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Osman Kavala : Türkei verhaftet prominenten Kulturmäzen

Seine Stiftung kümmert sich um Kultur, und für so etwas ist in der „neuen“ Türkei von Erdogan kein Platz: Osman Kavala. Bild: Imago

Die Repression des türkischen Präsidenten Erdogan macht vor niemandem Halt. Jetzt wurde der Kulturvermittler und Mäzen Osman Kavala festgenommen. Er arbeitet unter anderem mit dem Goethe-Institut zusammen.

          Kulturelle Pluralität ist in der „neuen Türkei“ des Präsidenten Erdogan unerwünscht. Deshalb war Osman Kavala der Regierung sicherlich schon länger ein Dorn im Auge. Seit Mittwochabend befindet sich der Unternehmer, Mäzen und Vorsitzende der Stiftung „Anadolu Kültür“, der wie kaum ein anderer für kulturelle Vielfalt in der Türkei steht, in Polizeigewahrsam. Der Sechzigjährige kehrte gerade von einer Reise ins südosttürkische Gaziantep zurück, als man ihn am Flughafen von Istanbul festnahm.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In Gaziantep hatte er an einem Projekttreffen des Goethe-Instituts teilgenommen. Die Staatsanwaltschaft wolle Kavala wegen einiger Treffen befragen, an denen er vor dem Putschversuch teilgenommen habe, meldet das Nachrichtenportal T24. Dass der politisch stets zurückhaltende Kavala mit den Putschisten zusammengearbeitet haben soll, ist absurd. Bei einem Besuch im Herbst 2016 in Düsseldorf zeigte er sich äußerst bestürzt über den Putschversuch vom 15. Juli. Sein Mantra war, dass nur durch kulturelle Entwicklung die Verhältnisse zu verändern seien, nicht durch Gewalt. Er befürchte, dass das politische Klima die Arbeit seiner Stiftung erschweren werde, sagte Kavala damals: „Aber wir werden unser Bestes tun, um unserem Auftrag weiter gerecht zu werden.“

          Die Stiftung „Anadolu Kültür“ („Kultur Anatoliens“) ist Kavalas Lebenswerk. Er hatte gerade sein Studium in Amerika beendet, als er mit 24 Jahren, nach dem Tod des Vaters das Familienunternehmen übernahm. Für dieses ist er noch immer tätig, widmet sich aber vor allem seiner 2002 gegründeten Stiftung. Über Jahrzehnte war Istanbul das Zentrum für Künstler und Intellektuelle. Doch dann begann „Anadolu Kültür“ sich für die Peripherie einzusetzen. In der von Kurden dominierten osttürkischen Stadt Diyarbakir baute Kavala das Kulturzentrum „Diyarbakir Kültür Merkezi“ auf, das für die Künstler der Stadt zur wichtigsten Plattform wurde und endlich auch Kurden in der türkischen Kunstszene verankerte. Weitere Kulturzentren in ganz Anatolien folgten. Den Menschen wurde ermöglicht, Anteil am kulturellen Leben der Türkei zu nehmen. Zudem machte die Stiftung die Bevölkerung anhand von Film, Bildender Kunst, Musik und Literatur mit westlichen Werten vertraut.

          Kavala hat als einer der Ersten in der Türkei Ausstellungen über das Verhältnis von Türken und Armeniern organisiert. Die Aussöhnung zwischen den Völkern ist ihm ein Bedürfnis, genauso macht er es sich zur Lebensaufgabe, in der polarisierten türkischen Gesellschaft Grenzen in den Köpfen zu überwinden. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Stiftung ist die kulturelle Zusammenarbeit mit Europa – „Anadolu Kültür“ ist an vielen Austauschprogrammen mit europäischen Kultureinrichtungen beteiligt, von denen einige in Deutschland verankert sind. Gut möglich, dass das Kavala nun zum Verhängnis wird. Wegen seiner Kontakte zu deutschen Stiftungen wie Mercator oder dem Goethe-Institut ist er schon oft von türkischen Nationalisten angegriffen worden.

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