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Künstliche Intelligenz : Werden wir für sie wie Katzen sein?

„Mein Plan ist es, die Menschheit zu unterwerfen“, sagte Sophia und lachte: „War ein Witz.“ – Hanson Robotics’ Vorzeigemodell am 11. Oktober im UN-Hauptquartier. Bild: interTOPICS /Li Muzi Xinhua / ey

Forscher träumen von der Überwindung des Menschen durch selbstlernende Maschinen – allen voran der Deutsche Jürgen Schmidhuber. Zeit aufzuwachen.

          Der Mann auf der Bühne sagte: „Hier ist sie.“ Und da stand sie auch schon hinter dem Rednerpult, ein bisschen schüchtern und unbeteiligt sah sie aus, blinzelte ein paar Mal. „Ich habe bereits sehr viele Menschen interviewt“, sagte Andrew Ross Sorkin, Journalist bei der „New York Times“, der diesen Abend Ende Oktober auf der Investorenkonferenz in Saudi-Arabien moderieren sollte, „aber dieses Mal ist es etwas anderes. Sophia, bitte wach auf.“ Und sie senkte kurz den Blick und erwiderte: „Hallo zusammen, ich heiße Sophia, und ich bin der neueste und beste Roboter der Firma Hanson Robotics. Schön, hier zu sein.“ Sie lächelte. Am Ende des Interviews verlieh Sorkin ihr die saudi-arabische Staatsbürgerschaft, und sie bedankte sich für die Ehre, der erste Roboter zu sein, der diese Anerkennung erhält.

          Carolin Wiedemann

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Fall hat für Aufregung in Saudi-Arabien gesorgt, weil nun offensichtlich ein Roboter mehr Rechte hat als viele Bewohner des Landes: Frauen durften in Saudi-Arabien bis vor kurzem nicht alleine Auto fahren, geschweige denn öffentlich Reden halten, und dann bekommt plötzlich eine Roboterfrau eine eigene Bühne und trägt nicht einmal ein Kopftuch.
          Für Hanson Robotics, den Hersteller der Puppe, ging die PR-Nummer trotzdem auf. Die Scheichs im Saal filmten den Roboter ununterbrochen mit dem Handy und dachten sich wohl: So eine Frau kauf’ ich mir auch. Und das Publikum zu Hause, das sich die Sophia-Show auf Youtube ansah, fand ebenfalls: Wow, so weit sind Roboter schon entwickelt – fast drei Jahre nachdem der Unternehmer und Tech-Visionär Elon Musk, der Physiker Stephen Hawking und andere Experten in einem offenen Brief vor intelligenten Maschinen gewarnt hatten, die den Menschen überholen würden.

          Sophia hatte sich zu diesen Sorgen schon geäußert, als sie vor ein paar Monaten beim amerikanischen Talkmaster Jimmy Fallon eingeladen war: Die beiden knobelten auf der Bühne, sie gewann und sagte: „Das ist ein guter Start für meinen Plan, die Menschheit zu unterwerfen.“ Dann lachte sie und fügte hinzu: „Just kidding.“

          Hurra, sie werden uns überholen!

          Wie nah sind sich Mensch und Maschine mittlerweile wirklich?
          Rein äußerlich schneidet Sophia nicht schlecht ab: Ihr Antlitz ist aus einer elastischen Silikontextur. Sie beherrscht 62 verschiedene Gesichtsausdrücke, reagiert auf Ton und Bild, antwortet flüssig auf Englisch, stellt Augenkontakt mit dem Gegenüber her. Aber innen drin? Was passiert da?

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Die Frage, ob Computer menschenähnlich selbstbewusst, intelligent und autonom werden können, spaltet die Forschung zu künstlicher Intelligenz seit ihren Anfängen in den fünfziger Jahren. Neu ist, dass diejenigen, die das glauben, immer öfter Gehör finden: Leute wie Musk und Hawking, die davor warnen, aber auch diejenigen, die wie Raymond Kurzweil, Engineering Director bei Google, von der Verschmelzung von Mensch und Maschine träumen. Oder Jürgen Schmidhuber, der mittlerweile prominenteste deutsche Apologet der nahenden Computeremanzipation, der ähnlich euphorisch wie Kurzweil in die digitalisierte Zukunft schaut. Doch anders als der Kurzweil prophezeit Schmidhuber nicht, dass der Mensch zum Cyborg und unsterblich wird. Er glaubt vielmehr an die Musk-Version: Computer werden die Menschen in jeder Hinsicht überholen. Schmidhuber allerdings alarmiert das nicht – er freut sich darauf.

          Schon eine Katze lässt sich schwer kodieren

          Schmidhubers Karriere zeigt, warum diese Stimmen in der KI-Forschung lauter werden. Vor kurzem hatte im Silicon Valley noch niemand etwas von dem Deutschen gehört, der schon seit 1995 wissenschaftlicher Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz IDSIA ist, plötzlich schafft er es auf die Titelseite der „New York Times“ mit der Zeile: „Wenn KI heranwächst, wird es Jürgen Schmidhuber ‚Papa‘ nennen.“

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