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Klimaforschung Es wird wärmer, wie gut

Warme Zeiten sind glückliche Zeiten. Das ist die These von Josef H. Reichholfs spektakulärem Buch „Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends“. Julia Voss und Claudius Seidl haben sich mit dem Biologen und Klimahistoriker über die Vorzüge warmer Klimaphasen unterhalten.

© dpa Vergrößern Ein Eisblock, der vom Upsala-Gletscher abgebrochen ist, schwimmt auf dem Argentina-See in Patagonien

Warme Zeiten sind glückliche Zeiten. Das ist die These von Josef H. Reichholfs spektakulärem Buch „Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends“. Ein Gespräch mit dem Biologen und Klimahistoriker über die Vorzüge warmer Klimaphasen.

Herr Professor Reichholf, erinnern Sie sich an einen April, der so warm wie der April 2007 war?

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Fast so warm war es 1989; da schrieb ich „Das Rätsel der Menschwerdung“ und ärgerte mich, dass ich bei dem herrlichen Wetter an der Schreibmaschine sitzen musste. 1976 gab es vom Frühjahr bis weit in den Sommer eine große Trockenheit. In manchen Städten war das Autowaschen verboten. Das scheint aber in Vergessenheit geraten zu sein.

Reichholf 01 © dpa picture-alliance Vergrößern „Europa allein wird das Klima nicht retten”: der Biologe Josef H. Reichholf

Kann es sein, dass unser Gedächtnis für Temperaturen besonders schlecht entwickelt ist?

Offenbar; denn die meisten Menschen hängen ja am Wetterbericht, als ginge es um ihr Leben. Ich erkläre mir das so, dass wir Menschen ständig mit dem Problem konfrontiert sind, unsere Vorzugstemperatur erst herstellen zu müssen. Wir sind ja tropische Wesen, wir müssen ständig nachheizen, damit unter unserer Kleidung 27 Grad Celsius herrschen. Das ist nämlich unser sogenannter Thermo-Neutralpunkt - die Temperatur, bei der wir genauso viel Wärme abstrahlen, wie der Körper produziert.

Die Differenz ist die Bedingung für Kultur? Es ist zu kühl, also fangen wir an, die Äcker zu pflügen und Kathedralen zu bauen?

Körperliche Betätigung erzeugt Wärme. Unter tropischen Bedingungen möchte man dösen und eine lange Siesta machen.

Das hieße, dass kühle Zeiten fruchtbare Zeiten sind. In Ihrem Buch „Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends“ sagen Sie: Warme Zeiten sind glückliche Zeiten; und dass wir uns vor der Erwärmung nicht fürchten müssten.

Das ist richtig. Aber dass global tropische Verhältnisse herrschen, das werden wir mit Sicherheit nicht erleben. Selbst die schlimmsten Prognosen besagen ja, dass der stärkste Wandel in den polnahen Regionen kommt. Wenn es in Sibirien aber statt 20 Grad minus nur noch 15 Grad minus hat, bleibt es auch noch recht kalt. Nur wenn es so heiß würde, dass arbeiten keinen Spaß mehr machte, müssten wir uns sorgen. Wir streben allerdings nach solchen Zeiten, wir nennen sie Urlaub. Der Mensch fährt in den Süden, um sich zu erholen; das scheint ein uraltes Bedürfnis unserer Körper zu sein.

Was verändert sich, wenn es wärmer wird?

Es verschieben sich nicht bloß die Klimazonen. Auch die Niederschläge verändern sich. Ein gutes Beispiel: „Ceterum censeo“. Warum musste eigentlich Karthago zerstört werden?

Weil es Roms schärfster Konkurrent um die Macht war?

Ich würde tiefer gehen. Das Hinterland Karthagos war die Kornkammer, weil es damals, in einer Warmzeit, in Nordafrika viel mehr geregnet hat. Für die Römer war der Besitz dieser Ressourcen weitaus wichtiger als die Frage, ob eine lokale Seehandelsmacht die römischen Weltreichsansprüche stört oder nicht . . .

Rom musste Karthago zerstören, weil es in Afrika regnete? Woher wissen wir so etwas?

Das wird zurzeit an den subfossilen Wasservorräten in der Sahara untersucht. Es gibt auch sogenannte rezente Fossilien, erhalten gebliebene, aber noch nicht fossilierte Tierreste, die zeigen, dass Nordafrika zeitweise recht fruchtbar war. Das beste Beispiel bieten die Felszeichnungen von Tieren in den Gebirgen mitten in der Sahara, wo rundherum nur noch Sandwüste ist. Keine Giraffe, kein Nilpferd könnten da heute überleben.

Woher wissen wir, was wir über Klimageschichte wissen?

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