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„Echo“-Kommentar : Schaden begrenzt, Achtung verloren

Aus und vorbei: Den „Echo“ wird so schnell niemand mehr in den Händen halten. Bild: dpa

Die Abschaffung des Musikpreises „Echo“ ist richtig – aber das Problem, das zu ihr führte, viel weitreichender als der befürchtete „Schaden an der Marke“.

          Bevor jetzt noch wochenlang kleckerweise weitere Künstler aus Protest ihre Auszeichnungen zurückgeben, musste der Bundesverband der deutschen Musikindustrie handeln – und verkündete am Mittwoch, dass der „Echo“ abgeschafft wird. Das ist in erster Linie keine moralische Entscheidung, sondern, so geht es aus der Pressemitteilung auch klar hervor, eine Schadensbegrenzung: Die „Marke Echo“ sei zu stark beschädigt worden, heißt es dort.

          Besser wäre es gewesen, wenn die beiden Rapper, die den Eklat auslösten und nun wirklich oft genug genannt und zitiert worden sind, gar nicht erst nominiert, geschweige denn ausgezeichnet worden wären. Immerhin wird in der Mitteilung bedauert, dass man „das um den diesjährigen ECHO herum Geschehene“ nicht mehr rückgängig machen könne.

          Noch besser aber wäre es – und das ist vielleicht der wichtigste Effekt der Debatte um einen künstlerisch ziemlich bedeutungslosen Branchenpreis –, wenn über den Schaden, der durch Worte angerichtet werden kann, auch wenn sie im Kontext eines Kunstprodukts stehen, nicht nur dann geredet wird, wenn diese Worte in Konflikt mit Institutionen geraten. Insofern kann man den eigentlich selbstverständlichen Wunsch, dass der Musikpreis, wie auch immer er in Zukunft heißen mag, auf keinen Fall zur „Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung“ werden soll, einfach ausweiten und sagen: Das gilt auch schon für die Songs an sich, mithin auch für Plattenfirmen, Streamingdienste, Videoportale, Konzertveranstalter.

          Die „gesellschaftlich notwendige Debatte über Kunstfreiheit und ihre Grenzen“, die der Musikverband nun bei einem Workshop zur Neugestaltung des Preises im Juni „mitgestalten will“, ist eben das: gesellschaftlich notwendig, das heißt, sie muss nicht nur angesichts eines zweifelhaften Trashfernseh-Events geführt werden, sondern dauerhaft mit und unter allen, die mit den betreffenden „Kunstprodukten“ zu tun haben, besonders in der Jugendkultur. Die Auseinandersetzung mit „Battle Rap“, mit Genrekonventionen des HipHop mag dabei ein Teilaspekt sein, der gerade besonders im Vordergrund steht, aber brisante Fragen stellen sich längst nicht nur angesichts dieser Musikform – das wird auch die Jury, die in Zukunft auch in der Popmusik-Sparte des zu reformierenden Preises urteilen soll, noch merken. Eine bloße Umbenennung des Preises wird das Problem jedenfalls nicht lösen.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

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