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Miriam Meckel im Gespräch : Weil wir im Jahr 2017 leben

Miriam Meckel, Herausgeberin der „Wirtschaftswoche“ und Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen Bild: Andreas Pein

Hat der Begriff Feminismus heute noch Kraft? Und warum tun sich gerade die Frauen, die es ganz nach oben schaffen, damit oft so schwer? Fragen an die Publizistin Miriam Meckel.

          Sind Sie Feministin?

          Julia  Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ja.

          Was bedeutet das für Sie?

          Eine Feministin oder ein Feminist - der Begriff ist ja nicht auf Frauen beschränkt - ist ein Mensch, der grundsätzlich überzeugt davon ist, dass alle Menschen gleichberechtigt sind und gleichberechtigt behandelt werden müssen, und für diese Überzeugung eintritt.

          Sie haben neulich Angela Merkel auf dem W20-Gipfel dieselbe Frage gestellt. Sie antwortete, sie wolle sich nicht mit einem Titel schmücken, den sie gar nicht habe. Hatten Sie sich eine andere Antwort erhofft?

          Ich habe nicht erwartet, dass sie sagt: ,Na klar!‘ Das hätte mich überrascht. Ich habe gehofft, dass ein Moment der Irritation und des Nachdenkens entsteht. Genau das ist passiert.

          Bei der Bundeskanzlerin selber?

          Bei allen. Als ich nachgefragt habe, wer sich auf dem Podium als Feministin begreift, reagierte Christine Lagarde, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, dezidiert und feuerte Angela Merkel an, ihren Finger zu heben. Andere waren dagegen sehr zögerlich. Ivanka Trump beispielsweise meldete sich erst, nahm dann den Arm wieder herunter und hob ihn schließlich erneut. Man merkt: Feminismus ist ein Thema, bei dem die Identifikation schwierig ist. Ich fand gut, dass das in diesem Umfeld so deutlich wurde.

          Ivanka Trump ging so weit, zu behaupten, dass sogar ihr Vater feministisch sei und zu ihrer feministischen Erziehung beigetragen habe. „Bullshit“-Feminismus, nannte das daraufhin bei „Spiegel online“ die Autorin Margarete Stokowski. Wenn jemand wie Ivanka Trump sich zur Feministin erklärt, ist das die totale Entleerung des Begriffs?

          Das hat sie so nicht gesagt, aber sie hat ihren Vater als Frauenunterstützer beschrieben, und da kann ich die Ablehnung voll verstehen. Bei Ivanka Trump würde ich gerne zwei Dinge unterscheiden: Man kann ihr als Tochter den Vater nicht vorwerfen, denn den hat sie sich nicht selbst ausgesucht. Als Beraterin des amerikanischen Präsidenten aber repräsentiert sie auch dessen politische Entscheidungen. Und die Entscheidungen, die Donald Trump bisher getroffen hat, weisen ja nicht gerade darauf hin, dass er Frauen, Familien oder Mütter besonders unterstützen würde. Dafür muss sie sich kritisieren lassen.

          Bezeichnen sich in Deutschland zu wenige Frauen als Feministinnen?

          Der Begriff scheint bei uns ungefähr so sexy zu sein wie Spießer oder Nudistin. Das ist mir wirklich ein Rätsel. Wir leben im Jahr 2017. Da ist es immer noch nicht selbstverständlich, für sich in Anspruch zu nehmen, für die Gleichberechtigung der Geschlechter und gegen Ausgrenzungen und Ungleichbehandlung zu sein? Das kann doch nicht wahr sein.

          Auf dem W20 Gipfel mit Angela Merkel, Christine Lagarde und Ivanka Trump
          Auf dem W20 Gipfel mit Angela Merkel, Christine Lagarde und Ivanka Trump : Bild: Imago

          Über die Blümchenkleider von Ivanka Trump und Máxima der Niederlande wurde nach dem W20-Gipfel mehr geschrieben als über die politischen Inhalte. Hat Sie das wütend gemacht?

          Ehrlich gesagt schon. Für mich ist das eher das Problem - der Glückskeksfeminismus, der sich mit Äußerlichkeiten zufrieden gibt oder damit, sie zu kritisieren. Ich würde mich nicht so anziehen wie Ivanka Trump und auch nicht das Blümchenkleid von Königin Máxima tragen. Aber es ist mir doch egal, was die anhaben. Ein bisschen wichtiger als die Frage nach dem Muster des Kleides der niederländischen Königin ist doch, was sie alles für die Finanzierungsmöglichkeiten von Unternehmerinnen tut. Da sind wir wieder auf Stereotyp-Sträßchen unterwegs, von denen ich gedacht hatte, die Abzweigung hätten wir hinter uns gelassen. Ich fühle mich dann wirklich an die siebziger Jahren erinnert: Eine Frau, die sich die Beine rasiert, unterwirft sich dem ästhetischen Dominanzanspruch der Männer. Das ist aber nicht so. Ich lebe nicht mit einem Mann zusammen und rasiere mir trotzdem die Beine. Ich finde es einfach schöner.

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