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Angst vor Krieg und Terror : Was uns in dieser Lage möglich ist

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Das alles sind Möglichkeiten, und es ist natürlich illusionär zu hoffen, daß sie sich alle verwirklichen, und das auch noch gleichzeitig. Aber damit es nicht zum Schlimmsten kommt, muß nicht alles gut werden; einzelne Feuer zu löschen könnte genügen, damit sich der Schwelbrand nicht zum Inferno ausweitet. Wäre etwa der Islamische Staat mit seinen kaum mehr als 30000 Kämpfern besiegt und wären seine Führer verurteilt, gäbe es weiterhin junge Männer in Europa, die anfällig sind für den Dschihadismus, aber es gäbe keine Siegergeschichte mehr, in die sie sich einreihen könnten. Verlierer büßen dramatisch an Attraktivität ein, wie Al Qaida schmerzhaft erfahren hat, und Propagandavideos, Mittelsmänner, Geldquellen und Ausbildungslager in nächster Nähe Europas sind selbst für Einzeltäter wichtig, wie die Ermittlungen nach dem Ansbacher Selbstmordattentat ergaben. So einsam sind die Wölfe dann auch nicht.

Das ist kein Aufruf zur militärischen Intervention, auch nicht zu deutschen Luftschlägen, sondern dafür, endlich die weltpolitische Dringlichkeit einer Friedenslösung für Syrien und den Irak zu erkennen. In beiden Ländern müßte der Staat erst einmal wieder die Bevölkerung halbwegs vertreten, um den Terroristen wirksam zu begegnen. Das aber setzt voraus, daß sich die ausländischen Schutzmächte der verschiedenen Akteure ins Benehmen setzen. Schon unmittelbar nach dem Einmarsch des IS im Irak hatte Außenminister Steinmeier deshalb eine Art KSZE für den Nahen Osten vorgeschlagen.

Warum zufällig gerade Deutschland?

Zwei Jahre später läßt sich eine Lösung der verschiedenen Nahostkonflikte kaum in kleineren Dimensionen denken. Das klingt illusorisch? Mag sein. Aber niemand wird später verstehen, warum heute der Frieden nicht wenigstens versucht wurde. Klar ist allerdings auch, daß die Gegner des Islamischen Staates militärisch unterstützt werden müssen, solange der Krieg eben herrscht – und damit ist wohlgemerkt nicht die Armee Baschar al-Assads gemeint, die sich mit dem IS zwar zuletzt einige Gefechte geliefert hat, weitaus entschlossener hingegen die übrigen Rebellengruppen sowie die eigene, genauer: die sunnitische Bevölkerung angreift.

Was die jetzige, in Deutschland seit dem Krieg niemals dramatischer empfundene Lage immerhin bewirkt hat, ist die sich ausbreitende Erkenntnis, daß wir nicht isoliert von der übrigen Welt sind. In weiten Teilen des Nahen Ostens und Afrikas ist das Inferno schließlich längst eingetreten: Staatenzerfall, ethnische Säuberung, Massenmord, Anschläge, die Verpestung ganzer Landstriche, die wachsende Schere zwischen arm und reich und damit der Niedergang der Mittelschicht, die Perspektivlosigkeit einer gut ausgebildeten Jugend und vieles mehr. Auch Frankreich, Belgien und Großbritannien hatten der Terror und die sozialen Verwerfungen der Globalisierung längst erreicht, und in Israel und Palästina weiß die junge Generation schon nicht mehr, wie ein Leben in Sicherheit sich anfühlt. Warum sollte sich zufällig Deutschland wirtschaftlich und gesellschaftlich auf Dauer unbeschwert von den Zeitläufen entwickeln?

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