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Kürzung der Elternzeit Baby im Firmenlogo

 ·  Die Arbeitgeberverbände fordern eine Kürzung der Elternzeit. Aber: Der Widerspruch zwischen Wirtschaftlichkeit und Familienfreundlichkeit eines Unternehmens darf keiner sein.

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Wenn Wirtschaftsverbände die Regie der Lebensplanung übernehmen möchten, sollte man sich die Qualität ihrer Argumente genau anschauen. Noch im Ohr ist die Kampagne des Deutschen Industrie- und Handelstages für das Turbo-Abitur (G8 statt G9). Ein regelrechtes Glücksversprechen wurde da formuliert: Je schneller deine Abschlüsse, desto rosiger deine Zukunft. „Je früher junge Menschen die Erstausbildung hinter sich bringen, desto mehr Möglichkeiten haben sie im Leben“, versprach der damalige Verbandspräsident Ludwig Georg Braun. Heute sieht man den Unsinn solcher Sprüche ein und werkelt an der Frage, wie Gymnasien wieder zu neun Schuljahren zurückkehren können.

Denn natürlich greift das Turbo-Argument nicht individuell: Ob ein Bewerber ein Jahr jünger oder älter ist als sein Mitbewerber, ist in der Regel kein absolutes Einstellungskriterium. Und dass das schiere Haben von Möglichkeiten ein „erfülltes Leben“ (Braun) gewährleisten soll, bleibt ökonomischer Obskurantismus.

Qualifikationsverlust als Naturgesetz

Nun kommt aus dem Bundesverband der Arbeitgeberverbände die Forderung, die Elternzeit radikal zu kürzen, um Mütter und Väter schneller in die Erwerbstätigkeit zurückzuholen. Auch hier beruft man sich auf die Wettbewerbsfähigkeit mit anderen europäischen Unternehmen. Bislang können beide Eltern sich bis zu drei Jahre Elternzeit teilen, maximal vierzehn Monate davon zahlt der Staat Elterngeld als Lohnersatz. Demgegenüber setzt sich der Verbandspräsident Dieter Hundt für eine Kürzung der Elternzeit auf zwölf Monate ein und will auch das Elterngeld beschneiden.

Als Grund muss ein Zustand herhalten, der eigentlich ein Missstand ist: „Je länger Frauen aus dem Beruf aussteigen, desto schwieriger ist die Wiedereingliederung, desto größer sind die Qualifikationsverluste“, heißt es in einem entsprechenden Positionspapier der Arbeitgeberverbände. Hier wird quasi als ein Naturgesetz festgeschrieben, was eigentlich der politischen Gestaltung unterliegt. Denn die Idee des familienfreundlichen Unternehmens erscheint in dieser Sicht immer noch einer antiökonomischen Rationalität verhaftet. Elternzeit für Mütter und Väter, spezielle Wiedereingliederungsprogramme, Firmenkitas - all das sind Maßnahmen, die sich in der Hundt-Perspektive nicht rechnen, sich nie rechnen werden.

Dem Kulturwandel entgegen

Eine starre Wahrnehmung, die jedem unternehmerischen Esprit zu widerraten scheint. Denn natürlich müsste es um die Frage gehen, wie sich mit der Familienfreundlichkeit eines Unternehmens, zu der dann auch die problemlose Gestaltung der Elternzeit gehört, ein Wettbewerbsvorteil gewinnen lässt. Und tatsächlich fehlt es nicht an Beispielen dafür, dass auf dem europäischen Arbeitsmarkt qualifizierte Bewerber solchen Firmen den Zuschlag geben, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gewährleisten als andere.

Mit anderen Worten: Familienfreundlichkeit muss als Kriterium des Firmenimages Profil gewinnen wie Umweltverträglichkeit und andere Produktqualitäten. Das Baby im Firmenlogo: Von dieser - marktorientierten - Logik ist Hundts Zurückpfeifen des Elterngelds denkbar weit entfernt. Hier wird nur mehr vom Selben geboten, statt mit neuen Ideen den veränderten Herausforderungen zu antworten.

Mit seiner jüngsten Einlassung zum Elterngeld stellt sich der Arbeitgeberverband einem Kulturwandel entgegen, der in Wirklichkeit längst begonnen hat und der sich nicht mehr wird zurückdrehen lassen. Eine vorausschauende ökonomische Analyse müsste zu dem Ergebnis kommen, dass es besser ist, sich mit innovativen Maßnahmen an die Spitze der Entwicklung zu setzen, statt sie zu sabotieren. Hundt hat ja recht: Je länger Frauen (und Männer) Elternzeit nehmen, desto schlechter ist das für ihre Karriere. Aber genau dies gilt es zu ändern statt zu zementieren.

Solange das Erwerbsleben in der grummelnden Gewährung von Elternzeit eine Verzichtsleistung sieht, haben die Chefs nicht begriffen, worum es geht. Der Verzichtsbegriff ist wie immer eine Frage der Perspektive: Worauf verzichte ich notgedrungen an anderer Stelle, wenn ich diesen Verzicht hier und jetzt nicht üben will? Unternehmen, die auf Investitionen in die Familienverträglichkeit verzichten wollen, verzichten damit auf eine vertiefte Identifikation ihrer Mitarbeiter mit der Firma, was wiederum messbare ökonomische Auswirkungen hat.

Ein Arbeitgeberpräsident, der von heute wäre und nicht von gestern, müsste anders reden als Hundt. Er müsste fragen, wie sich solche betrieblichen Verhaltensroutinen, Gewohnheitsformate und Rituale verändern lassen, die den Mitarbeiter als Monade behandeln - als sei er nicht auch in seiner Arbeitskraft Teil eines privaten familiären Zusammenhangs, den es zu fördern gilt, wenn’s ums Firmenwohl geht. Aber das setzt einen kulturell geformten Arbeitsbegriff voraus, den die Arbeitgeberverbände (noch) nicht auf der Rechnung haben.

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