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Museumsmann Martin Roth : Keine Kunst für England, aber für Aserbaidschan?

Martin Roth kündigte aus Protest seinen Posten in London. An dem präsidialen Regierungssystem Aserbaidschans nimmt er dagegen keinen Anstoß. Bild: dpa

Als der „Brexit“ kam, legte Martin Roth sein Amt als Chef des Victoria & Albert Museums in London aus Protest nieder. Nun kuratiert er den Biennale-Pavillon von Aserbaidschan. Wie passt das zusammen?

          Seit er im vergangenen Jahr als Direktor des Londoner Victoria & Albert Museums zurücktrat, ist Martin Roth eine Art Kulturpolitiker ohne Amt, abgesehen von der ehrenamtlichen Präsidentschaft des deutschen Instituts für Auslandsbeziehungen. Als solcher fand er deutliche Worte gegen den „Brexit“ und das Berliner Humboldtforum. Nun gerät er selbst in die Kritik, weil er unter der Flagge einer Regierung auftritt, die nicht gerade auf der Seite von Demokratie und Meinungsfreiheit steht: Als Ko-Kurator verantwortet er den Pavillon von Aserbaidschan auf der aktuellen Venedig-Biennale.

          Kolja Reichert

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das Land leistet sich seit zwölf Jahren eine Dependance im globalen Standort-Marketing-Wettbewerb, der die Biennale mit ihren diesmal 85 Länderpavillons auch ist. Aserbaidschan sei ein „Blueprint für Toleranz“, erklärte Roth schon vorher, was angesichts fehlender Versammlungs- und Meinungsfreiheit mindestens missverständlich ist.

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          2011 ließ Präsident Heydar Alijew, dessen Gattin der den Pavillon veranstaltenden Alijew-Stiftung vorsteht, in Venedig eine Skulptur von Aidan Salakhova verhüllen. „Natürlich weiß ich, dass Aserbaidschan eine autoritäre Diktatur ist“, sagte Roth nun in einem Zeitungsinterview. Er kritisiert den „deutschen Rigorismus“, gibt aber keine Kriterien an, unter welchen Umständen sich diese Zusammenarbeit lohne.

          In einer Multimedia-Installation preisen im Pavillon Angehörige von Minderheiten die ethnische Diversität des Landes, wobei ihre Stimmen durch schwer lesbare Textprojektionen ersetzt sind. Die Kunst geht hier nahtlos im Nation Branding auf: Zwei Installationen mit Musikinstrumenten des der Bevölkerungsmehrheit der Aseri angehörenden Elvin Nabizade steuern einen Geschmack von Tradition und Kultur bei. Dafür braucht es keinen Kurator Martin Roth.

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