09.10.2006 · Ende eines Streits über Kulturgüter: Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe soll nun laut Kulturstaatsminister Neumann doch nicht ins Ausland verkauft werden. Ursprünglich wollte Baden-Württemberg vom Erlös das Schloß Salem sanieren.
Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe soll nicht ins Ausland verkauft werden. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte am Montag in Bonn, es werde sichergestellt, daß kein Kulturgut ins Ausland verkauft werde. Er sei sich in diesem Punkt mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) einig.
Ursprünglich hatte das Land aus einem Bestand von rund 3600 Handschriften wertvolle Stücke verkaufen wollen, um aus einem Erlös von rund 70 Millionen Euro den Erhalt des Schlosses und des Münsters Salem der Markgrafenfamilie von Baden zu finanzieren. In einem Gespräch mit Oettinger am Freitag habe er deutlich gemacht, was auf dem Spiel stehe, sagte Neumann zum Auftakt einer Konferenz über Wege zum Kulturgüterschutz. Dabei habe er zum Ausdruck gebracht, daß der Bund, falls das Land Baden-Württemberg einer Übertragung der Handschriften an das Haus Baden zustimme, den Antrag stellen werde, die Handschrift auf die Liste nicht veräußerbarer Kulturgüter setzen zu lassen. Baden-Württemberg teile seinen Standpunkt, und es werde vermutlich nicht nötig sein, einen entsprechenden Antrag zu stellen.
Es müsse alles getan werden, um eine Zersplitterung der Sammlung und die Abwanderung in Ausland zu verhindern, sagte Neumann. Es könne nicht sein, daß Kulturgüter zur Beseitigung finanzieller Engpässe verhökert würden, sagte Neumann. Jedes verkaufte Kulturgut sei für die Öffentlichkeit unwiederbringlich verloren. Als sittenwidrig kritisierte Neumann in diesem Zusammenhang Überlegungen der Stadt Krefeld, die Sanierung ihres Kunstmuseums durch den Verkauf eines Gemäldes von Monet zu finanzieren. Ein solches Vorhaben sei unbegreiflich.