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Karikaturenstreit : Zu Besuch bei Abu Laban

Imam Abu Laban in der größten Moschee Dänemarks Bild: AP

Am Anfang war das Dossier. Der dänische Imam Abu Laban hatte eine Delegation damit zu einem großen Koran-Gelehrten geschickt. Die Welle der Gewalt hat er nicht gewollt. Ein Bericht aus dem Herzen des Karikaturenstreits.

          Im Land des Propheten wohnt der Imam am Rande des Gewerbegebiets. Dorthevajg 45. Es ist eine zugige Ecke, links Wohnblöcke, die Straße runter Baustoffhöfe und Autoverwerter. Um das „Zentrum für Integration“, das Abu Laban leitet, fegt der Wind. Die Moschee im Hinterhof erkennt man von außen nicht als Gotteshaus. Der gelbe Klinkerbau war einmal ein Weinlager. Am Eingang gibt es drei Klingeln, kein Namensschild, die Tür ist angelehnt. Abu Labans Kontor ist im ersten Stock des Vorderhauses, ein paar bärtige junge Männer führen uns zu einem Besprechungsraum.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Abu Laban empfängt nebenan eine Studentengruppe. In unserem Zimmer warten zwei junge Leute aus Sri Lanka. Bei ihnen gab es erst kürzlich die erste Demonstration gegen die Mohammed-Karikaturen; friedlich, wie sie betonen. Jetzt wollen sie von dem berühmten Imam aus Kopenhagen wissen, was es mit den Karikaturen auf sich hat. Abu Labans Protest hat die Welt umrundet. 150.000 Exemplare Auflage hat die dänische „Jyllands-Posten“, jetzt ist sie die berühmteste Zeitung der Welt.

          „ Wir wollen einen intellektuellen Diskurs“

          Abu Laban ist ein untersetzter Mann, sein Blick ist freundlich, sein Händedruck fest. Der Einundsechzigjährige ist stolzer Vater von fünf Töchtern und zwei Söhnen, und er ist zum ersten Mal Großvater geworden. Geboren wurde er 1946 in Palästina, kurz vor der Gründung Israels, seine Frau stammt aus Damaskus. Aufgewachsen in Ägypten, hat er als Ingenieur für eine Ölfirma gearbeitet, Prediger war er zunächst nebenbei. 1984, da war er Imam in Nigeria, fragten ihn Freunde, ob er nach Dänemark kommen wolle. Die Gemeinde in Kopenhagen brauchte einen Imam. Abu Laban kam, predigte und kümmerte sich, wie er sagt, um die Integration seiner Leute. „Wir sind dänische Staatsbürger“, sagt er immer wieder. „Ich bin froh, daß ich in einer Demokratie lebe.“ In einer Demokratie, in der Meinungsfreiheit herrscht, wie in fast keinem arabischen Land.

          Die Demokratie, die Meinungsfreiheit, der sich Abu Laban erfreut, hat Grenzen. Sie endet, wo die Beleidigung des Islams und erst recht die des Propheten beginnt. Die beiden jungen Leute aus Sri Lanka bekommen das schnell zu spüren. Sie haben darauf hingewiesen, daß es Stimmen gebe, die ihn, Abu Laban, für die Gewalt in der arabischen Welt verantwortlich machten, die bei den Protesten gegen die Karikaturen mehr als hundert Tote forderte, die meisten davon in Nigeria. Ob sie ihn beleidigen wollten? „Wir verdammen die Gewalt, wir sind froh, daß es in Dänemark und in Europa keine gewalttätigen Proteste gibt. Botschaften zu erstürmen, das ist nicht unser Ziel. Wir wollen einen intellektuellen Diskurs. Die Regierung muß mit uns reden. Wir lassen uns nicht länger wie Kindergartenkinder behandeln.“ Der eben noch gemütlich scheinende Imam ist aus der Haut gefahren.

          Dies ist viel, viel schlimmer

          Im Kopenhagener Regierungsviertel, in einem Tagungshaus des Außenministeriums am Hafen, wird am nächsten Morgen auch gepredigt. In dem ehemaligen Speichergebäude an der Strandgade 27b mit Blick aufs Wasser hat Tareq al Suweidan, Chef des in Kuweit ansässigen Satellitensenders „Al Resalah“ (Die Botschaft), seinen Auftritt. Die Botschaft für heute lautet: Ihr habt die ganze muslimische Welt beleidigt. Ihr habt den Glauben von anderthalb Milliarden Menschen in den Dreck gezogen. Ihr habt euch am Propheten vergangen. Hättet ihr meine Mutter beleidigt, wäre das schlimm. Doch dies ist viel, viel schlimmer. Eure Regierung hat versagt. Tut etwas dagegen. Wir erwarten eine offizielle Entschuldigung eures Premierministers. Sonst wird der Boykott niemals enden.

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