http://www.faz.net/-gqz-92bii

Macht eines Entertainers : Trump scheitert am Kimmel-Test

  • -Aktualisiert am

Das Gesetz müsse den Jimmy-Kimmel-Test bestehen

Ende April schilderte Kimmel in seiner Sendung die dramatischen Ereignisse in der ersten Woche im Leben seines Sohnes Billy. Billy lebt, weil einige der besten Ärzte des Landes fantastische Arbeit geleistet hatten. Unter Tränen dankte Kimmel jeder Krankenschwester, die dem Jungen nahe gekommen war. Dann wies er darauf hin, dass Trump das Budget für Herzforschung im Gesundheitsministerium streichen will; dass die Republikaner Obamacare ersetzen wollen mit einem Gesetz, das Millionen Eltern zwingen würde, ihr Kind sterben zu lassen, falls sie in einer ähnlichen Situation wie die Kimmels steckten. „Im ersten Jahr nach der Geburt kommen so viele Operationen und Arztbesuche auf uns zu. Wir können uns das nur leisten, weil ich Jimmy Kimmel bin“, sagte er. Ohne Obamacare würde seine Familie nicht mal eine Krankenversicherung bekommen, denn die Versicherer könnten den Sohn wegen einer angeborenen Krankheit ablehnen.

Komiker Jimmy Kimmel in seiner Late-Night-Show mit Barack Obama

Ein Profi wie Kimmel kann mit dem Hass und der Häme umgehen, die die andere Seite über ihn auskübelt. „Oh ja“, sagte er, „Ich bitte die Republikaner vielmals um Entschuldigung, dass ich vorschlage, unser Land solle Kinder krankenversichern“. Es war zu erwarten, dass ein altgedienter Berufslügner wie Newt Gingrich Kimmel als „ahnunglosen Vollidioten“ bezeichnet. Es meldete sich aber auch der republikanische Senator Bill Cassidy, von Beruf Arzt, zu Wort: „Ich werde kein Gesetz unterstützen, dass nicht den Test besteht, den ich ‚Jimmy-Kimmel-Test’ nenne: Können sich die Eltern eines schwerkranken Kindes auf die komplette Versorgung für das erste Jahr verlassen?“

Seitdem dominiert der „Jimmy-Kimmel-Test“ die Diskussion um die Krankenversicherung. Im April und im Mai und im Juni scheiterten die Republikaner mit ihren Gesetzentwürfen, obwohl sie fanden, dass ihre Konzepte den Kimmel-Test bestehen. Die gesamte Gesundheitsindustrie, 88 Prozent der Bevölkerung, 48 Demokraten im Senat und drei Republikaner sowie Kimmel sahen das anders. Als „Jimmy Kimmel Live!“ in die Sommerpause ging, schien die Angelegenheit erledigt.

Die Milliardärsclans warten auf Resultate

Doch Trump will das Gesundheitssystem ruinieren, um die Bevölkerung weiter zu entzweien. Und das halbe Dutzend Milliardärsclans, das die Republikaner durchfinanziert, will endlich Resultate sehen für die großzügigen Spenden. Anfang September kam der so genannte Graham-Cassidy-Bill ans Tageslicht, entwickelt von Bill Cassidy. Eine Monstrosität von einem Gesetzentwurf, grausamer als seine Vorgänger, da waren sich alle einig – außer den Republikanern und ihren Gönnern, den Kochs, Adelsons, Wynns.

Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

Wenn Sie mehr davon lesen wollen, testen Sie die F.A.S. doch einfach als digitale Zeitung. Wie es geht, erfahren Sie hier ...

Mehr erfahren

Zu diesem Zeitpunkt waren Kimmels Late-Night-Shows bereits so etabliert als Sondersendungen zum Gesundheitssystem, seine Expertise so anerkannt bei Publikum und Fachleuten, dass er nur eine Woche seiner Aufklärungsversuche benötigte, bis die Republikaner den Graham-Cassidy-Entwurf als gescheitert erklärten. Er etablierte außerdem in aller Gründlichkeit, welch ein erbärmlicher Wurm von einem Lügner Bill Cassidy ist.

Trump und seine Leute reden bereits davon, dass sie im neuen Jahr Obamacare wieder angreifen wollen. Bis dahin, so verspricht Jimmy Kimmel, wird er Witze reißen über die Kardashians und Hunde und Katzen, die miteinander schmusen.

Weitere Themen

Alles nur Illusion Video-Seite öffnen

Täuschung und Verwirrungen : Alles nur Illusion

Die irreführenden Muster und konfusen Formen und Installationen sind eine große Herausforderung für das Gehirn. Die Aussteller spielen mit den Fiktionen und führen die Wahrnehmung der Besucher ganz schön aufs Glatteis.

Topmeldungen

Nach Maaßen-Beförderung : „Das ist doch irre“

Hans-Georg Maaßens Beförderung vom Verfassungsschutzpräsidenten zum Staatssekretär empört in der SPD nicht nur Sigmar Gabriel. Unter den Genossen formiert sich immer mehr Widerstand – aber auch bei anderen Parteien.

Rededuell vor der Landtagswahl : Der nette Herr Söder

Die SPD steckt im Umfragetief und darf deshalb nicht zum Fernsehduell mit dem bayerischen Ministerpräsidenten. In Nürnberg trifft SPD-Spitzenkandidatin Kohnen doch noch auf Söder – und steht vor einer besonderen Herausforderung.

Trump und Europa : Freund, Feind oder was?

Für Nostalgie ist im transatlantischen Verhältnis kein Platz mehr. Die Amerikaner haben die Nase voll, die Lasten des Westens zu tragen. Auf uns kommt einiges zu.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.