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Madeleine Albright im Gespräch Wie man Männer unterbricht

Einst hatte sie gehofft, ihre Absätze könnten die Fußstapfen ihres Vorgängers füllen: Die ehemalige amerikanische Außenministerin Madeleine Albright, 75, über Nordkorea, straffe Brüste und die hohe Kunst des diplomatischen Küssens.

© Frank Röth Vergrößern Von 1997 bis 2001 Außenministerin: Madeleine Albright, die Frau mit der Brosche

Mrs. Albright - was machen wir denn jetzt mit Nordkorea?

Ich glaube, wir wissen nicht genug über diesen jungen Machthaber. Ich denke, seine Handlungen zielen zum Teil auf seine eigenen heimischen Zwecke ab. Unser Außenminister Kerry hat sehr deutlich gemacht, dass die Vereinigten Staaten bereit sind, mit ihm zu sprechen - unter der Voraussetzung, dass er sich an seine bereits gegebenen Zusagen hält, seine atomaren Waffen und Programme loszuwerden. Was diese von Nordkorea ausgehenden Provokationen angeht, ist meiner Ansicht nach ein Muster zu erkennen. Ich glaube, dass wir ruhig bleiben müssen, während wir die notwendigen Vorkehrungen treffen.

In Amerika werden Stimmen laut, die fordern, Präsident Obama solle Personen außerhalb der Regierung ernennen, um einen Dialog auf höchster Ebene mit Kim Jong-un zu führen. Unter anderem fielen die Namen Bill Clinton und: Madeleine Albright. Stünden Sie denn bereit?

Das ist rein hypothetisch, dazu kann ich nichts sagen. Ich bin allerdings das ranghöchste ehemalige Regierungsmitglied, das noch persönlich mit Kim Jong-il - dem Vater von Kim Jong-un - gesprochen hat. Aber ich beteilige mich nicht an Spekulationen.

Wie war Kim Jong-il? So verrückt, wie er immer dargestellt wurde?

Ich habe viel Zeit mit ihm verbracht, bestimmt zwölf Stunden, und verrückt, wie viele behaupteten, war er nicht. Wir steckten mitten in Verhandlungen, als es in Amerika zum Regierungswechsel kam. Während ich allerdings annahm, wir hätten als Geste des guten Willens eine Absichtserklärung für ein Moratorium von Raketentests vereinbart, stellte sich später heraus, dass Nordkorea damals schon ein Programm zur Herstellung hoch angereicherten Urans verfolgte. Also - sie lügen. Aber ich glaube, dieses Muster mit den Provokationen war schon früher zu beobachten. Dennoch müssen die Vereinigten Staaten Maßnahmen zur Verteidigung treffen, da nicht sicher ist, wie es ausgehen wird, und das haben wir getan. Und wir müssen auch deutlich sein, was die Unterstützung unserer Verbündeten betrifft.

Lassen Sie uns die Grenze zu Südkorea überqueren. Da gab es mal so eine Geschichte mit einem Diplomaten, der gesagt haben soll, er habe bei der Umarmung mit Ihnen bemerkt, dass Sie sehr straffe Brüste hätten.

Ich habe mal ein Buch über meine Anstecknadeln geschrieben, und darin habe ich erzählt, wie diese mich mal in Schwierigkeiten brachten - und manchmal retteten ...

Sie benutzten diese wie persönliche Untertitel. In der irakischen Presse wurden sie „Schlange“ genannt, anschließend trugen Sie eine Schlangenbrosche zu einem Treffen mit Saddam Hussein.

Genau. Einmal brachten mich meine Anstecknadeln in Schwierigkeiten, weil ich die russische Tschetschenien-Politik schrecklich fand. Ich hatte eine Anstecknadel mit den drei Affen, die nichts hören, nichts sehen, nichts sagen, Sie wissen schon. Und im Sommer 2000 hatten wir ein Gipfeltreffen mit den Russen, und ich beschloss, diese drei Affen zu tragen. Ich komme rein, und Präsident Putin dreht sich zu Präsident Clinton und sagt: Wir achten immer darauf, was für Anstecknadeln Außenministerin Albright trägt - warum trägt sie heute diese drei Affen? Und ich sagte tatsächlich: Wegen Ihrer Tschetschenien-Politik! Und er wurde so wütend auf mich, er war richtig sauer, und Präsident Clinton warf mir so einen Blick zu - bist du wahnsinnig geworden? Aber eigentlich will ich ja diese andere Geschichte erzählen. Ich hatte ja die Kunst des diplomatischen Küssens erfunden ...

Nato © AFP Vergrößern In politischer Mission: Nato-Reformerin Madeleine Albright im Mai 2010 mit Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen

Was ist das?

Meine Vorgänger, alle Männer, hatten sich damit nicht befassen müssen - aber wenn man in ein fremdes Land kommt, muss man sich natürlich irgendwie begrüßen. Und statt Händeschütteln habe ich Küsse und Umarmungen eingeführt. Allerdings stellte sich das als komplizierter heraus, als es aussieht: In manchen südamerikanischen Ländern wird nur auf die rechte Wange geküsst, in anderen nur auf die linke, das habe ich immer verwechselt.

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