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Mark Zuckerbergs Versprechen : Haben Sie auch schon einen Anteilsschein?

Zur Geburt seiner Tochter Max schrieb Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einen Brief an die ganze Welt. Bild: dpa

Nach der Geburt seiner Tochter schien es, als gebe Mark Zuckerberg seine Facebook-Anteile ab. Doch jetzt wird klar, dass er es nicht so meint. Dieser Konzernchef hat besondere Vorstellungen von Selbstlosigkeit.

          Nach der Geburt seiner Tochter, schien es, als wolle Mark Zuckerberg die ganze Welt umarmen. Denn er schrieb einen Brief an die kleine Max, der für die gesamte Menschheit bestimmt war und dieser eine glückliche Zukunft prophezeite, sollte alles so laufen, wie der Facebook-Chef es sich vorstellt. Man müsse nur dem Beispiel seines Konzerns folgen und seinem eigenen, dann werde alles gut. Das schrieb Mark Zuckerberg im vergangenen Dezember und versprach, neunundneunzig Prozent seines Kapitals zu spenden - Facebook-Aktien im Wert von damals 45 Milliarden Dollar.

          Die werde er allerdings nicht gleich weggeben, aber doch im Laufe seines Lebens. „Noch viele, viele Jahre“ Vorstandschef von Facebook bleiben wolle er allerdings auch. Zuckerbergs selbstlose Geste, die als „Chan Zuckerberg Initiative“ wohl in die Geschichtsbücher eingehen soll, konnte einem schon zum Zeitpunkt ihrer Aufführung als billige Scharade erscheinen. Er gibt fast sein gesamtes Kapital ab, bleibt aber der Boss und behält seinen Einfluss? Wie geht das zusammen?

          Fünf Monate später, da Facebook einen Rekordgewinn von 1,5 Milliarden Dollar für das erste Quartal dieses Jahres ausweist, darf einem die ganze Sache noch spanischer vorkommen. Denn jetzt kündigt Facebook „ein neues Börsenarrangement an“, das Zuckerberg, wie es heißt, mehr Sicherheit und Kontrolle über seine Firmen geben soll, auch wenn er Teile seiner Anteile an gemeinnützige Organisationen gibt. Gedacht ist daran, neue, stimmrechtslose Aktien auszugeben, die an die jeweiligen Anteilseigner als Dividende ausgeschüttet werden. Was für ein Plan: Man bekommt Anteile an Facebook, darf aber nicht mitreden, sondern soll sich darüber freuen, an Mark Zuckerbergs globaler Rettungsmission teilzuhaben - indem man Facebook-Aktien erwirbt und dem Konzern als Mitglied obendrein seine Daten schenkt, mit denen dieser dann wiederum Milliardengewinne erwirtschaftet, die der Chef des Mega-Konzerns bislang allein für den Zukauf anderer Firmen ausgibt, um über das Internet ein Weltwirtschaftsmonopol zu erlangen. Der Briefeschreiber Mark Zuckerberg hat den Bogen wirklich raus.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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