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Jugendkriminalität : Wir Richter sind auch nur Menschen

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Reporter vorm Gerichtssaal: Richter sind beeinflussbar Bild: ddp

Im Moment, da es um Jugendkriminalität geht, richtet sich das Interesse auf die Justiz. Eine Befragung von 447 Richtern und 271 Staatsanwälten zeigt, wie groß der Einfluss der Medien ist.

          Seit den Tagen des alten Pitaval ist die Gerichtsreportage so etwas wie eine literarische Form geworden. Das ist freilich über zweihundert Jahre her, und es hat lange gedauert, bis die regelmäßige journalistische Beobachtung der Strafjustiz in den Medien Einzug hielt. In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stehen bekannte Namen für dieses Genre: Kurt Tucholsky, Paul Schlesinger, später Herrmann Mostar: Sie machten das Geschehen vor Gericht in reportagehaften Schilderungen für Leser sichtbar - meist nicht zur Freude der Richter und Staatsanwälte.

          Auch heute gehört der Gerichtsbericht zum journalistischen Alltag. Das Interesse an der Strafjustiz hat zugenommen. Gewichtig ist die Gerichtsreportage in überregionalen Tageszeitungen, Hörfunk und Fernsehen, wenn fachlich geschulte Beobachter zeigen, was Maximilian Harden einmal „die prägnanteste Form des Dramas“ genannt hat. Das Bild der Justiz, das hier in immer neuen Facetten entsteht, macht eine Staatsgewalt sichtbar, die für den von ihr Betroffenen, aber auch für das Rechtsempfinden der Allgemeinheit von besonderer Bedeutung ist. Und dennoch agiert sie eher im medialen Abseits - Fernsehaufnahmen sind während der Verhandlung untersagt, und es ist keineswegs einfach, Richtern oder Staatsanwälten so etwas wie ein Statement zu entlocken. Wie aber reagiert die Justiz, wie reagieren die Gerichte auf das Porträt, das die Medien von ihnen zeichnen? Richter sind unabhängig, wie unabhängig sind aber diejenigen, die ständig urteilen müssen, vom Urteil der Öffentlichkeit, die sie beobachtet - vom Medienklima?

          Breit angelegte Befragung

          Diese Frage ist mit den Mitteln der Demoskopie bislang wenig untersucht. Vor knapp zwanzig Jahren wurden in einer Studie Interviews ausgewertet, die auf Basis einer Zufallsauswahl mit Richtern, Staatsanwälten, Ministerialbeamten und Journalisten geführt worden waren (Der Einfluß der Medien auf das Strafverfahren, Beck-Verlag, 1990). Zehn Jahre später wurde diese Befragung mit Hilfe von Studenten der Mainzer Universität erweitert: 66 Akteure der Justiz hatten sich zu ausführlichen Gesprächen bereit erklärt. Im November 2006 wurde das Thema zum Gegenstand einer breit angelegten Befragung von 447 Richtern und 271 Staatsanwälten in fünf Bundesländern - Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Rheinland-Pfalz und Sachsen.

          Aufschlussreich erscheint, dass die Ergebnisse aller drei Untersuchungen auf der gleichen Linie liegen. Mögen sie sich in Einzelheiten unterscheiden, so wird ein Einfluss der Medien weitgehend eingeräumt. In den beiden ersten Befragungen sagten die Richter, dass sie durchaus „bewusst“ von Berichten und Kommentaren Kenntnis nehmen, die ihre Arbeit betreffen: Sie wollen das Medienecho kennen. Einer der Richter sagte in der Tonlage von Karl Popper: „Rechtsfindung ist doch trial and error, also: Auch wir sind bereit, dazuzulernen.“ Die Befragung der Richter und Staatsanwälte zeigt, dass viele die Berichterstattung über ihre Fälle stark beachten. Jeder dritte Richter (37 Prozent) und jeder zweite Staatsanwalt (54 Prozent), verfolgt „gezielt“ die Medienberichterstattung über Strafverfahren, an denen er beteiligt ist.

          Großer Einfluss der Medien

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