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Neil MacGregor : Die Masche des „Museums-Messias“

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Neil MacGregor, Gründungsintendant des Humboldt-Forums und Autor des Buches „Deutschland: Erinnerung einer Nation“, vor der Schlossbaustelle in Berlin. Bild: dpa

Neil MacGregor, der Gründungsintendant des Humboldt-Forums, gilt als „Museums-Messias“ und Experte für deutsche Geschichte. Man darf nur nicht zu genau hinsehen. Ein Gastbeitrag.

          Als Freund des Bauhauses kann man froh sein, dass das Humboldt-Forum mit dem Bauhaus nichts zu tun hat. Dabei hat die Gefahr durchaus bestanden: Mit der Verlegung der ethnologischen Sammlung aus Dahlem ins Berliner Schloss sollten eigentlich auch Alltagsgegenstände der europäischen Moderne hier ihren Ort finden. Doch der Platz reichte nicht, und so verbleibt der europäische Teil der Sammlung in Dahlem. Der Dialog der Kulturen im Humboldt-Forum findet erst mal ohne Europa statt.

          Der allseits gefeierte Gründungsintendant Neil MacGregor, der dieser Tage seine Arbeit aufnimmt, mag dies bedauern. Denn wie seinem kürzlich erschienenen Buch „Deutschland: Erinnerung einer Nation“ zu entnehmen ist, ist er ein großer Freund des Bauhauses. An sich böte sich im Jahr 2019, wenn das Humboldt-Forum eröffnet und zugleich das hundertjährige Jubiläum des Bauhauses gefeiert wird, eine wunderbare Möglichkeit, die von ihm geliebten verblüffenden Bögen durch die deutsche Kulturgeschichte zu schlagen, etwa vom Preußentum zur klassischen Moderne. Auch das Reformationsjubiläum von 2017 ließe sich mit Leichtigkeit noch einbinden. Stichworte wie Gradlinigkeit, Purismus, Ordnung und Nüchternheit könnten Bausteine eines solchen nationalen Narrativs sein.

          Solche erfrischenden Wege des Erzählens und Vermittelns müsste man aber vor der typisch „deutschen Bedenkenträgerei“ schützen. Denn wer nicht die notwendige Unbekümmertheit aufbringt und sich gar kleinkrämerisch an manchem Detail verbeißt, wird die allgemeine Euphorie über die Berufung des ohne jede Ironie als „Museums-Messias“ Titulierten („Süddeutsche“, Deutschlandradio, „Morgenpost“) nicht recht teilen können.

          Nach Bedarf zurechtgebogen

          Weimar ist ein gutes Beispiel für MacGregors Erzählkunst, lassen sich doch hier Erzählstränge von Goethe über das Bauhaus bis zum Nationalsozialismus flechten. Bei der Suche nach Pointen und eingängigen Storys werden die historischen Realitäten nach Bedarf zurechtgebogen und manches Detail auch frei erfunden. Wenn es etwa heißt, dass Weimar 1919 als Ort der verfassungsgebenden Nationalversammlung gewählt wurde, damit der kosmopolitische Humanismus der Weimarer Klassik die neue Republik formen solle, dann hört sich das zwar gut an, hat aber wenig mit dem damaligen Geschehen zu tun.

          Und wenn MacGregor schreibt, das Bauhaus sei inspiriert durch „historische deutsche Werte“ und „tief verankert in der Tradition“, dann wird hier etwas zusammengeschrieben, was nicht zusammengehört. Kein Wort über die prägenden Einflüsse der europäischen Avantgardebewegung auf das Bauhaus, ob Arts and Crafts, Dadaismus oder De Stijl, ob russischer Konstruktivismus oder auch der Arbeitsrat für Kunst der Novemberrevolution. Nein, bei MacGregor ist Bauhaus gleich gotische Bauhütte plus Goethes „Farbenlehre“ und damit Arbeit am Nationalmythos Weimar.

          Die Designideale des Bauhauses verkörpert laut MacGregor nichts besser als die Lithografie „Haus des Weißen Mannes“ von Johannes Itten. Das Bild ist eine originelle Wahl, da dem breiteren Publikum kaum bekannt, und zugleich bestätigt es mit seiner Architektur aus weißen Kuben das Klischee vom Bauhaus. Doch was hatte Itten mit dem Blatt wirklich im Sinne, als er es als seinen Beitrag für die erste Grafikmappe des Bauhauses von 1921 produzierte?

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