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Kampf um die Frauenquote : Warum klappt das mit den Frauenrechten nicht?

  • -Aktualisiert am

Es geht um einen großen kulturellen Wandel: Tina Mendelsohn Bild: Marcus Kaufhold

Im Kampf um die Quote geht es um ein Grundrecht. Das Dumme ist, dass wir Frauen nicht wirklich zusammenhalten. Ein Plädoyer für eine konzertierte Aktion.

          In den sechziger Jahren, der Zeit der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten, verstieg sich die Neuamerikanerin Hannah Arendt (für kurze Zeit) zu der These, die Schwarzen sollten nicht die gleichen Rechte in der Gesellschaft für sich beanspruchen. Die Gesellschaft müsse sich verbessern, bevor sie es wert sei, dass Minderheiten in ihr als vollberechtigtes Mitglied erscheinen. So ähnlich argumentieren einige Kulturfrauen eines Frauen-Netzwerks, das sich gerade traf. Man sei gegen eine Frauenquote, weil - wir uns nicht in die „männlich-kapitalistischen“ Niederungen begeben dürften.

          Viele Kritiker der Quote meinen, es drehe sich alles um Macht. Dabei geht es um ein ziviles Projekt, um Gerechtigkeit, um die Umsetzung von Grundrechten im Alltag. Die Quotenbewegung ist die Bürgerrechtsbewegung unserer Zeit. Hannah Arendt sah nicht nur die Gesellschaft kritisch, sondern auch die unterdrückten Minderheiten. In ihren historischen Analysen findet sie bei den Opfern Verhaltensweisen, die man annimmt, um durch- und doch nach oben zu kommen. Vielleicht müssten sich das auch die Frauen fragen.

          Mütter zu Müttern

          Warum sind gerade in Deutschland die Strukturen, die Frauen zurückhalten, so stark? Weil die deutschen Männer so böse sind? Oder wir alle so konservativ? Wegen der Mütter-Lobby? Meine Antwort: weil Deutschland und auch die deutsche Frauenbewegung stark zu Homogenität neigt. Alle müssen gleich ticken, sonst raus mit dir. Mütter zu Müttern, Kinderlose unter sich, die neue F-Klasse spricht lieber mit sich selbst und nicht mit Alice Schwarzer. Verändert sich da gerade etwas im neuen Frühling der Frauenbewegung? In der Netzwerkgruppe sprachen Mütter mit Kinderlosen, Junge mit Älteren, coole Künstlerinnen mit teuer gekleideten Karrierefrauen. Einig ist man sich, die Welt aus den bisherigen Angeln zu heben. Nur wie?

          Lasst uns praktisch werden. Man könnte sich anschauen, schlug ich vor, wie es Frauen machen, die Verantwortung tragen. Maggie Thatcher, Angela Merkel, Hillary Clinton oder Frauen in Führungspositionen. Aber dass Frauen in Sachen Macht in die Lehre gehen könnten, auch darüber wurde nicht weiter gesprochen. Ich erinnerte an den ersten Wahlkampf Barack Obamas, als die Zeitungskolumnistinnen die schlimmsten Kritiker Hillary Clintons waren. Für viele dieser Journalistinnen schien es viel bedeutsamer, einen Schwarzen zum Präsidenten zu küren, als die erste Präsidentin zu haben.

          Frauenfreundliche Diktaturen

          Die Frauenfrage durfte nicht in Konkurrenz treten mit der Bürgerrechtsbewegung. Sie hatte sich hinten anzustellen. Eine Teilnehmerin des Frauennetzwerks fand das verständlich, sie wolle Frauen kritisieren dürfen. So weit gehe ihre Solidarität nicht. Sie fragte mich: „Wählst du etwa Angela Merkel, weil sie eine Frau ist?“ Ich antwortete, dass es ja mit Sicherheit auch linke Frauen gegeben habe, die Merkel ihre Stimme gaben. Kopfschütteln. Wie wichtig ist für uns Frauen die Frauenfrage eigentlich? Wir sind da unentschieden. Es gibt andere weibliche Identitäten, auf die wir uns im Zweifel zurückziehen konnten: Mutter, Religion, Hautfarbe, politische Haltungen oder, und auch darüber reden wir ungern, unsere jeweilige gesellschaftliche Klasse.

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