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Veröffentlicht: 02.08.2016, 11:24 Uhr

Angst vor Krieg und Terror Was uns in dieser Lage möglich ist


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Navid Kermani © dpa Vergrößern „Warum sollte sich zufällig Deutschland wirtschaftlich und gesellschaftlich auf Dauer unbeschwert von den Zeitläufen entwickeln?“ Navid Kermani, Schriftsteller und Orientalist, fordert eine globale Perspektive für die Konflikte der Gegenwart.

Die Vereinigten Staaten haben bereits am 11.September 2001 erfahren, daß nicht einmal eine Raketenabwehr im All helfen würde, um sich von den Fährnissen der Welt zu schützen. Und nicht nur dort, mehr noch in Israel läßt sich studieren, daß der Terror, wenn er anhält, Gesellschaften zu verändern mag und die Politik radikalisiert. Entscheidend ist nicht seine Schlagkraft, die Zahl seiner Anhänger und deren ideologische Sattelfestigkeit. Entscheidend ist, daß der Terror jeden einzelnen treffen kann. Denn anders als die klassischen Formen der politischen Gewalt richten sich die Attentate der jüngsten Zeit gezielt gegen Zivilisten, braucht es keine ausführenden Organisationen mehr und changieren selbst die Motive im laufenden Newsticker: Psychopathen, Islamisten, jetzt in München wohl doch ein Rechtsradikaler, der Ausländer, Flüchtlinge, Muslime haßte, gleichwohl selbst diffus als Ausländer, Flüchtling, Muslim wahrgenommen wird.

Und diese Verunsicherung – oder schlicht die Angst, auf ein Konzert, zum Bahnhof oder auf eine politische Versammlung zu gehen, die Angst um die eigenen Kinder – bringt die Ereignisse dann doch in einen Zusammenhang, der kausal wird: Der Dschihadismus befördert den Rechtspopulismus, der seinerseits die Europäische Union schwächt; der Brexit freut Putin, dessen wachsendes Selbstbewußtsein sich in der Waffenhilfe für das syrische Regime ausdrückt, das mit seinen Luftangriffen die Menschen weiterhin in die Flucht treibt; der Autokratismus Erdogans entfernt die Türkei immer weiter von Europa, was die Möglichkeiten einschränkt, die Flüchtlinge von Europa fernzuhalten; deren Integrationsprobleme werden zum Argument für die Europagegner.

Selbst die Ukraine ist noch Teil dieses Komplexes, weil sie für den Westen zur quantité négligeable zu werden droht, schließlich machen es Flüchtlinge und Terroristen dringlicher, eine Lösung für Syrien zu finden, was nur mit Rußland geht. Um den armen Jemen, der in Tod und Chaos versinkt, kann sich gerade auch niemand kümmern, weil Saudi-Arabien durch die Verständigung mit Iran schon genügend verärgert ist; diese ist notwendig, um die nuklearen Ambitionen Teherans zu zügeln; das Atomabkommen wiederum wird mit jedem neuen Raketentest der iranischen Revolutionswächter zur Bürde für den Wahlkampf von Hillary Clinton, was Trump... und so weiter. Ach ja, in Afghanistan war auch noch irgend etwas.

Unbegründete Panik ist immer auch etwas peinlich

Der Historiker Tobias Stone erinnert dieser Tage in seinem vieldiskutierten Blog daran, daß die verschiedenen Ereignisse und Entwicklungen, die zu den großen politischen Katastrophen der Neuzeit geführt haben, erst im Rückblick einen Zusammenhang ergaben, während die Zeitgenossen selbst jedesmal von der Eskalation überrascht waren, deren unmittelbarer Anlaß in keinem Verhältnis zu ihren Folgen stand – die Ermordung Franz Ferdinands in Sarajewo zu den siebzehn Millionen Toten des Ersten Weltkriegs. Daraufhin überlegt Stone, was ein solcher Franz-Ferdinand-Moment in nächster Zukunft sein könnte – und kommt zu Gedankenspielen, die beunruhigend plausibel sind, wenn man etwa einen Sieg Donald Trumps bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen oder weitere spektakuläre Terroranschläge in Europa annimmt. Allerdings breitet sich nicht jeder Schwelbrand zu einem Inferno aus, und die Beispiele aus der Historie, in denen eine gefährliche Gemengelage nicht zu einer Menschheitskatastrophe geführt, sondern sich auch wieder aufgelöst hat, dürften weitaus zahlreicher sein – man erinnert sich ihrer nur nicht so gut. Panik, die sich als unbegründet erweist, ist schließlich immer auch etwas peinlich.

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Glosse

Wer liest denn schon noch?

Von Kerstin Holm

Selbst Menschen, die öffentlich über Bücher sprechen, erklären häufig, sie hätten ja gar keine Zeit zum Lesen. Der Bazillus des nichtinformierten Diskurses verbreitet sich zusehends. Mehr 3 13

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