18.01.2007 · Neuer Vorstoß in der Debatte über Lebensverlängerung und Sterbehilfe: Der Münchner Palliativmediziner Gian Domenico Borasio hat gefordert, Ärzte gesetzlich zum Befolgen von Patientenverfügungen zu verpflichten.
Der Münchner Palliativmediziner Gian Domenico Borasio hat gefordert, Ärzte gesetzlich zum Befolgen von Patientenverfügungen zu verpflichten.
Schon heute sei jede Festlegung eines Patienten, auf bestimmte Behandlungen und lebensverlängernde Maßnahmen verzichten zu wollen, eigentlich verbindlich, sagte Borasio in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Freitagsausgabe). Eine gesetzliche Klärung sei aber sinnvoll. Doch dürfe dabei auf keinen Fall vom Grundprinzip der Patientenautonomie abgewichen werden.
Vorschläge, etwa des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU Bosbach und des SPD-Politikers Röspel, dass Patientenverfügungen nur bei unumkehrbar tödlichen Krankheiten Anwendung finden sollten, seien weltfremd, bevormundend und fundamentalistisch. Borasio kritisierte, dass in der modernen Medizin statt einer Lebensverlängerung oft nur eine Sterbeverlängerung erreicht werde. Deshalb müsse die Palliativmedizin in alle Fachbereiche und Betreuungsformen integriert werden. Borasio leitet das Interdisziplinäre Zentrum für Palliativmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und hat eine Stiftungsprofessur inne.