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Militanter Druide : Scheutvornix

Ob Gandalf oder Dumbledore – der Druiden-Look macht auch Zauberer gleich sympathisch: Ian McKellen im „Hobbit“-Film von Peter Jackson. Bild: AFP

Was Druiden sind, glauben wir zu wissen: Nette, etwas trottelige Herren mit Rauschebart. Jüngst jedoch hat ein sogenannter Reichsbürger unser Druidenbild kräftig durchgeschüttelt.

          Spürnix ist eine Frohnatur, zu Fuß aus Belgien in die Île de France gewandert, um sich dort sportlich zu betätigen. Seine Disziplin ist Zauberei, genauer gesprochen: das Anrühren von Zaubertränken, denn Spürnix ist Druide, sein Wettbewerbsbeitrag ein Trank, der unempfindlich gegen Schmerzen macht – nicht etwa, damit man dann gut kämpfen könnte, sondern um Pommes frites mit bloßen Händen aus dem siedenden Öl nehmen zu können.

          Für jeden Belgier ist das gewiss ein Desiderat, aber für den Sieg soll es nicht reichen, denn unter all den Konkurrenten von Spürnix mit ebenfalls sprechenden Namen wie Florix, Barometrix oder Praktifix ist auch ein gewisser Miraculix, der einen Trank zu mischen versteht, der übermenschliche Kräfte verleiht. Das alles spielt sich ab um das Jahr 50 vor Christus, im von Caesar fast ganz besetzten Gallien, wo es noch gar keine Kartoffeln gab, die Spürnix hätte frittieren können – wir befinden uns im freien Lauf einer Comic-Phantasie, in dem 1968 auf Deutsch erschienenen Band „Asterix bei den Goten“.

          Der Schwurbelschwafler ist ein Plagiator

          Alle Teilnehmer des darin geschilderten Wettstreits tragen lange weiße Gewänder, wallende weiße Bärte und einen Umhang, und seitdem sehen wir in solchen Druiden nur noch Witzfiguren; wer in ähnlicher Aufmachung gesichtet wurde, durfte bislang unseres Gelächters sicher sein, womöglich gar unserer Sympathie. Anders wäre der Erfolg mancherlei Prominenz, von Gandalf über Dumbledore bis zu Fidel Castro, ja auch gar nicht zu erklären.

          Tempi passati, sic transit benevolentia mundi! Denn vorgestern kündigte das berufsspezifisch sorgengefurchte Antlitz von Claus Kleber im „heute journal“ etwas komisch Anmutendes an, das wir aber bitte nicht komisch zu finden hätten: „Polizei und Verfassungsschutz haben auch mal gelacht. Das ist ihnen vergangen, als ein sogenannter Reichsbürger bei Nürnberg einen Beamten eines Sondereinsatzkommandos erschoss.“

          Und dann folgte der Bericht über eine bundesweite Razzia bei einer „Reichsbürger“-Gruppe, zu der auch jemand zählt, der sich kostümiert wie Miraculix und den Titel „Neu-Druide“ für sich in Anspruch nimmt, aber keine Zaubertränke ausheckt, sondern scheußliche Parolen, keine Froh-, eine Drohnatur. Der elegante Besatz an seinen Ärmeln weist ihn zwar als Plagiator aus – er wird sich die Hände beim Mistelschneiden nicht schmutzig machen –, aber das sonst vertraute Druidenoutfit lässt den auch noch comictypisch alliterierenden Burghard B. als Knuddelwuschel erscheinen, während er sich in seinen Internetselbstdarstellungen als Schwurbelschwafler erweist, der mit druidenspezifischem Namen Scheutvornix heißen sollte. Der einfallsreiche Spürnix hat übrigens noch ein zweites Zaubermittel im Repertoire: ein Kraut, das jeden Menschen nach Verzehr wie einen Esel sprechen lässt. Vermutlich ist Burghard B. als Kind in den Kessel von Spürnix gefallen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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