http://www.faz.net/-gqz-vzyc

Laudatio auf Tom Cruise : Ein Mann der Courage

  • -Aktualisiert am

Bewegt: Tom Cruise mit seinem Preis Bild: AP

Es bedurfte eines Weltstars, um im Ausland zu zeigen, dass auch Deutsche ihr Leben riskierten, um sich den Nazis zu widersetzen: Warum Tom Cruise den „Bambi Courage“ verdient hat. Eine Laudatio von Frank Schirrmacher.

          Als er vor etwas über einem Jahr „United Artists“ übernahm, das legendäre Studio von Charlie Chaplin, überlegte man, welchen Titel man ihm geben sollte: Geschäftsführer? Vorstandsvorsitzender? Präsident? Aber kein Titel schien so groß wie jene zwei Wörter, die wir seit über 20 Jahren mit großem amerikanischen Kino assoziieren. Kein Titel schien so groß wie sein Name - und unter dem leitet er das Studio jetzt auch ganz einfach: als Tom Cruise.

          Jeder andere Star musste das Auf und Ab in der Filmindustrie kennen lernen. Für ihn gab es nur das Auf, seit seinem Durchbruch mit „Top Gun“ im Jahre 1986. Wenn in diesen 20 Jahren ein Film von Cruise einmal kein Kassenhit wurde, ging auch das auf seine ganz bewußte Entscheidung zurück. So zuletzt bei „Von Löwen und Lämmern“, einen Film, mit dem er seine Landsleute in Sachen Irak wachrütteln wollte.

          Erzwungene Erfolge

          Durch einen Zufall hatte ich über die letzten Monate die Möglichkeit, zu erleben, wie sehr Tom Cruise für diese Erfolge kämpft, wie hart er daran arbeitet, wie er sie gleichsam erzwingt. Tom Cruise nahm sich nämlich eines Themas an, das mir sehr am Herzen liegt, nicht zuletzt, weil sich mein Vorgänger als Herausgeber der F.A.Z., Joachim Fest, viele Jahre sehr intensiv damit beschäftigte: Ich spreche vom deutschen Widerstand gegen Hitler. Es hat mich immer bedrückt, dass es beinahe unmöglich war, das Ausland darauf aufmerksam zu machen, dass es auch innerhalb Deutschlands Menschen gab, die ihr Leben riskierten, um sich den Nazis zu widersetzen.

          Cruise als Stauffenberg in „Valkyrie”

          Es bedurfte eines Querdenkers, um dieses Vorurteil zu durchbrechen. Es bedurfte eines Weltstars, um sich damit im Ausland Gehör zu verschaffen. Durch seine Entscheidung, Graf Stauffenberg sein Gesicht zu leihen, wird Tom Cruise das Bild, das die Welt sich von uns Deutschen macht, verändern. Das Ansehen des Landes zu retten, gerade auch im Ausland, war einer der wichtigsten Beweggründe Stauffenbergs bei seiner Tat. Durch Tom Cruises mutige Entscheidung, diese Rolle zu spielen, wird Stauffenbergs Anliegen auf mittelbare Weise doch noch verwirklicht. Eine breite Öffentlichkeit wird anhand seiner Geschichte verstehen, dass man sich dem Unmenschlichen widersetzen kann, und dass Heldenmut und eine menschliche Haltung noch wichtiger sind als der Erfolg einer Tat.

          Der Burda-Verlag hat beschlossen, Tom Cruise den „Bambi Courage“ zu verleihen. Den Bambi für Mut. Auch das ist eine mutige Entscheidung, ich finde, sie ist richtig, ja zwingend. Tom Cruise weiß, dass dieser Mut natürlich etwas anderes ist als der Mut, den die historischen Vorbilder um Stauffenberg aufbrachten. Hemingway hat „Courage“ einmal als „Grace under Pressure“ definiert, als „Würde auch unter Druck“. Ich habe Tom Cruise über die letzten Monate aus der Nähe erlebt. Nur wenige sind wohl größerem Druck ausgesetzt als er und an wenigen wird von so vielen Seiten gezerrt. Kaum jemand wird aber auch so gnadenlos angegriffen. Ich kenne wenige, die dabei freundlicher, konzentrierter, und würdevoller blieben, als er es immer war. Er ist in Hemingways Sinne ein Mann der Courage. Ich bin stolz, ihm den Bambi Courage überreichen zu dürfen. Meine Damen und Herren, Tom Cruise.

          Weitere Themen

          Superheldenerfinder Stan Lee ist tot Video-Seite öffnen

          Marvel-Autor : Superheldenerfinder Stan Lee ist tot

          Der Erschaffer von Spider-Man, Doctor Strange, Hulk und anderen Marvel-Helden wurde 95 Jahre alt. Stan Lee war dafür bekannt, seinen Superhelden eine in den 60er Jahren neuartige Komplexität und Menschlichkeit zu verleihen.

          Hauptsache, Mensch

          Herbert Grönemeyer im Gespräch : Hauptsache, Mensch

          Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Sänger: Herbert Grönemeyer spricht über sein neues Album „Tumult“, über die Fehler von Mesut Özil und Angela Merkel sowie über vergebliche Anrufe bei dem legendären Produzenten Rick Rubin.

          Käfer- und Katzen-Mumien Video-Seite öffnen

          Grabstelle in Ägypten : Käfer- und Katzen-Mumien

          Archäologen in Ägypten haben am Wochenende seltene Grabfunde vorgestellt. Sie fanden am Rand der Totenstadt von Sakkara mumifizierte Katzen und eine ganze Sammlung mumifizierter Skarabäen. Diese Käfer wurden als Symbol für den Sonnengott verehrt.

          Topmeldungen

          Brände in Kalifornien : Zahl der Toten steigt immer weiter

          Große Gebiete Kaliforniens stehen in Flammen. Das „Camp“-Feuer ist schon jetzt das mit den meisten Todesopfern in der Geschichte des Bundesstaats. Winde und Trockenheit drohen, die Lage weiter zu verschärfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.