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Öffentliche Sicherheit : Für Frauen sieht die Bedrohungslage anders aus

Im Hexenkessel: Polizistinnen und Polizisten sichern den Römerberg in Frankfurt am Silvesterabend 2016. Bild: dpa

Die große Mehrheit der Deutschen fühle sich im öffentlichen Raum „sicher“ oder „sehr sicher“, sagt eine NDR-Umfrage. Die Erhebung hat aber noch ein anderes Ergebnis, und das ist dramatisch. Ein Kommentar.

          Was nicht ins Bild passt, wird passend gemacht. Was passt nicht ins Bild? Dass 27 Prozent der Frauen bei einer Befragung des Instituts Infratest Dimap sagen, sie fühlten sich in der Öffentlichkeit „eher unsicher“ oder sogar „sehr unsicher“. Dass 34 Prozent der Frauen sagen, sie fühlten sich „in den letzten zwei Jahren infolge der Zuwanderung zunehmend unsicher“. Dass 62 Prozent der Frauen sagen, sie mieden „abends bestimmte Straßen, Parks oder Plätze“, und dass 36 Prozent derjenigen, die dies sagen, angeben, dies seit zwei Jahren häufiger zu tun.

          Öffentliche Verkehrsmittel meidet jede dritte der befragten Frauen (31 Prozent), etwas weniger als die Hälfte der Befragten (45 Prozent) hält dies seit zwei Jahren so. Dreizehn Prozent der befragten Frauen haben Reizgas in der Tasche, die Mehrheit von diesen (65 Prozent) setzt heute häufiger als vor zwei Jahren auf den Selbstschutz. Gibt es bestimmte Gruppen, vor denen Furcht herrscht? 51 Prozent aller Befragten (Frauen und Männer) sagen: nein. 47 Prozent sagen ja, 32 Prozent geben Ausländer oder Flüchtlinge als Gruppe an, von der eine Bedrohung ausgehen könne.

          Dass dies nicht nur mit Blick auf Gruppen junger Männer, wie sie zu Silvester 2015 und 2016 auf der Kölner Domplatte aufgetaucht sind und Straftaten – vornehmlich gegen Frauen – begingen beziehungsweise im zweiten Jahr von der Polizei erwartet und des Platzes verwiesen wurden, nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt die Kriminalstatistik und bestätigt in der Pressemitteilung des NDR-Magazins „Panorama“ auch ein Experte vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen: Es gebe „eine steigende Zahl nicht-deutscher Tatverdächtiger“, überproportional häufig würden „Zuwanderer aus Nordafrika“ auffällig. Das aber sei für Kriminologen nicht „überraschend“, weil sich die Gruppe der Zuwanderer demographisch anders zusammensetze als die deutsche Gesamtbevölkerung, heißt es relativierend mit Verweis auf junge Männer, die „selber Gewalt erlebt haben und perspektivlos“ seien.

          Fakten und Ideologie

          Doch ändert das irgendetwas an dem Faktum, das Frauen bewegt, den öffentlichen Raum zu meiden und von dem man den Eindruck hat, dass es gerade die Regierung im besonders von Straßen-Kriminalität betroffenen Nordrhein-Westfalen kleinzureden sucht, was seit den Übergriffen zu Silvester in Köln und der Fahndungsgeschichte des Berlin-Attentäters Anis Amri sehr augenfällig wird? Ganz zu schweigen von den ideologischen Versuchen, dies zu einer Rassismus-Debatte zu machen, wie es zuletzt die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter unternahm.

          75 Prozent der Deutschen, hat der NDR bei seiner Umfrage ebenfalls ermittelt, fühlten sich auf öffentlichen Plätzen, Straßen oder in Verkehrsmitteln „sicher“ oder „sogar sehr sicher“. Die Überschrift, unter welcher der Sender seine Mitteilung verschickt, lautet folglich: „Deutsche fühlen sich trotz Zuwanderung sicher – doch die Sorgen steigen“. Wäre gut, wenn diese Sorgen nicht nur die Politik ernst nähme.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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