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Thomas D im Gespräch : Schaffen wir uns ein harmonisches Feld

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Lässt Blumen sprechen: Thomas D in Harmonie mit seiner pflanzlichen Umwelt Bild: Seeger-Press/RK

„Glück, das sich nicht abnutzt, hängt an nicht-materiellen Dingen“: Ein Gespräch mit dem Rapper Thomas D über Künstlerverantwortung, die Coolness von Nachhaltigkeit und den Weg zum globalen Bewusstsein.

          Soll ein Musiker engagiert sein?

          Was wer sollte, ist immer schwierig zu sagen. Oft ist der Wunsch, Musiker oder gerade auch Sänger zu werden, verbunden mit dem Bedürfnis, etwas mitzuteilen. Diese message kann sehr vielseitig sein. Ich finde, der Musiker oder Sänger sollte sich klarmachen, dass das, was er sagt, viele Leute erreicht und dass sich das viele zum Vorbild nehmen. Das bringt eine gewisse Verantwortung mit sich. Dessen sind sich aber viele nicht bewusst, oder es ist ihnen egal. Da die Kunst hoffentlich irgendwann mal mehr als nur jugendlich-blinder Ausdruck eines Gefühls ist und Reflexion mit sich bringt, führt sie den Künstler vielleicht auf den Weg, sich immer mehr über sein Schaffen und Handeln bewusst zu werden.

          Führt das Bewusstsein, Vorbild zu sein, ganz von selbst zu mehr Engagement?

          Engagement hängt von persönlichen Vorlieben und Interessen ab. Der eine engagiert sich für den Naturschutz. Der andere setzt sich für freie Liebe ein, für die Gleichberechtigung der Menschen oder für die Befreiung der Unterdrückten. Oder er setzt sich für die Vermehrung seines Bankkontos ein. Das ist so vielseitig wie der Mensch an sich. Auch getrennt von der Kunst, gibt es bestimmt in jedem von uns etwas, wofür er sich einsetzt. Jeder hat eine Leidenschaft, die ihn antreibt. Für mich ist es so etwas wie das Gefühl, gar nicht anders zu können. Wenn die Leute sagen: „Vielen Dank für deine Texte, du hast mir in der und der Situation weitergeholfen.“ Dann sage ich: „Ich kann nicht anders, ich hab diesen Text nicht geschrieben, um dir zu helfen, ich hab’ diesen Text vielleicht geschrieben, um mir zu helfen.“ Weil ich nicht anders konnte, es musste raus.

          Selbstfindung im heutigen Wirrwarr von Sinnangeboten und Lebensmodellen ist eine schwierige Angelegenheit.

          Ich lebe auf dem Land, ich habe mich ein bisschen von diesem shitstorm der Meinungen abgesetzt. Ich merke, dass mir das guttut. Gleichzeitig ist die Stadt aber auch eine große Quelle der Inspiration, gerade weil man so viele Lebensbeispiele sieht. Die Bestimmung jedes Einzelnen hängt ja ganz stark mit unserer Vergangenheit zusammen. Wie sind wir erzogen worden? Wie und wo sind wir aufgewachsen? Ich bin ja selber mit meinen Kindern in einem Erziehungsprozess. Du gibst deinen Kindern viel mit von dem, was du glaubst, dass es richtig ist. Aber du musst ihnen auch die Fähigkeit beibringen, etwas abzulegen, was nicht mehr passt. Wenn ich Menschen höre, die sagen: „Ich habe dies nicht, ich habe das nicht.“ Dann sage ich: „Werde erwachsen!“ Lege das ab, was man dir anerzogen hat, was du erlebt hast als Kind. Du bist ein anderer Mensch, du wirst ein anderer Mensch. Vielleicht ist das ein Zeichen von Erwachsenwerden: Verantwortung für sein Handeln, sein Denken, seine Meinung zu übernehmen und damit seine Bestimmung zu finden. Das ist in einer Zeit, in der jeder seine Meinung hat und sie auch kundtut, besonders im sozialen Netzwerk, vielleicht schwieriger denn je, aber wir haben auch umso mehr Möglichkeiten.

          Was bedeutet für dich „Nachhaltigkeit“ und wie lebst Du sie?

          Ich bin natürlich Teil der Ersten Welt und lebe auf Kosten der Zweiten und Dritten Welt. Meine Entschuldigung für mich ist: „Gut, ich gebe auch etwas zurück.“ Wenn ich irgendwo hinfliege, um Konzerte zu geben, dann stehen da wie vorgestern 12.000 Leute, feiern das und freuen sich. Und wir haben ja auch Themen und Texte, die vielleicht ein bisschen mehr mitgeben als nur Party und so. Darin sehe ich für mich die Berechtigung, das Flugzeug zu nehmen und das Kerosin rauszuhauen. Im privaten Leben versuche ich das Kerosin natürlich zu vermeiden, also mit den Energien ein bisschen hauszuhalten. Das heißt, ich habe eine Pelletsheizung, ein Holzabfallprodukt, nachwachsende Rohstoffe: Ich habe Solarzellen auf dem Dach und bekomme Teile meines warmen Wassers damit. Ich habe bis vor kurzem einen Hybrid gefahren und bin hauptsächlich Veganer. Das spart CO2. Mittlerweile wissen wir, wie viel Energie wir raushauen, um ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen. Bei Fisch ist die Vernichtung von Nahrung und Ressourcen noch viel schlimmer. Für ein Kilo Thunfisch hast du die zwanzigfache Menge verfüttert. Zwanzig Kilo Fisch fütterst du sozusagen in diesen Thunfisch rein, bis du ein Kilo Thunfisch kriegst. Das sind so Sachen, bei denen ich denke: Okay, da ist meine Energiebilanz ganz gut, und damit rechtfertige ich auch meinen Sportwagen.

          Bedeutet Nachhaltigkeit auch, das Miteinander mehr zu pflegen?

          Ja, definitiv. Die Buddhisten haben ja zum Beispiel in Berlin im Stadtpark meditiert für weniger Gewaltverbrechen. Da mag man lachen und sagen, wie soll das funktionieren, wenn da tausend Buddhisten in der Ecke sitzen und meditieren. Aber wir sind ja alle miteinander verbunden, dazu braucht man nicht Buddhist zu sein. Wenn einer schlecht drauf ist, wissen wir genau, wie schnell sich dieses Gefühl auf der anderen Seite zeigt. Es frustriert dich, dass der andere jetzt schlecht drauf ist, du beziehst es auf dich, und so weiter. Wenn die Buddhisten in irgendeinem Stadtteil jetzt gut drauf sind, verbreiten sie ja dadurch auch ein Gefühl.

          Wenn Leute auf die schiefe Bahn kommen, hat das viel mit Frust, mit Enttäuschung zu tun. Mit Momenten, in denen man sich voneinander trennt. Wenn man sich miteinander verbindet, indem man Leute willkommen heißt, indem man sie trifft, hebt das unser Lebensgefühl. Die Verantwortung für seinen emotionalen Output hat jeder selbst.

          Viele haben Berührungsängste mit Nachhaltigkeit, weil sie das mit Verzicht oder Kasteiung verbinden. Mit Nachhaltigkeit kann man aber auch viel Spaß haben, oder?

          Richtig. Das ist wie ein guter Witz, der muss ja nicht auf Kosten anderer sein. Ähnlich ist es mit dem guten Gewissen in Bezug auf Nachhaltigkeit. Es resultiert nicht aus dem schlechten Gewissen. Wenn ich denke: „Ich darf das ja nicht, weil das schlecht für die Welt ist“, kasteie ich mich aus Verzicht und denke, ich fühle mich besser. Ich fühle mich aber nicht besser. Ich fühle mich nur schlecht und gebe den anderen die Schuld an meinem schlechten Gefühl, weil die das alle machen. Und weil die das machen, ist die Welt so schlecht. Und ich bin umso schlechter drauf, weil ich sauer bin auf alle anderen, die das immer noch machen. Das bringt uns nicht weiter.

          Da haben andere schon mehr kapiert. In Frankreich zum Beispiel gibt es ganz große nachhaltige Mode mit Leuten, die einfach Spaß dran haben und sagen: „Hey, das sieht auch noch gut aus.“ Bei uns war früher bewusstes Leben mit Ökolatschen und Jutetasche behaftet. Der Öko musste schlecht aussehen. Die Zeiten sind vorbei. Man kann heute durchaus nachhaltige Mode kaufen und auch noch richtig gut dabei aussehen. In anderen Ländern ist das total cool. In Deutschland hält sich die Meinung: „Na ja, so richtig cool ist das ja nicht.“ Richtig cool ist immer noch der Topdesigner, der Sportartikelhersteller, der Kinder für sich arbeiten lässt: „Es ist zwar Scheiße, ich weiß, aber es sieht halt cool aus.“ Da stecken wir noch in den Kinderschuhen.

          Thomas D mit den Fantastischen Vier auf der Bühne

          Wie wichtig sind Ausdruck und kreative Arbeit für den Menschen?

          Für mich ist es eine wahnsinnige Erfüllung. Für mich ist es das Erfüllendste überhaupt, einen Song zu schreiben. Das schönste ist eigentlich der Schaffensprozess. Während des Schaffens ist das Gefühl ganz toll. Man sagt ja auch, dass dieses kreative Ding ein Moment ist, in dem man im Augenblick lebt, eins wird mit dem Universum, wenn man so will. Wenn es einem gelingt, einen Fluss hinzukriegen. Beim Bildermalen, vielleicht auch beim Fotografieren oder beim Schaffen einer Skulptur kann man noch viel besser in einen Fluss kommen, der fast ein meditativer Zustand ist, weil man nicht denkt. Ich denke beim Schreiben ja die ganze Zeit. Aber auch da merke ich, dass im Geist eine Klärung stattfindet, weil man den Müll wegdenkt und dann irgendwann zur Essenz dessen kommt, was man sagen will. Das ist das Schöne.

          Auch als Hobbyschrauber, der in seiner Werkstatt steht und das alte Fahrrad repariert, kann man in so einen meditativen Zustand kommen. Ich glaube, dass Kreativität an sich für uns Menschen wichtig ist. Ich denke aber auch, dass wir in allem, was wir sagen, in allem, was wir denken, ansetzen müssen, eine gewisse Klärung zu schaffen. Und dass wir auch für das eine Verantwortung haben, was wir täglich in der Firma den Kollegen erzählen. Was für Müll da oft rauskommt, Tratsch, Klatsch, wie viel Negatives. Und wie viel Gutes du den Leuten andererseits geben kannst.

          Wie kann man seine Kreativität fördern?

          Ich glaube, es fängt an mit Freiraum schaffen. Mit einem space nur für dich. Irgendwo zwischen Familie und Beruf, die eine Stunde am Tag oder die zwei Stunden in der Woche, die nehme ich mir Zeit. Das ist Zeit für mich. Und man darf nicht denken: „Wenn ich erst mal den Song fertiggeschrieben habe, und das ist dann ein Hit.“ Oder: „Wenn ich erst mal das Bild fertig gemalt habe...“ – nee, nee, nee, es geht überhaupt nicht darum, das fertige Bild zu sehen, sondern einfach nur darum anzufangen. Vielleicht ist es auch gut, einen eigenen Platz dafür zu haben. Wenn ich da hingehe, dann ist die Firma nicht da, dann mache ich mir keine Gedanken über meine Frau, meine Kinder oder meine Eltern, dann verbringe ich Zeit mit mir. Ich glaube, wenn du etwas mit Leidenschaft machst, ist diese Leidenschaft im fertigen Objekt auch für andere zu erkennen. Aber nicht hudeln! Also nicht denken: „Nächste Woche wird das dann ausgestellt“, sondern erst mal machen.

          Was lernt man durch Musik, beziehungsweise was lehrt uns die Musik?

          Zum einen denke ich, lernst du, dass es da draußen einen gibt, der so fühlt wie du. Du bist nicht allein, egal was du tust, egal wie’s dir geht. Faszinierend finde ich auch, dass es in der Vergangenheit schon Leute gab, die genauso gefühlt haben. Du hörst Marvin Gaye, der singt auch schon von Umweltverschmutzung und sozialer Kälte. Und du denkst: „Verdammt noch mal, der ist doch schon lange tot, und der wusste damals schon, wie’s mir jetzt gerade geht.“ Wir alle teilen irgendwo die gleichen Gefühle, wohl schon immer. Das heißt, egal, wie die Zeit sich auch ändert, es gibt immer die gleichen Gefühle, in denen wir uns als Menschen wiedererkennen. Und das verbindet uns.

          Ich glaube, Musik ist fast schon etwas Heiliges. Es geht wirklich an die Grenze, an der du denkst: Das ist magic. Das Wort allein schafft es nicht in diesen Bereich, in den die Worte in Kombination mit Musik hinkommen können. Das hat natürlich viel mit den Tönen zu tun. Du musst dafür kein Instrument spielen können. Harmonie ist ein Wort, das in der Musiklehre das Gleiche bedeutet wie im Zwischenmenschlichen: miteinander. Wenn etwas harmonisch ist, erkennt das jeder. Und wenn etwas disharmonisch ist, erkennt das auch jeder. Deswegen ist Musik so toll, weil sie ein harmonisches Feld schafft, in das du dich begibst und sagst: „Oh ja.“ Aber nicht nur. Es gibt auch heftige Musik, die ein anderes Feld zum Klingen bringt, in dem du zum Beispiel Aggression rauslassen kannst. Auch für Hass, etwas bewusst scheiße finden, gibt es Musik. Solange das in einem Rahmen ist, wo sich das anschließend auflöst, wo es befreit und du danach sagst: „Ach ja, es war geil, und am Ende ist es ja doch alles nicht so schlimm“, hat es eine therapeutische Wirkung. Es gibt natürlich Leute, die verwenden ebendiese Macht der Musik, um aufzuhetzen, um weiter Hass zu schüren. Da kommt man an den Punkt, an dem ich es ablehne, an dem sich der Künstler bewusst werden soll, welche Verantwortung er hat.

          Wie wichtig ist ein Bewusstsein für den Zusammenhang der Dinge, um man selbst sein zu können?

          Ich halte das für überlebenswichtig. Ohne das würden wir untergehen, die Welt und wir mit. Die einfachste Stufe der geistigen Evolution ist „Ich“, „Ich bin hier“. Wir sehen das, wenn Kinder aufwachsen und sich für das Zentrum des Universums halten. Das finden wir am Anfang auch süß. Dann wächst man zu einem „Wir“, „Wir beide“, zum Beispiel. „Du und ich, Schatz, gegen den Rest der Welt“ oder eine Gruppe gegen die andere. In der nächsten Entwicklungsstufe – und da sind wir noch ein bisschen von entfernt – ist das „Wir“ ein globales „Wir“. Nicht „Wir“ im Sinn von unsere Klasse, unsere Ehe, unsere Gruppe, Deutschland, sondern „Wir“, diese Welt, wir alle. Dieses Bewusstsein muss wachsen. Es ist zwar ein natürlicher Prozess, aber viele hängen noch sehr in diesem „Ich“ und im sozusagen „kleinen ,Wir‘“. Wir müssen uns klarmachen, dass die Entwicklung weitergehen muss, wir dürfen die Entwicklung zu einem globalen „Wir“ nicht aufhalten. Weder Umweltverschmutzung noch Radioaktivität, noch irgendein Krieg kennen irgendwelche Grenzen. Jeder von uns ist in einer Position, in der er irgendwas bewegen kann. Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen. Es liegt an jedem Einzelnen, im Kleinen, und das Kleine spiegelt sich im Großen, genauso wie das Innen sich im Außen spiegelt, und so weiter. Das ist nichts Neues.

          Was kann man tun, um Spaß im Leben zu haben, ohne materielle Hetzjagden zu veranstalten oder Ressourcen zu vergeuden?

          Ganz wichtig ist die Erkenntnis, die sich leicht vertreten lässt, wenn man Geld hat: Geld macht nicht glücklich. Auch der Erfolg, gerade wenn er mit der Außenwelt zu tun hat, sprich: berühmt sein. Wenn man die internationalen Stars anguckt, so sind die alle nicht glücklich. Das ist ein Spektrum von „total kaputt“ bis „man kommt so klar“. Leute, die ganz viel Geld haben und glücklich sind, hab ich noch nicht getroffen. Ich habe mal eine Studie gelesen, in der es hieß, die glücklichsten Menschen seien die, die ein bisschen über dem Einkommensdurchschnitt liegen. Das heißt, sie haben genug, aber sie suchen ihr Glück nicht in materiellen Dingen, sie finden es eher im privaten Bereich, in immateriellen Sachen. Es scheint schon fast, als hafte das Unglück an dem, der nach materiellen Dingen strebt. Und Leute, die sich alles kaufen können, das war auch in dieser Studie, haben natürlich sehr wenig Vorfreude und damit sehr wenig Befriedigung. Glück zu empfinden, das sich nicht abnutzt, hängt an nichtmateriellen Dingen. Also im Klarwerden darüber, dass das, nach dem viele heute streben, nämlich reich und berühmt zu werden, eigentlich eine Garantie für Unglück ist. Diese Pille zu schlucken und dann im täglichen Leben umzusetzen ist, glaube ich, das Mittel zum Glück. Auch in der Nächstenliebe liegt sehr viel Befriedigung. Da ist dieses Laotse-Ding: „Schenke, und du bist beschenkt.“ Und dieser Satz: „Wer alles gibt, wird alles bekommen.“ Es gibt, glaube ich, zurzeit den Wahlspruch „Wer alles gibt, soll auch mehr bekommen“, das ist schon wieder das Falsche. Da erwartest du schon wieder „Moment mal, jetzt hab ich alles gegeben, jetzt will ich aber auch...“

          Wie wichtig ist Selbstbewusstsein?

          Da gibt es zuerst mal die Trennung von Egoismus und Selbstbewusstsein. Selbstbewusstsein heißt, sich für etwas einzusetzen und sich auch für andere einzusetzen. Für das, was man selber glaubt. Auch nein zu sagen entgegen einer Masse, die vielleicht gerade ja sagt. Selbstbewusstsein ist auch wichtig für eine Einstellung wie: „Wo ich bin, ist Frieden, wo ich bin, gibt’s keinen Streit und keinen Krieg.“ Hätten wir alle diese Einstellung, dann würde es keinen Streit und keinen Krieg geben. Und trotzdem lassen wir uns natürlich alle von anderen Seiten anstecken und in Gefühlen aufstacheln, werden aggressiv oder enttäuscht, traurig, ängstlich und so weiter.

          Jeder ist einzigartig. Warum eifern wir anderen nach, wenn die doch gar nicht so sind wie wir, wo wir doch gar nicht so sein können wie die? Im Konkurrenzdenken, in Schönheitsidealen, in diesem ganzen gesellschaftlichen Konsens von Coolness dürfen wir nicht vergessen – und da hilft Selbstbewusstsein –, dass ich sowieso der Einzige bin, der so ist wie ich. Auch darin, dass du anders bist, erkennen wir beide uns wieder: als eigene Persönlichkeiten. Selbstbewusstsein ist auch wichtig für die Akzeptanz, dass wir alle anders sind. Es gibt nichts auf dieser Welt, das gleich ist, und wenn wir das mal akzeptieren – natürlich kannst du dich dagegen wehren, nur kannst du es nicht ändern –, nimmt das Druck von dem Ziel, so sein zu müssen wie die anderen. Das würde auch unserem Selbstbewusstsein guttun. Aufzuhören, wie jemand anderes sein zu wollen.

          Zur Person

          Thomas D, bürgerlich Thomas Dürr, ist Jahrgang 1968 und wurde als Mitglied der „Fantastischen Vier“ berühmt. Diese zunächst aus Stuttgart operierende Band brachte den Durchbruch für deutschsprachigen Hiphop. Thomas D ist aber auch als Solokünstler, Moderator und engagierter Denker bekannt. Rock ’n’ Roll bedeutet für ihn, „auch entgegen der Norm sein eigenes Ding durchzuziehen. Rock ’n’ Roll ist eine Bezeichnung für jeden, der in seinem Leben versucht, sich eine persönliche Freiheit zu bewahren.“

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