http://www.faz.net/-gqz-97dzd

Pädagogenlaufbahn : Lehrer in Not

  • -Aktualisiert am

„Das Lehrerzimmer ist ein Ort, an dem oft über Schüler hergezogen und schlechte Laune verbreitet wird“: 2013 in einer niedersächsischen Schule Bild: dpa

Bei den Schülern beliebt, von den Kollegen gemobbt: Thomas N. ist nach der Wende mit größtem Engagement in den Pädagogenberuf eingestiegen. Jetzt droht sein Leben in Scherben zu fallen.

          Thomas N. ist Lehrer aus Überzeugung, Pädagoge aus Berufung. Ein freundlicher Mann mit Idealen. Von seinen Schülern wird er geschätzt und geachtet. Seine Arbeitszeit endet nicht mit dem Schulklingeln und hält sich auch nicht an den Ferienkalender. Wenn das „Fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner demnächst zur Neuverfilmung anstünde – was trotz der Idealbesetzung mit Blacky Fuchsberger immer wieder zu befürchten steht –, würde Thomas N. den perfekten Klassenlehrer Dr. Bökh abgeben.

          Und doch ist N. in Schwierigkeiten geraten, in gewaltige, existentielle. Um es gleich vorwegzunehmen: Er hat keinem Kind Gewalt angetan, ihm wird kein sexueller Missbrauch zur Last gelegt. Sein Manko ist es, unangepasst zu sein, ein Freidenker, als den er sich bezeichnet. Doch Schule ist auch nur ein Business wie jedes andere, ein hartes zudem. N. sagt, das Wichtigste für den Lehrerberuf sei, „authentisch“ zu sein.

          Kinder sollen freidenkende Menschen werden

          „Viele Kollegen setzen sich eine Lehrer-Maske auf, bevor sie den Klassenraum betreten. Das merken die Schüler natürlich. Dabei ist es gar nicht schwer, ein guter Lehrer zu werden. Man muss einfach nur fachlich was drauf haben und man selbst sein“. Thomas N. geht mit einem Schüler schon mal am Sonntag ins Fußballstadion, wenn er im Ethikunterricht Canetti durchnimmt, als Vorbereitung für ein Referat zum Thema „Masse und Macht“. Ein Ausflug, der Thomas N. nicht gut bekommen sollte, doch davon später mehr.

          Wenn N. von seiner Leidenschaft für Reformpädagogik erzählt, „weil da alles möglich ist und aus Kindern freidenkende Menschen werden können“, dann überholen ihn vor Begeisterung manchmal die eigenen Worte, wie einen Hasen die Hinterbeine beim schnellen Lauf durchs Feld. Als kleiner Junge hat Thomas N. gestottert. In seiner eigenen Schulzeit in Dresden fiel er nicht gerade durch Glanzleistungen auf.

          Im Klassenzimmer beliebt, im Lehrerzimmer nicht

          „Ich war ein Träumer, meine Mutter hat sich immer Sorgen gemacht.“ Seine Lehrer haben ihm das Träumen damals vorgeworfen. „Sie nahmen es mir übel, dass ich mich weniger für Mathematik und Physik als für meine eigenen Gedankenläufe interessierte.“ Viele seiner Kollegen sehen das auch vierzig Jahre später noch so und halten es für einen persönlichen Affront, wenn ein Schüler sich nicht für ihr Fachgebiet interessiert. „Aber der Mensch kann nun einmal nicht für alles glühen. Bei mir darf der Träumer seinen Gedanken nachhängen, solange er nicht stört und die schlechte Note durch eine bessere ausgleichen kann.“ Nicht nur dafür lieben ihn seine Schüler. Von seinen Kollegen aber wird er dafür auch kritisiert.

          Vielleicht geht beides einfach nicht zusammen – in der Klasse beliebt sein und auch im Lehrerzimmer. „Lehrerzimmer? Da bin ich selten“, sagt N. „Das ist ein Ort, an dem oft über Schüler hergezogen und schlechte Laune verbreitet wird. Oder es werden Arbeiten verteilt, die niemand erledigen will.“

          Weitere Themen

          Null Bock auf Lernen

          Schulabbrecher : Null Bock auf Lernen

          Kaum irgendwo in Deutschland ist die Schulabbrecherquote so hoch wie in Sachsen-Anhalt. Der Kampf dagegen ist hart, trägt aber erste Früchte.

          Der lange Weg zur digitalen Schule

          Von Estland lernen : Der lange Weg zur digitalen Schule

          In Estland kann man beobachten, wie Technik den Unterricht bereichern kann – Teil des Erfolgs ist ein Handyverbot auf dem Schulhof. Doch es gibt auch Maßnahmen, die in Deutschland wohl keiner sehen will.

          Topmeldungen

          Zuversicht verströmen: Angela Merkel und Mike Mohring in Thüringen

          Endspurt Landtagswahl : Wenn den Volksparteien das Volk abhanden kommt

          Angela Merkel rät, nicht länger beleidigt zu sein, und Andrea Nahles will die Ärmel hochkrempeln – die Nerven liegen blank bei den Noch-Volksparteien. Denn es geht in den Endspurt vor die hessische Landtagswahl.
          Gladbacher Torgala: Hazard erzielt den schönsten Treffer

          4:0 gegen Mainz : Gladbach stürmt auf Platz zwei

          Borussia Mönchengladbach deklassiert den FSV Mainz 05 mit 4:0 und erobert den zweiten Rang in der Bundesliga-Tabelle. Jonas Hofmann ist gleich dreimal erfolgreich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.