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Angst vor Krieg und Terror : Was uns in dieser Lage möglich ist

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Gleichwohl hat Deutschland aufgrund seiner intakten Rechtsstaatlichkeit und vergleichsweisen sozialen Ausgeglichenheit bessere Chancen als viele andere Länder, seine Liberalität zu bewahren. Mehr noch: Mit seinem gestiegenen Ansehen in der Welt und seiner ökonomischen Potenz hat es Möglichkeiten, auf die Zeitenläufe einzuwirken, wie geringfügig auch immer. Der deutsche Außenminister könnte seinen Vorschlag ruhig erneuern; auf höchster Ebene vorgetragen, von Europa unterstützt, würde man inzwischen vielleicht auf ihn hören.

Auch ohne den Islamischen Staat wird es weiterhin Anschläge geben. Daß der nihilistische Terror in der modernen Gesellschaft angelegt ist, läßt sich bereits bei Dostojewski nachlesen, und das Ende des industriellen Zeitalters mitsamt der Zersplitterung der Öffentlichkeit bringt noch einmal neue Pathologien hervor, die mörderisch werden können. Aber was den IS so brandgefährlich macht, ist, daß er den einzelnen in den Stand versetzt, Einfluß auf die Weltpolitik zu nehmen. Das unterscheidet den Dschihadismus eben von den Phantasmen, die sich rechtsradikale Mörder ausdenken, um ihren Vernichtungswillen in einen größeren Zusammenhang zu stellen, das macht ihn für Versager und labile Persönlichkeiten so viel anziehender, nicht nur in Europa.

Keiner einzelnen Kultur, Konfession oder Nation

Welchem Staat, welcher Kultur, welcher Religion könnte man den Krieg erklären, wenn sich ein Haßtäter zum Retter des Abendlandes aufschwingt? Hingegen ist der Zusammenhang, den ein islamistischer Attentäter herstellt, sehr real: Er bezieht sich auf einen Staat, auf eine höchst effektive Propagandamaschine und mit dem Wahhabismus auf eine Ideologie, die mit oder ohne Gewaltaufruf weltweit in Moscheen gepredigt wird. Wenn er sich als Agent von 1,4 Milliarden Muslimen ausgibt, sind immer mehr Menschen, inzwischen auch Parteien und der mögliche nächste Präsident der Vereinigten Staaten bereit, ihm das zu glauben. Wer beim Töten „Allahu akbar“ ruft, kann Geschichte schreiben.

Die „New York Times“ veröffentlichte vergangene Woche ein Dossier, das allen 247 Menschen ein Gesicht gibt, die Mitte März etwa zur gleichen Zeit weltweit bei dschihadistischen Anschlägen umgekommen sind, in Belgien, in der Türkei, in Pakistan, in der Elfenbeinküste und in Nigeria, am Flughafen, in einer U-Bahn-Station, auf Straßen und Plätzen, in einem Bus, in einem Park, in einem vollbesetzten Fußballstadium, in einer Ferienanlage und in einer Moschee.

Diese Opfer gehörten keiner einzelnen Kultur, Konfession oder Nation an – blickt man auf ihre Gesichter, schaut man auf ihre Kleidungen, lernt man ihre Biographien kennen, erfährt man von ihren Träumen und was sie in dem Augenblick beschäftigte, als sie aus dem Leben gerissen wurden, dann ergibt sich fast so etwas wie ein Panoptikum unserer Zeit und Menschheit. Auch als der Terror des Islamischen Staates Ansbach traf, hatte ein Selbstmordattentäter des IS wenige Stunden vorher in Kabul achtzig friedliche Demonstranten in die Luft gesprengt, 230 verletzt. Erst wenn wir begreifen, daß wir gemeinsam angegriffen werden, gleich ob wir in Mittelfranken oder Afghanistan leben, können wir uns auch gemeinsam wehren.

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