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Politisch korrekte Sprache : Justin Trudeau weiß, was Frauen sagen sollen

Justin Trudeau beim Town-Hall-Meeting. Bild: Reuters

Bei einer Bürgerversammlung ist Kanadas Regierungschef Justin Trudeau einer jungen Frau über den Mund gefahren. Natürlich nur in bester Absicht: Ihre Wortwahl war Justin Trudeau nicht genderneutral und „inklusiv“ genug.

          Wenn ein Mann es mal wieder besser wissen will als eine Frau und deren Worte mit verbalem Dominanzgebaren in Gorillamanier planiert, heißt das neudeutsch Mansplaining. Die amerikanische Schriftstellerin Rebecca Solnit hat den Begriff vor ein paar Jahren mit ihrem Essay „Men Explain Things to Me“ verbreitet. Noch viel bekannter dürfte ihn gerade Justin Trudeau, selbsternannter Musterpolitiker der Gleichberechtigung, Diversität und Sprachgerechtigkeit, gemacht haben.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Auf einer Bürgerveranstaltung musste der kanadische Premierminister an die Frau bringen, dass diese sich anders auszudrücken habe. Eine Kanadierin hatte, etwas religiös verstiegen, die Bedeutung mütterlicher Liebe betont. Was sie sagte, war nicht weiter von Belang, ihre Wortwahl schon. Sie hatte den Begriff „mankind“ verwendet. Der steht zwar genderneutral für das Menschengeschlecht in Gänze, enthält aber das verdächtige Wort „man“.

          „Wir sagen lieber ,peoplekind‘ als ,mankind‘“

          Mann o Mann, dachte wohl Trudeau und wies die junge Frau zurecht: „Wir sagen lieber ,peoplekind‘ als ,mankind‘, weil es inklusiver ist.“ Und die Ermahnte nickte und bedankte sich brav für die Belehrung. Das ergab den schönsten Widerspruch aus vermeintlich egalitärer Sprechweise und dominanter Verhaltensweise: erfolgreiche maskuline Neusprech-Einrede, die jedem Sprachhistoriker die Haare zu Berge stehen lässt.

          Das englische „man“ kam nämlich als sprachliches Neutrum zur Welt, das alle Menschen meint, und wanderte so in „mankind“. Die Sache mit den Männern kam später. Und so war Trudeaus Wortschöpfung, Neologismus gewordenes Mansplaining, ein gefundenes Fressen für alle Gegner politisch korrekter Wortwahl.

          Mit „people“ ist es allerdings auch so eine Sache. Der schicke anglo-französische Ersatz für „folk“ ist zwar eigentlich weit genug weg vom kontaminierten deutschen „Volk“, meint aber auch dieses, nicht nur irgendwelche Leute und ist selbst auch populistisch belastet. Doch Trudeau hängt ja ein freundlich-familiäres „kind“ an, und schon werden alle Menschen Brüder.

          Nein – Geschwister! So würde die EU-Hymne wohl in Kanada umgedichtet. Vielleicht sollte Herr Trudeau in Zukunft einfach etwas entspannter auch ihm verdächtig erscheinende, aber unverdächtige Worte inkludieren und keine Bürgerinnen mehr öffentlich belehren. (Inzwischen will er sein „peoplekind“ nur als „schlechten Scherz“ begriffen wissen). Und falls Trudeau an seinem Wortschatz weiter arbeiten will - wir halten da ein prima deutsches Wort als potentiellen Exportkandidaten bereit: Menschheit.

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