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Kandidatenshow Hollands nächste Superniere

30.05.2007 ·  Die Idee klingt so widerlich, dass sie nur aus dem holländischen Fernsehen stammen kann: Drei nierenkranke Patienten sollen vor laufender Kamera um eine Spenderniere kämpfen, die eine sterbende Frau ausgelobt hat.

Von Heinrich Wefing
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Die Idee klingt so widerlich, dass sie nur aus dem holländischen Fernsehen stammen kann. Im Jugendsender BNN sollen am kommenden Freitag drei nierenkranke Patienten vor laufender Kamera um eine Spenderniere kämpfen, die eine sterbende Frau ausgelobt hat. Derjenige der drei jungen Kandidaten, der die Sympathie der siebenunddreißigjährigen Lisa, der Spenderin, gewinnt, bekommt das begehrte Organ. Produziert wird die „Große Spendershow“ von der Firma Endemol, der die Welt bereits „Big Brother“ verdankt.

Natürlich ist man versucht, in dem bizarren Wettstreit so etwas wie die konsequente Fortsetzung von Castingshows wie „Germany’s Next Top Model“ oder „American Idol“ zu sehen. Nur dass eben statt eines Cabrios oder eines Plattenvertrags ein Organ winkt: Hollands nächste Superniere. Tatsächlich jedoch kommt das Medium Fernsehen mit dem Transplantationsspektakel seinem klassischen Vorbild, dem ekstatischen Blutopfer, so nahe wie nie zuvor. Ein Ringen vor Millionen Gaffern, buchstäblich um Leben und Tod, ausgefochten um ein Stück Fleisch, das für den Sieger so etwas wie die medizinische Wiedergeburt verspricht.

Per SMS werden die Zuschauer mitabstimmen dürfen, in welchen Körper die leibliche Trophäe nach Lisas Tod wandern soll, bequem von zu Hause, vom Sofa aus. Wir sehen schon die Bilder der verzweifelt grinsenden Nierenpatienten vor uns, die kurz vor der Schlussabstimmung mit lustigen Gesten ihre Startnummern in die Kamera fuchteln werden: bitte, bitte, die Niere für Nummer zwei!

Keine strukturelle Lösung? Ist das alles?

Selbstredend hat die Ankündigung des neuen Formats ein heftiges Gequatsche in der holländischen Öffentlichkeit ausgelöst. Aber dessen bisheriger Verlauf ist so abstoßend wie die Spielidee selbst. Ein sozialdemokratischer Politiker findet die Show natürlich ethisch anfechtbar, mag sie aber um Himmels willen nicht verbieten lassen. Die Fernsehleute heucheln munter, sie wollten mit der Show auch an den früheren Senderchef Bart de Graff erinnern, der vor fünf Jahren an Nierenversagen gestorben war, bevor ein Spenderorgan für ihn zur Verfügung stand. Und überhaupt täten sie doch Gutes, schließlich hätten die Kandidaten der Sendung doch eine deutlich höhere Chance, eine Niere zu bekommen, als alle Patienten, die auf einer Warteliste stünden.

Tatsächlich jubelt sogar der Direktor der niederländischen Nierenstiftung, es sei „großartig“, dass sich das Fernsehen des akuten Mangels an Spenderorganen annehme. Nur die Art und Weise, wie BNN das tue, biete keine „strukturelle Lösung“ des Problems. Keine strukturelle Lösung? Was ist nur aus dem eigentlich selbstverständlichen Gebot geworden, sich nicht öffentlich an Not und Krankheit anderer Menschen zu weiden?

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