Home
http://www.faz.net/-gsf-72zz8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Krieg mit Drohnen Das Gesicht unserer Gegner von morgen

Wir stehen vor einem Wettrüsten für einen Krieg autonomer Roboter. Noch entscheiden Menschen und nicht Drohnen über Leben und Tod. Doch die Debatte darüber, was Maschinen können sollen, muss geführt werden, bevor der Fortschritt den letzten Rest Humanität kassiert.

© Warner Brothers Vergrößern Im Film „Matrix“ heißen die Drohnen „Sentinels“. Ihre Aufgabe ist das Suchen und Zerstören, tausendfach.

Schon seit der Frühzeit widmet der Mensch einen beachtlichen Teil seiner Energie, Resourcen und Intelligenz der kriegerischen Auseinandersetzung. Trotz aller komplexen Waffen, Reittiere, Panzer, Flugzeuge und Interkontinentalraketen ist der bewaffnete Kampf ein Konflikt zwischen Menschen - bisher. Nun rollt auch beim Krieg, wie überall sonst, die Automatisierungswelle. Die militärische Auseinandersetzung und auch ihre kleine Schwester, die flächendeckende Überwachung im Namen der Sicherheit, werden immer stärker von Maschinen und Algorithmen dominiert.

Autonome Systeme, die in ihren Entscheidungen immer weniger auf den Menschen angewiesen sind, werden zum Rückgrat zukünftiger militärischer Auseinandersetzungen. Die Restkriege in Afghanistan und Irak, die neuen Konflikte in Afrika und eine Reihe von wenig bekannten Kampfeinsätzen auf anderen Kontinenten werden zum großen Teil aus der Luft mit ferngesteuerten Drohnen geführt, die nicht nur Kameras, Sensoren und Funküberwachungsinstrumente tragen, sondern auch mit Raketen bewaffnet sind.

Mehr zum Thema

In den Planungen der Militärs, auch der Bundeswehr, nehmen Roboter-Kampfmaschinen einen immer größeren Raum ein. Die Produktions- und Betriebskosten sind vergleichsweise niedrig, es muss schließlich keine Rücksicht auf die Bedürfnisse von Piloten oder Fahrern genommen werden. Und die Vorgesetzten müssen sich nicht per Funk mit einem Piloten auseinandersetzen, der eine eigene Wahrnehmung der Gefechtslage hat, der einen Befehl missinterpretiert, ignoriert oder nicht befolgt.

Fatale Irrtümer sind an der Tagesordnung

Der neue Pilot sitzt im Zweifel, nur schräg über den Flur, an der Drohnen-Kontrollkonsole. Die Ausbildung der Drohnen-Fernsteuerer ist wesentlich preiswerter und kürzer als die eines Jetpiloten. Sie können abends nach Hause gehen und den Krieg im ganz normalen Schichtdienst absolvieren. Die Auswirkungen dieser digital vermittelten Distanz zum Krieg auf die Psyche der Soldaten werden erst allmählich sichtbar.

Schon seit einiger Zeit können Computer Flugzeuge fliegen, auch bei hohen Geschwindigkeiten und unter komplizierten Bedingungen. Jedes Passagierflugzeug verfügt über einen Autopiloten, der das Flugzeug von Start bis Landung fliegen könnte. Nur noch die Flugroute wird programmiert. Drohnen werden heute in der Regel genauso gesteuert: Es werden Wegpunkte vorgegeben und angeflogen und Verweilschleifen über Ziele festgelegt, die beobachtet und schließlich beschossen werden sollen. Je nach Situation kann auch noch direkt gesteuert werden, jedoch mit einer durch die Satellitenverbindung bedingten Zeitverzögerung im Sekundenbereich.

Drohne © dpa Vergrößern „Predator“-Drohne des amerikanischen Militärs

Die Frage, gegen welche Ziele die roboterisierten Waffen gerichtet werden und nach welchen Kriterien entschieden wird, ist das Zentrum der derzeitigen Drohnen-Diskussion. Es ist schließlich niemand vor Ort, die Realität wird über Tausende Kilometer hinweg durch Sensoren und Kameras wahrgenommen. Fatale Irrtümer sind an der Tagesordnung, auch die besten Prozeduren und Vorschriften können sie nicht verhindern.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Datenanalysesysteme Aus Big wird Smart

Eine lokale Datenauswertung ist wesentlich günstiger und schneller als die bisherige Big-Data-Analyse. In mehreren Branchen sind Smart-Data-Anwendungen die Zukunft. Mehr Von Peter Welchering

18.10.2014, 12:00 Uhr | Technik-Motor
Von der Leyen entscheidet sich für Kampfdrohnen

Die Bundeswehr soll nach dem Willen der Verteidigungsministerin bewaffnete Drohnen erhalten. Diese sollen aber nur mit Zustimmung des Parlaments eingesetzt werden dürfen. Mehr

02.07.2014, 15:43 Uhr | Politik
Airbus A400M Frankreich freut sich, Deutschland krittelt herum

Demnächst soll auch die Bundeswehr ihren ersten A400M bekommen. Ein Besuch auf dem Luftwaffenstützpunkt Orléans gewährt Einblicke in eine Hightech-Welt, die noch nicht alles kann, was versprochen wurde. Mehr Von Christian Schubert, Orléans

17.10.2014, 08:36 Uhr | Wirtschaft
Siebträgermaschine Vesuvius Ein halbes Jahr für den Espressokönig

Siebträger-Maschinen sind unverzichtbar für guten Espresso. Wie schmeckt er aus dem Topmodell Vesuvius? Mehr

21.10.2014, 13:47 Uhr | Technik-Motor
Hamburger Zukunftscamp Es reicht nicht mehr für alle

Welche Entwicklungen für Leben und Arbeit bringen die nächsten hundert Jahre? In einem Hamburger Zukunftscamp entwarfen Experten Prognosen, die äußerst unterschiedlich ausfielen. Mehr Von Stefan Schulz

13.10.2014, 17:30 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.09.2012, 16:42 Uhr

Platinveredelt?

Von Felix-Emeric Tota

Die Plattenmillionäre sterben aus, die Musikindustrie hat den Blues. Der Mainstream verkauft sich zwar noch, meist aber nur für kleines Geld. Oder es wird gleich umsonst gehört. Schlechte Zeiten also für den Musikerwandschmuck in Platin. Mehr 1