlern, wie Qualitaet in der Forschung gemessen wird. Durch bestimmte Artikel in bestimmen Zeitschriften, die man durch gute Freunde (peer review) in sogenannte Wissenschaftspublikationen verwandelt hat. Wissenschaftler, die Karriere machen wollen, sind somit gezwungen in diesem System zu publizieren, das vom Wissenschaftrat und damit der Politik geschaffen wurde. Andere Wissenschaftler, die diese Informationen benoetigen sind gezwungen ueber Ihre Institutionen diese Informationen teuer zu kaufen. Interessanterweise wird der Wisschenschaftrat, der Forscher einer Universitaet, und die Publikationen die er benoetigt vom Steuerzahler/ der Allgemeinheit bezahlt. Die Geldgeber ueberlaessen jedoch das Copyright Gewinn machenden Organisationen den Verlagen und haben somit keine Einflussnahme auf die Preisgestaltung dieser Verlage. Ein Teifelskreis der zu jaehrlichen Preissteigerungen von 10-20% fuehrt. Kann sich das die Allgemeinheit so noch lange gefallen lassen? Wer die Forschung finanziert sollte das Verwertungrecht besitzen!
Die Angst des RR vor Open Access
Der Beitrag enthält so viel Falsches, dass man gar nicht weiß, wo anfangen. Insbesondere ist der Hinweis auf die "gesamtgesellschaftlichen Kosten" falsch. In der Regel bezahlt die Gesellschaft für die Forschung zweimal: 1. indem sie den Forscher, seine Hilfskräfte, seine Ausstattung in staatlichen Unis und Forschungseinrichtungen alimentiert, 2., indem sie dessen Forschungsergebnisse dann von den Verlagen zurückkauft. Dass man Geld spart, wenn man Schritt 2 auslässt, liegt doch auf der Hand. Die Infrastruktur zur OA-Publikation auf Hochschulschriftenservern kostet natürlich Geld. Aber nicht so viel, wie man an Druckkostenzuschüssen spart. Rechnen wir doch mal vor: 200 Dissen pro Jahr auf dem Schriftenserver, für die von den Promovenden kein Druckkostenzuschuss von, sagen wir, 500,- € gezahlt werden muss, sind 100.000 €. Der Server selbst, sein Betrieb und die Diplomkraft, die die Autoren mit einem Teil ihrer Arbeitszeit unterstützt: kosten deutlichst weniger. So, Yale hat also BioMedCentral gekündigt, weil 64.000 $ zu teuer waren. Yale hat im gleichen Jahr 7 Mio $ für Zeitschriftenabos ausgegeben. Ausführliche Auseinandersetzung hier: http://philobar.blogspot.com/2009/02/die-angst-des-roland-reu-vor-open.html
... werde ich wenn, dann von Verlagen, denen ich mein Copyright abtreten muss - mit der Folge, dass ich meinen Aufsatz nicht mehr frei zugänglich ins Web stellen darf.
Da sieht jemand es als selbstverständlich an, das der Steuerzahler Milliarden für die Forschung ausgibt, aber von den Ergebnisse dürfen dann nur einige Verlage profitieren. IMHO gehören dem Steuerzahler die Ergebnisse der Forschungen komplett inklusive Rohdaten. In jeder Firma gehören Patente die auf Forschungsergebnissen von Mitarbeitern beruhen der Firma, wieso nicht in der staatlichen Forschung? Es hindert keiner die Verlage daran zu publizieren und den Mehrwert durch ein gutes Lektorat zu erzeugen. Die ist mal wieder ein schönes Beispiel für die Privatisierung von Gewinnen und der Sozialisierung der Kosten. Wenn die Verlage für die Forschung zahlen dürfen sie auch gerne die Veröffentlichungen exklusiv abdrucken. Mal sehen ob sie sich das leisten können.
Wie steht es eigentlich mit der Nachhaltigkeit von Open Access Publikationen? Als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Museum nebst Fachbibliothek bin ich jeden Tag aufs Neue begeistert von der Tatsache, daß sich selbst alte Folianten noch sehr gut lesen lassen, so man ein wenig Pflege aufwendet. Also: Kann man das von Open Access auch erwarten oder werden die dort gelagerten Publikationen einmal dasselbe Schicksal teilen wie meine alten VHS-Kassetten?
:) Wo würde DAS denn hinführen?! Das interessierte Volk könnte aufgrund frei zugänglicher Forschungsergebnisse (die ja von allen direkt oder indirekt bezahlt werden) die anthropogene Klimalüge als solche entlarven, Gore, Gabriel und Co als mammongetriebene Scharlatane bloßstellen. Wir könnten uns erklären lassen, warum es bereits Verbrennungsmotoren gibt, die mit erheblich höherer Effizienz arbeiten - und öffentlich fragen, warum die Pläne in der Versenkung verschwinden. Und in der Tat gibt es viele - sehr viele - Möglichkeiten die Forscher angemessen zu entschädigen. Deutschland ist ein unglaublich reiches Land, dessen Finanzmittel nur leider in Projekte verschleudert werden, die einigen wenigen einen unerhörten Reichtum bescheren; was nur möglich ist, durch die NICHT-Veröffentlichung der gegenbeweislichen Forschungsergebnisse (zur Zeit überwiegend in den Aufbau der ökoreligiösen Administrationsstruktur). Weitere Sichworte in der konträre Forschungsergebnisse nach Meinung einiger weniger lieber nicht veröffentlicht werden sollten, sind die Medizin/Pharmazie, die Ökonomie...Über die frei zugängliche Geschichtsforschung, gerade über die jüngere deutsche Geschichte, möchte ich gar nicht anfangen zu sinieren...
Wann hat sich der gute Hr Preus das letzte Mal in einer Uni-Bibliothek umgesehen? Da heisst es oft nach der Empfehlung eines Buches durch den Professor:Wer zuerst kommt mahlt zuerst. Und dabei kriegt man dann teilweise ein Exemplar in die Hand, dass schon fast als Loseblattsammlung bezeichnet werden muss. Und was glauben Sie, wie viele Studenten können sich Bücher leisten für die der Springer-Verlag teilweise 3-stellige Summen nimmt? Zum Totlachen ist übrigens auch die Bemerkung über"digitale typographische Massengräber". Ab diesem Abschnitt habe ich die Hoffnung aufgegeben, in Ihrem Artikel noch ein echtes Argument zu finden. Ich freue mich genau mein Vorredner Holger B auf frei zugängliche Publikationen! Denn es schmerzt einfach wenn man zu einem unglaublich spannenden Thema wenigstens einen seriösen Text ergoogelt hat, um dann feststellen zu müssen dass es nur das Abstract zu einem Werk ist, das selbst in Form von Einsen+Nullen noch zu einem Apothekenpreis angeboten wird. Zum Thema Google und Wikipedia: Wer alles glaubt was er findet ist selber schuld und liest wohl auch gedruckten Mist! Damit umzugehen nennt sich Medienkompetenz. Offenbar nicht nur in der Jugend ein weitverbreitetes Defizit, Hr Preus! GRUß V DER UNI STUTTGART
Oekonomisch betrachtet handelt es sich bei der Zwangsverpflichtung zur Veroeffentlichung von wiss. Publikationen um eine Verschiebung von Eigentumsrechten. Diese kann aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sinnvoll sein (muss es aber nicht). Eine genaue Kosten-Nutzen-Analyse ist hier sicher keine einfache Aufgabe, da die Abschaetzungen der positiven externalen Effekte aus dem entstehenden oeffentlichen Guetern (wiss. Erkenntnisse) den verringerten Anreiz zur Erstellung dieser gegenuebersteht (sofern monetaere Anreize im Bereich wiss. Forschung bedeutend sind!). Dennoch sollte m.E. eine solche Abschaetzung unbedingt unternommen werden, da eine solche Veraenderung von Eigentumsrechten sicher weitreichende und langfristige Konsequenzen auf die Wissensproduktion in Deutschland haben wird. Jedoch den Status-quo einfach nur als "bewaehrt" und schon daher als erhaltenswert darzustellen, greift in jedem Fall zu kurz! Das es sich hier in der Regel um oeffentlich finanzierte Forschung (also Steuergelder) handelt, wurde bereits von mehreren Kritikern richtigerweise erwaehnt.
Das Wortgeschwubel dieses Autors ist absolut kontraproduktiv. Da hört(liest) doch schon keiner mehr hin. Und so nutzt ihm auch kein open access. Von einem Wissenschaftler sollte man erwarten, dass er sich auch prägnant, kurz und präzise äußern kann, ansonste ist er der deutschen Sprache nicht so mächtig, dass er den Ansprüchen seiner Profession gerecht werden könnte. Ansonsten ist zu bedenken, dass viele Wissenschaftler Angestellte der Öffentlichkeit sind. U.a. ich, ich persönlich trage zu seinem Gehalt bei, seinem Lebensunterhalt, seiner Tätigkeit, seinem Papierkonsum, seinem Konsum an wissenschaftlicher Literatur, der Heizung in seinem Institut, der Beleuchtung, den Telefonkosten, seinem Stuhl, seinem Schreibtisch, seiner Sekrätärin und manchem, ja vielem mehr. Warum soll ich von den Früchten dessen, was ich finanziert habe, ausgeschlossen werden? Ist dem Autor klar, dass es mir nicht leicht fällt, das Geld zu verdienen, welches ihm seine Arbeit und sein Leben finanziert - ja sogar recht schwer? Ich könnte - wie er - verlangen, dass die Früchte meiner Arbeit ganz bei mir bleiben und jede Steuerzahlung ablehnen. Wo blieb er dann - ohne Finanzierung? Leider Ende: 1250 Zeichen. Es gäb noch viel mehr zu sagen.
Sehr geehrter Herr Meier, Ich zitiere Sie: „Also in den Geisteswissenschaften ist die Situation So: (...)“ ... Mit allem Respekt, aber schon aus Ihrem eher hilflosen Satzbau und Interpunktion ist die Situation der deutschen Geisteswissenschaften klar erkennbar: Der Niedergang liegt vor allem in mangelnder Disziplin und pseudointellektueller Schwafelei gepaart mit inhaltslosem Selbstmitleid. Als Geisteswissenschaftler sollten Sie, Herr Meier, zumindest in Punkto Rechtschreibung und Satzbau anderen ein Vorbild sein (vertippen kann sich natürliczh jedermaxl)! In Ihrem Beitrag sehe ich schon formal die Katastrophen und den Niedergang abendländischer Kultur. Schön aber, dass Sie stets mit dem Finger auf andere zeigen, die Sie „Parasiten“ nennen: „Die Verlage sind schuld“, „Eigeninteresse“, „Karrierezwänge“, davon schreiben Sie. Das hat Schiller auch schon getan, damit müssen Sie leben ... und vor allem: Dagegen müssen Sie sich durchsetzen und nicht nur weinerlich mit dem Sozialstaat im Rücken herumjammern; ... hat Schiller dann auch (ohne Hartz IV) fertig gebracht und was Reales geschaffen! ... Schön aber, so ein „Geisteswissenschaftler“, und eigentlich nur Selbstmitleidiger zu sein, gell?
bei Naturwisssenschaften ist alles anders als bei Roland Preuß
Das wissenschaftliche Publizieren - und dessen problematische Entwicklung - ist zu ernst, um darüber zu polemisieren. Der Beitrag von Roland Preuß erfordert eine Gegendarstellung, die den gleichen Raum erhielte. Hier nur in Kürze: - Wissenschaft, jedenfalls bei Naturwissenschaften, geschieht in einem Umfeld, lebt vom Austausch. Wissenschaftler wollen Erste sein bei Ideen, nicht Besitzer von Ideen. Abseits von Patentinteressen verfehlt die an die Wand gemalte "Enteignung" von Wissenschaftlern deren Interessenlage: von Mitstreitern und Konkurrenten gelesen zu werden und nicht gar von der Lektüre der eigenen Arbeiten durch Verlage ausgesperrt zu werden. - nicht nur DFG und Kulturminister fordern und fördern den Offenen Zugang zu öffentlich gefördertem Wissen: das gleiche tun MPG, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft... ausnahmslos alle Wissenschaftsgemeinschaften tun es. Und tatsächlich ist Open Access eine Bedingung bei der Förderung der medizinischen Forschung in den USA, wo der Verdacht auf Enteignungswut doch nicht gar so nahe liegt? - mittelständische Verlagshäuser als Teilnehmer am Prozess des Publizierens, das war einmal. Prägend sind heute wenige börsennotierte Häuser mit entsprechenden Geschäftsmodellen.
Freier Zugang auf wissenschaftliche Veröffentlichungen - für mich ein Traum!
Hallo, ich bin promovierter Naturwissenschaftler und mich hat es leider in die Provinz verschlagen - zu einem Auftragsforschungsinstitut. Wehmütig denke ich oft an die Studentenzeit zurück, wo mir die Bibliotheken der Welt offen standen. Ich habe das damals intensiv genutzt und es fehlt mir doch heute sehr. Sicher, das Internet ist schon eine nicht zu verachtende Informationsquelle - aber schnell ist Schluss, wenn man ein wenig mehr in die Tiefe gehen möchte. An die Abstracts der Paper kommt man ja meist noch ran - aber ab da wird es dann teuer. 30 EUR für ein paar Seiten sind da nichts, wenn man sich den Freischaltcode vom Verlag zukommen lassen will. Für jemanden, der wie ich, wenig verdient, ist da ganz schnell Schluss mit der Information. Ich habe eine Tochter mit Down Syndrom. Gern würde ich Literatur zu dieser Thematik studieren - geht aber nicht - zu teuer! Die Wissenschaftler der Welt arbeiten zum überwiegenden Teil mit Steuergeldern - also Geld, das von der gesamten Bevölkerung anteilig bezahlt wird. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler sind aber nur einem erlauchten Kreis zugänglich. Ich würde mich über freien Zugriff auf Wissenschaftsveröffentlichungen sehr freuen.
Lange nicht hat man sich über einen Artikel in der FAZ derart ärgern müssen. Die Wissenschaftler an den Universitäten leben fast ausschließlich von Steuergeldern. Der Steuerzahler ist daher Kunde der Wissenschaftler. Wenn der Kunde das von ihm bezahlte Produkt zum zweiten Mal, dann von den Zeitschriften, freikaufen muß, ist dies Diebstahl und damit verwerflich und müßte strafbar sein. Warum hat man noch nie in einer Dissertation gelesen, daß der Autor sich beim Steuerzahler bedankt, stattdessen immer nur bei seinem Prof oder seiner Frau oder sonstwem. Diesem unerträglichen Egoismus und Anspruchsdenken muß und wird eine Ende bereitet werden.
Ich kann Herrn Reuß in fast keinem Punkt zustimmen.
Die Form der Veröffentlichung ist zuerst unabhängig von Open Access oder nicht. Aber Tatsache ist, dass die überwiegende Mehrheit meiner Kollegen die elektronische Variante bevorzugt, selbst wenn sie mitunter dann doch noch ausgedruckt wird, mit Laptop hochkant auf dem Sofa geht auch ganz gut. Fehlende ältere Ausgaben wegen ablaufender Lizenzen sind ein Problem. Hier muss man aber die Nationallizenzen über die DFG lobend erwähnen, die einen großen Bereich älterer Ausgaben abdecken. Hundert einzelne Universitätsbibilotheken (in Deutschland, oder tausende weltweit) sind keine Alternative zu fachlich sortierten Zeitschriften. Aber eine Universität kann schon Server für eine bestimmte Zeitschrift oder Mirror dazu bereitstellen. Ich weiß nicht welche Vorstellung von einer Publikation Herr Reuß hat, aber Ziel ist schon, dass Interessierte den vollen Text lesen können. Dass alles viel billiger wird ist natürlich eine Illusion. Bei Open Access müssen die Kosten nur vorher von anderer Stelle getragen werden und nicht vom Leser. Ein Qualitätsstandard hat seinen Preis, sei es im Lektorat oder beim Server. Gerade unter Naturwissenschaftlern sind referierte Artikel (durch Fachkollegen) nicht durch ungeprüfte Veröffentlichungen zu ersetzen.
Urheberrecht komplett abschaffen
Von mir aus könnte man das Urheberrecht komplett abschaffen, ebenso wie das Patentrecht. Es dient in der Regel nur dazu, dass sich wenige Personen bereichern, die meisten Autoren bekommen sowieso nichts. Was extrem wichtig ist, das ist der kostenlose Online-Zugang zu wissenschaftlichen Zeitschriften. Wenn man aktiv Forschung betreibt, dann sollte man keine Zeit verschwenden müssen, sich Literatur zu beschaffen, wenn es technisch möglich ist, alles am eigenen Arbeitsplatz herunterzuladen. Ich muss immer wieder Autoren wegen Sonderdrucken anmailen, wenn die Universitätsbibliothek keine Lizenz für eine Zeitschrift hat, das ist einfach nur ärgerlch.