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Amerikas neue Kuba-Politik : Endlich, die Obama-Doktrin ist da!

  • -Aktualisiert am

Viel Spaß in Kuba: Barack Obama macht sich auf den Weg zu einem alten Feind. Bild: AP

Viel Feind’, wenig Ehr’: Wenn der amerikanische Präsident jetzt Kuba besucht, kommt die Korrektur alter Irrtümer zum Abschluss.

          Die Präsidentschaft Barack Obamas geht bald zu Ende. Quasi nebenbei ist ihm die Beantwortung einer wichtigen Frage gelungen: Wir wissen nun endlich, was sich zeitgeschichtlich einmal als die „Obama-Doktrin“ erweisen wird. Das Ungewöhnliche ist daran nur, dass sie sich ganz unamerikanisch stillschweigend herauskristallisiert hat, von praktisch niemandem bemerkt. Dabei enttäuscht Obama alle Beobachter, die auf ein „Grand Design“ gehofft haben. Das war und ist angesichts der Komplexität des Weltgeschehens ein illusorisches Unterfangen.

          Vielmehr hat sich der vierundvierzigste Präsident der Vereinigten Staaten dazu entschlossen, in die Fußstapfen des ersten, George Washingtons, zu treten. Der hatte im Jahr 1796 dem Land in seiner Abschiedsrede an die Nation empfohlen, so viele Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen mit anderen Nationen wie möglich einzugehen, ohne sich dabei allzu tief politisch-militärischen Verfänglichkeiten auszusetzen, wie dies damals die europäischen Vormächte unablässig taten.

          Obamas Vermächtnis

          Die, wenn man so will: Tragik der amerikanischen Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte ist, dass das Land ausgerechnet die Nationen, die sich in ihrer jeweiligen Region als natürliche Alliierte anboten, brüsk zurückwies, wenn nicht zu Erzfeinden stilisierte. Es ist just dieser selbstzerstörerische Trieb der amerikanischen Außenpolitik, den Obama seiner Nation nun zu nehmen versucht – und zwar mit der gleichen Entschlossenheit und Intuition, wie es damals George Washingtons getan hat.

          Auf traditionellen Spuren : Nostalgie-Reise ins „unamerikanisierte" Kuba

          Wenn man einen geographischen Dreisatz machen will, zunächst mit Blick auf die muslimische Welt: Welche Nation gleicht dort der amerikanischen von ihrer Gesellschaftsstruktur und Dynamik her am meisten? Gewiss nicht Saudi-Arabien, obwohl es sich – nicht zuletzt dank amerikanischer PR-Brigaden, die auch von Rüstungskonzernen unterstützt werden – immer wieder zum besten Verbündeten der Vereinigten Staaten zu stilisieren versucht. Von seinen archaischen gesellschaftlichen Strukturen und Grundprinzipien her passt Saudi-Arabien überhaupt nicht zu Amerika, von der systematischen Unterdrückung der Frauen und der kaum verdeckten Terrorismus- und Radikalismusfinanzierung zu schweigen.

          Lange überfällige Normalisierung der Beziehungen zu Kuba

          Der „natürliche“ Partner sind auch nicht der Irak oder Afghanistan, obwohl die Vereinigten Staaten dort enorme Anstrengungen, und zwar sowohl mit Blut als auch mit Geld, unternommen haben. Nehmen wir Asien in den Blick: Welche Nation im Fernen Osten spiegelt die unternehmerische Dynamik und grundsätzliche Freundlichkeit der Amerikaner am meisten wider? Gewiss nicht das hyperrigide, in sich verschlossene Japan. Auch wenn das Land unter der Führung von Shinzo Abe auf eine Militarisierung seiner Außenpolitik hinauswill, die den Falken in Washington gefällt, ist Japan kein Seelenverwandter Amerikas. Trotz allen Elektronikfanatismus und der Modernität seiner Städte ist es auch nicht Südkorea, obwohl sich das Land in den vergangenen Jahrzehnten wirtschaftlich sehr verwandelt hat und koreanische Eltern hart darum kämpfen, ihren Kindern viel an Ausbildung mit auf den Weg zu geben, nach Möglichkeit auch ein Studium in Amerika.

          Die Angler am Malecon, der Uferpromenade in Kubas Hauptstadt Havanna, könnten bald Besuch von amerikanischen Touristen bekommen.
          Die Angler am Malecon, der Uferpromenade in Kubas Hauptstadt Havanna, könnten bald Besuch von amerikanischen Touristen bekommen. : Bild: dpa

          Und wie sieht es in Lateinamerika aus? Dort haben es verschiedene amerikanische Regierungen immer wieder darauf angelegt, den Kommunismus zu bekämpfen. Doch so sehr man deshalb auch mit verschiedenen Militärdiktaturen anbandelte, die Gesellschaften dieser Länder hatten so gut wie gar nichts mit den positiven Attributen Amerikas gemeinsam. Die Antworten auf die drei Fragen lauten: Iran in der muslimischen Welt, Vietnam in Asien und Kuba in Lateinamerika. Obama hat die lange überfällige Normalisierung der Beziehungen zu Kuba eingefädelt, wie sein jetzt anstehender Besuch verdeutlicht. Und mit Iran hat er einen Atomdeal abgeschlossen.

          Die Beziehungen zu Vietnam wurden schon vor mehr als zwanzig Jahren unter Bill Clinton normalisiert. Jeder Amerikaner, der heute Vietnam besucht, wird praktisch sofort nach Ankunft von der Lebhaftigkeit und Geschäftigkeit dieser asiatischen Gesellschaft eingefangen. Obwohl formal immer noch ein kommunistisches Regime, sticht der unermüdliche Unternehmergeist der Vietnamesen ins Auge. Im Rückblick wird schmerzlich deutlich, wie idiotisch der militärische Eingriff dort war. Schließlich versuchte Vietnam damals, ganz im Sinne des ursprünglichen amerikanischen Unabhängigkeitsstrebens, seinen eigenen Weg zur nationalen Befreiung aus kolonialer Unterdrückung zu finden. Doch nicht nur dieses Anliegen wurde in Washington nicht gehört. Wenn die politisch-militärische Maschinerie Washingtons nicht auf einen derart bewaffneten Antikommunismus gesetzt hätte, wären die Vietnamesen schon viel schneller auf einen konstruktiven Kurs gekommen.

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