http://www.faz.net/-gqz-8in6t

Hooligans : Einblick in die Kampfzone hinter der Tür

  • -Aktualisiert am

Nicht beim Matchen, sondern als Zuschauer beim Spiel: ein ungarischer Hooligan während der EM in Frankreich. Bild: Imago

Die Fußball-Euromeisterschaft hat wieder einmal bewiesen, dass Hooligans nicht ausgestorben sind. Doch wer sind Hooligans? Was tun sie? Und vor allem: Warum? Ein Gastbeitrag.

          Gäbe es eine Tür zur Szene, sie wäre fensterlos, stabil, hätte an der Außenseite keine Klinke. Nur eine Metallplatte dort, wo das Schloss sein müsste. Ein Schild wäre fest ans Blatt genietet. Denn von innen bollert und rumst es ordentlich dagegen. Nein, das Ganze müsste schon was aushalten. Das Schild wäre vielleicht rot oder schwarz. In fetten Druckbuchstaben würde darauf stehen: „KEIN ZUTRITT! WEITERGEHEN!“

          Drücken wir, an die das Schild sich richtet, uns auf der anderen Straßenseite herum und beobachten. Was sehen wir? Wen sehen wir an die Tür herantreten und klopfen? Nicht zaghaft mit den Fingerknöcheln, sondern in vollem Selbstvertrauen mit der Handkante der geballten Faust dagegenwummern. Männer. Männer in Sweatpants und Laufschuhen. Oder Trailschuhen, denn die bieten im freien Gelände mehr Grip. Männer in teuren Marken-Polohemden und Cargoshorts. In Anzügen. Männer mit Sporttaschen. In den Sporttaschen wiederum Jogginghosen, Blanko-T-Shirts, Bandagen und Zahnschutze. Männer verschiedensten Alters. Junge Erwachsene. Alte Haudegen. Daddys in den Dreißigern und Vierzigern.

          Männer, die von der Schicht kommen. Männer, die bald wieder auf Montage müssen. Studenten. Türsteher. Kindergärtner. Nachtwächter. Beamte. Arbeitslose. Selbständige. Landschaftsbauer. Müllmänner. Anwälte. Krankenpfleger. Nationalisten. Konservative. Rechte. Sozialdemokraten. Nichtwähler. Männer, die beachtliche Wampen vor sich hertragen. Spargeltarzane. Pumper. Regelrechte Wandschränke. Dünne Heringe. Männer mit manikürten Fingernägeln am Ende von Armen, so dick wie Delphinbabys. Männer mit kurzen Haaren. Mit kahlgeschorenen Schädeln über Stiernacken. Mit Boxerfrisuren und Militärschnitt.

          Treffpunkte zum Matchen

          Männer mit längeren Haaren sieht man da nicht. Denn an langen Haaren lässt sich hervorragend ziehen. Das wissen die aus dem Security-Bereich schon von Haus aus. Aber das macht man nicht. Man weiß doch noch vom Schulhofgebalge, dass so was nur die Mädchen machen. Da kann man ja gleich kratzen und beißen und kneifen. Allerdings, so mitten im Getümmel? Da liegt ein kräftiges Zerren an den Haaren, um sich zu befreien, sich Raum zu verschaffen, nicht so fern. Das sieht schon keiner. Spricht doch nachher eh keiner mehr drüber. Sondern nur über Sieg oder Niederlage. Aber man macht das ja nicht.

          Wir Außenstehenden, die wir versuchen, einen Blick durch den Türspalt zu werfen, merken relativ schnell, dass es sich bei den Eingeweihten exklusiv um Männer handelt. Nehmen wir einmal kurz unsere herbeiphantasierte Tür und stellen uns vor, anstatt in Deutschland befände sie sich in einer beliebigen Wand irgendwo in Russland: Zwischen den Unmengen asketisch austrainierter Bärbeißer würden sich dort immer wieder auch Frauen beobachten lassen, die das richtige Klopfzeichen kennen. Dieses Spiel könnte man so oft treiben, wie es Länder, Regionen, Städte mit einer eigenen Szene gibt, und jedes Mal würde sich das Bild der Eintretenden zumindest um Nuancen verändern. Doch zurück zum ursprünglichen Türspalt und dem, was dahinter liegt, oder vielmehr dem, was wir aus der Position als Unbeteiligte dahinter zu erahnen in der Lage sind.

          Was man dort, hinter der Tür, nicht finden wird, ist das bunttosende Flirren rundum überwachter Fußballstadien. Stattdessen Monochromie. Das Grau abgelegener Industriegebiete und -brachen oder einsamer Pendlerparkplätze an Sonntagen. Grüntöne von Wiesen und Wäldern. Das tiefe Braun von Äckern und Feldern. Das sind Treffpunkte zum sogenannten Matchen. So sieht es in der Regel hinter der Tür aus.

          Weitere Themen

          Busfahrer verhindert Ultra-Prügelei

          Mainzer gegen Bremer : Busfahrer verhindert Ultra-Prügelei

          Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen waren mehr als 30 gewaltbereite Mainzer „Fans“ auf dem Weg zu einer Schlägerei am Rande des Spiels FSV-Werder. Dass sie ihr Ziel nicht erreichten, liegt an einem aufmerksamen Busfahrer.

          Das war aber nun wirklich nicht nötig!

          Überflüssige Geschenke : Das war aber nun wirklich nicht nötig!

          Schenken ist riskant. Zumal, wenn die Wahl auf Accessoires für Haus und Haushalt fällt. Im Ernst, wer braucht schon Sandwich-Ausstecher oder eine Obstschale mit Geweih? Selbst besonders gut gemeinte Geschenke zur Zierde des Heims können floppen. Über Gaben, auf die wir gern verzichtet hätten.

          Topmeldungen

          Fernbehandlungen : Bei Anruf Diagnose

          In Baden-Württemberg dürfen Ärzte vom 1. Januar an Patienten auf Kosten der Krankenversicherung online oder telefonisch behandeln. Auch dann, wenn sie sie nie zuvor gesehen haben. Ein Tabubruch für deutsche Ärzte. Und die Zukunft?

          Koalitions-Knackpunkt : SPD beharrt auf Bürgerversicherung

          Als eines der ganz zentralen SPD-Projekte hat der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach eine Bürgerversicherung für alle bezeichnet. Die Gesundheitspolitik wird mehr und mehr zum Koalitions-Knackpunkt.
          Das amerikanische Verteidigungsministerium Pentagon (Archivaufnahme von 2008)

          Verteidigungsministerium : Das Pentagon forschte jahrelang nach UFOs

          Über Jahre wurden Millionen-Aufwendungen für das „Programm zur Identifizierung von Bedrohungen im Luft-und Weltraum“ im Verteidigungshaushalt versteckt. Doch auch nach Ablauf des Programms verfolgten Mitarbeiter Berichte über UFOs.
          Junge Leute, die nach starken Gefühlen suchen: Protestmarsch in Barcelona.

          Katalonien vor der Wahl : Welten entfernt

          Am Donnerstag wählt Katalonien ein neues Regionalparlament. Aber die Gesellschaft ist zerstrittener als je zuvor, auf beiden Seiten grassieren die Ressentiments.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.