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Regisseur der Judenhass-Doku : Mit uns spricht seit sechs Monaten keiner

Gedenken an die „Nakba“ von 1948 in Berlin: Wo endet Unterstützung für Palästinenser und wo beginnt Antisemitismus? Bild: Preview Production GbR/WDR/dpa

Das Erste und Arte zeigen nun doch den Film „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“. Ein Gespräch mit Joachim Schroeder, dem Regisseur der zunächst abgelehnten Arte-Dokumentation.

          Der Film „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, den Sie mit Ihrer Kollegin Sophie Hafner gedreht haben, wird jetzt doch im Fernsehen gezeigt. Arte hat ihn abgelehnt, der WDR auch, nach öffentlicher Kritik läuft er nun im Ersten und wird dort anschließend diskutiert. Auch Arte will ihn nun für das französische Publikum zeigen. Was halten Sie davon?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das ist gut und überfällig. Ein Erfolg für uns, den Film und das Anliegen. Aber nach meinen Informationen versucht der WDR, daraus ein Schautribunal zu machen. Der WDR will den Film kommentiert senden. Die Maischberger-Runde danach hält ihre Gästeliste geheim*. Uns ist lediglich die Einladung von Michael Wolffsohn bekannt.

          Wie hat sich der WDR Ihnen gegenüber in den vergangenen Tagen verhalten? Hat man Sie, Ihre Koautorin oder Ahmad Mansour, der Sie bei dem Film beraten hat, zur anschließenden Talkshow mit Sandra Maischberger, in der ihr Film diskutiert werden soll, eingeladen?

          Seit sechs Monaten sprechen weder der WDR noch Arte mit uns. Stattdessen verbreitet sich der WDR seit zwei Wochen über angebliche Mängel des Films. Einen Fünfzehn-Fragen-Katalog des WDR zum Film mussten wir vergangene Woche binnen drei Tagen beantworten. Auch das blieb unbeantwortet. Ich überlege, den Katalog mit unseren Antworten offenzulegen. Wir haben nichts zu verbergen.

          Hat sich Arte vor seiner Ankündigung, den Film nun doch zu zeigen, noch einmal gemeldet? Oder war der Kontakt zu dem deutsch-französischen Kultursender, dessen Programmchef sagte, Ihr Film entspreche nicht der „editorialen Linie“ des Senders, danach beendet?

          Es gab keinerlei Gespräche, bis heute.

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          Ihnen wird vorgehalten, der Film sei einseitig, nicht „ausgewogen“ genug und bleibe Belege für einige der Vorwürfe schuldig, die Sie verschiedenen Organisationen machen, die zum Boykott Israels aufrufen. Sie wiederum bemängeln insbesondere, dass die EU Geld an Organisationen gibt, die sich für die Palästinenser und gegen Israel einsetzen. Da könnte man zunächst einmal sagen: Was ist daran falsch – solange diese Organisationen nicht antisemitisch sind und Judenhass schüren?

          Natürlich konzentrieren wir uns ausschließlich auf politische Projekte, die laut NGO Monitor vielfach israelfeindliche Kampagnen betreiben. Belege für unsere Vorwürfe existieren selbstverständlich. Sie sind veröffentlicht und zugänglich. Wir haben uns auf die Skandale konzentriert – und nicht auf die positiven Auswirkungen von Hilfsarbeit. Wir stellen im Film die von unseren Steuergeldern finanzierte antizionistische Begleitmusik vor Ort dar. Wenn über Flugzeugunglücke berichtet wird, dann verlangt auch niemand, dass man gleichzeitig die vielen geglückten Landungen erwähnt.

          Sie machen auch kirchlichen Organisationen den Vorwurf, unter dem Anspruch, für die Palästinenser einzutreten, verdeckten Antisemitismus zu unterstützen. Da geht es unter anderem um eine Initiative von Brot für die Welt ...

          Brot für die Welt wird in dem Film als Geldgeber für die israelische NGO B’Tselem genannt. Unlängst geriet die Vereinigung in die Kritik, weil einer ihrer Aktivisten dem amerikanisch-israelischen Publizisten Tuvia Tenenbom vor laufender Kamera sagte, der Holocaust sei „eine Lüge“ und „eine Erfindung der Juden“. B’Tselem dementierte die Äußerung zunächst, dann erfolgte eine halbherzige Distanzierung und schließlich die Ankündigung, sich von dem Mitarbeiter zu trennen.

          Gibt es dafür einen Beleg?

          Das Gespräch zwischen dem B’Tselem-Mitarbeiter und Tuvia Tenenbom wurde gefilmt und ist öffentlich zugänglich. Die Szene wurde bereits auf ausländischen Nachrichtensendern gezeigt. Nicht in Deutschland.

          Sie kritisieren auch die UN-Organsiation UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, das sich um die palästinensischen Gebiete kümmert. Warum?

          Gaza ist eine Zweiklassengesellschaft. Die Flüchtlinge werden seit Jahrzehnten dort als Faustpfand für westliche Hilfsleistungen in slumartigen Verhältnissen untergebracht. Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich das sah. Das ist menschenunwürdig, und ich habe mich sofort gefragt, wo die vielen Milliarden geblieben sind, die nachweislich aus dem Westen dahin fließen. Das habe ich den Pressesprecher der UNRWA zweimal gefragt. Seine Antwort ist im Film. Die UNRWA wurde 1949 ausschließlich für palästinensische Flüchtlinge gegründet. Und nur bei Palästinensern wird der Flüchtlingsstatus vererbt. Alle anderen Refugees weltweit müssen sich mit dem UNHCR, dem Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, begnügen.

          Sie verweisen darauf, dass die Mehrheit in den Gesellschaften Deutschlands und Frankreichs nicht wahrhaben will, wie sehr jüdische Mitbürger in diesen Ländern inzwischen in Bedrängnis geraten sind. Es gibt doch aber immer wieder Gelegenheiten, bei denen sich Politik und gesellschaftliche Gruppen für das Judentum, für die Erinnerung an den Holocaust und für den Staat Israel einsetzen.

          Die deutsche Erinnerungskultur ist zu einem leeren Ritual verkommen – verbunden mit deutschem Aufarbeitungsstolz. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es fertig zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“ Der Antisemitismus drückt sich heute antizionistisch aus. Der Hass gegen Juden wurde kollektiviert. Israel ist heute der Paria unter den Staaten. Dabei ist es für Antisemiten völlig egal, was der Staat Israel tut – es geht um dessen Existenz.

          Ihr Fazit im Film ist drastisch. Sie führen die zahlreichen islamistisch motivierten Mordanschläge auf Juden in Europa an und kommen zu dem Schluss, dass Juden in Europa heute nicht mehr sicher sind, besonders in Frankreich nicht. Was erwarten Sie vom Mittwochabend im Ersten – mit Ihrem Film, mit der Diskussion, aber – nach jetzigem Stand – ohne Sie?

          An diesem Abend wird der Film viele von der Dringlichkeit des Themas überzeugen. Die Mehrheit der zuschauenden Gebührenzahler wird das verstehen, davon bin ich überzeugt.

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