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Veröffentlicht: 11.09.2013, 06:13 Uhr

Lego-Reihe „Friends“ In dieser Idylle ist morgen wie gestern

Die Bausteinfirma Lego erzielt mit ihrer Reihe „Friends“ ihre größten Erfolge. Doch welche Werte werden in dieser Spielwelt vermittelt? Ein Ortstermin in der Stadt für Mädchenfiguren, Heartlake City.

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© Lennart Preiss/dadp „Friends“ wurde extra für Mädchen entwickelt: Sie lernen beim Spiel Rasenmähen, Schminken und Warten auf den Mann

Eine der erfolgreichsten Städte der Gegenwart heißt Heartlake City. Sie sieht aus wie jede durchschnittliche amerikanische Stadt, es gibt ein Geschäftszentrum mit Glastürmen und Vororthäuser mit Vorgärten; das einzig Ungewöhnliche ist, dass es Heartlake City überall auf der Welt gibt und dass ihre Bewohner nicht größer als ein Kinderdaumen sind. Heartlake City wurde vom Spielzeughersteller Lego erfunden und gehört zur Figuren- und Baustein-Serie „Lego Friends“ - und die ist eines der erfolgreichsten Produkte im Programm des dänischen Spielwarenherstellers. Es gibt Baukästen mit Häusern, Autos, Cafés, dazu fünf Mädchen-Figuren namens Olivia, Emma, Stephanie, Andrea und Mia.

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Die „Friends“-Serie mitsamt der fiktiven Stadt Heartlake City ist das Ergebnis einer aufwendigen Marktforschungsstudie; ihr Erfolg auf dem Spielzeugmarkt hat mit zum Rekordergebnis von Lego im vergangenen Jahr beigetragen. Der Jahresüberschuss des Konzerns stieg von 558 Millionen auf 754 Millionen Euro, die Umsatzrendite von 30 auf 34 Prozent; in Deutschland lagen die Absatzzahlen nach der Markteinführung zeitweilig doppelt so hoch wie prognostiziert, auch dank „Friends“ stieg der Umsatz von Lego um 25 Prozent auf 3,14 Milliarden Euro. Auch in Amerika hat die Serie großen Erfolg. Dort liefert Lego zu den „Friends“-Baukästen auch gleich noch die Erzählung mit, die dann im Kinderzimmer nachgespielt werden soll: Es gibt im Buchhandel von Lego lizenzierte Hefte, in denen die Autorin Helen Murray vom Leben der Hauptfigur, einem Mädchen namens Olivia, erzählt.

Die afroamerikanische Andrea muss leider putzen

In den „Friends“-Heften erfährt man, dass Olivia mit ihren Eltern nach Heartlake City gezogen ist, wo ihr Vater eine Stelle als Redakteur bei der „Heartlake Times“ antritt. „Heartlake City“, ist zu erfahren, sei ein wunderbarer Ort, mit „vielen unterschiedlichen Formen von schönen Häusern“ Olivia, ist weiter zu lesen, will später Wissenschaftlerin werden, Erfinderin oder Ingenieurin und baut in ihrer Freizeit Roboter. So weit scheint die Emanzipation bis in die fiktive Stadt Heartlake vorgedrungen zu sein. Beide Eltern, so das Heft, arbeiten hart, Olivias Mutter ist Ärztin. Ihr neues Zuhause liegt im Stadtteil „Heartlake Heights“, offenbar einem besseren Vorort der Stadt, es hat ein rosafarbenes Dach sowie einen Vorgarten mit weißem Zaun. Auf dem Bild zu dieser suburbanen Idealvision sieht man den Vater, der eine Keule auf den Grill packt, während die Mutter den Rasen mäht.

Olivia gibt sich ausschließlich mit Mädchen ab. Eine ihrer vier besten Freundinnen, Andrea, eine afroamerikanisch aussehende Spielfigur, möchte eines Tages Superstar werden und singt immer und überall, muss allerdings so lange als Bedienung Geld im „City Park Café“ verdienen, wo sie „Cupcakes und Hamburger“ zubereitet sowie „ abwäscht und den Boden wischt“. Was für ein Ideal von Stadt, vom Wohnen, von Zusammenleben wird hier in die Kinderzimmer gebracht? Auf eine deprimierend realistische Weise wird in Heartlake City das in Amerika herrschende Verhältnis von ethnischer Herkunft und Jobqualifizierung abgebildet: Die Afroamerikaner müssen als Putzkraft jobben, ein Schicksal, das Olivia, dem Kind aus der weißen Mittelschicht, offenbar erspart bleibt. Für die afroamerikanische Andrea ist eine Karriere als Showstar offenbar der einzige Ausweg aus ihrer sozialen Situation.

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