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Kino : Spielbergs trübe Quellen

  • -Aktualisiert am

Filmszene aus „Munich” Bild: AP

Gab Golda Meir die Mordaufträge? Die Vorlage des Spielfilms „Munich“ über das Olympia-Attentat 1972 ist eine Räuberpistole. Zwei israelische Journalisten tadeln Spielberg. Von Yossi Melman und Steven Hartov.

          Letzten Monat versammelten sich führende Vertreter der jüdischen Gemeinde Manhattans zu einer privaten Filmvorführung. Die Einladung ging von Dennis Ross aus, der im Außenministerium der Clinton-Regierung als Beauftragter für den Nahen Osten arbeitete und heute dem Think-Tank „Washington Institute for Near East Policy“ angehört. Seiner Meinung nach ist Steven Spielbergs vielbesprochener Spielfilm „Munich“, der am 23. Dezember in ganz Amerika in die Kinos kam und vom 26. Januar an in Deutschland zu sehen sein wird, gut für die Juden und gut für Israel.

          Ross rühmt sich, den Film entschärft zu haben, so daß Israel und sein Krieg gegen den Terrorismus darin nun in einem positiven Licht erschienen. Er erzählt auch, er habe Spielberg überreden können, eine Szene einzufügen, die ursprünglich nicht vorgesehen war: einen Monolog der Mutter Avners, des zerrissenen Protagonisten des Films und Anführers des Mossad-Scharfschützenteams. Der Monolog der von der ehrwürdigen israelischen Schauspielerin Gila Almagor gespielten Figur mag zur Rührung des Publikums erdacht sein, doch manchen erscheint er als reiner Kitsch. Die Mutter versucht ihren Sohn davon abzuhalten, Israel zu verlassen, und hält ihm eine Predigt über den Holocaust, das jüdische Volk, historische Vergeltung und so weiter. Dieser pädagogische Monolog soll ein Gegengewicht zu palästinensischen Sprechern bilden, die ständig vom Leiden ihres Volkes reden. Einigen Mitgliedern dieses Volkes geht es so schlecht, daß sie zu den Waffen greifen, Terroristen werden und 1972 bei den Olympischen Spielen in München elf israelische Sportler ermorden.

          Langweilig und eindimensional

          Wir fanden den Film langweilig und eindimensional, doch Spielbergs Sorge wie auch die seines Drehbuchautors, des angesehenen Theaterschriftstellers Tony Kushner, die sich beeilten, den Film zwei Tage vor Weihnachten - gerade noch rechtzeitig für eine Oscar-Nominierung - in die Kinos zu bringen, und auch den Schauspielern verboten, Interviews zu geben, gilt nicht den Besprechungen in den Medien, sondern der politischen Kritik durch Meinungsmacher in Israel und innerhalb der jüdischen Gemeinde Amerikas.

          Mossad-Agenten unterwegs: Szene aus Spielbergs Film

          Das Blut israelischer Geheimagenten und der von ihnen gejagten palästinensischen Terroristen auf dem Pflaster dunkler Gassen in Europa war noch nicht getrocknet, da tat sich 1984 ein junger Israeli namens Yuval Aviv-Abayov mit einem aufstrebenden kanadischen Journalisten namens George Jonas zu einem gemeinsamen Buchprojekt zusammen. Aviv behauptete, ein gerade erst aus dem Dienst ausgeschiedener Mossad-Killer zu sein, der eine Geschichte zu erzählen habe. Und damit begann das Spiel.

          Vergeltung auf Befehl?

          Der Bestseller, der aus dieser Zusammenarbeit hervorging, trug den Titel „Vengeance: The True Story of an Israeli Counter-Terrorist Team“ (in der deutschen Ausgabe: „Die Rache ist unser“) und beschrieb in allen Einzelheiten, wie Israel auf das Massaker von München reagiert hatte. Demnach rief die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir den Mossad-Chef General Zvi Zamir zu sich und gab ihm den Befehl, Vergeltung zu üben und alle an der Aktion direkt oder indirekt beteiligten PLO-Aktivisten zu töten. Aus der Sicht der von Aviv beschriebenen Figur mit Decknamen „Avner“ erzählt, schien die Darstellung des Buches gut zu den Zeitungsberichten über die Liquidierung der an der Ermordung der israelischen Sportler beteiligten Mitglieder des Schwarzen September durch israelische Agenten zu passen. Jedenfalls wurde das Buch zur Grundlage eines erfolgreichen HBO-Films mit dem Titel „Sword of Gideon“.

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