http://www.faz.net/-gqz-87qnf

Jason Buzi im Gespräch : Ein eigenes Land für Flüchtlinge

Hier gebe es für eine Refugee Nation Milliarden Quadratmeter Platz, sagt Jason Buzi: Kalifornien Bild: Imago

Der kalifornische Immobilienmakler Jason Buzi hat eine überraschende Lösung für die Flüchtlingskrise: die Gründung einer eigenen Nation. Ein Gespräch über Geld, Rassisten und humanitäre Ideale.

          Als Immobilienhändler im Silicon Valley wurde der Israeli Jason Buzi, 45, zum Millionär. Schon im vergangenen Jahr wurde er durch eine ungewöhnliche Form der Philanthropie bekannt: Er versteckte Tausende Dollar in mehreren amerikanischen Städten und rief per Twitter zu einer Schatzsuche auf. Seit ein paar Wochen wirbt er für ein neues Projekt.

          Carolin Wiedemann

          Redakteurin im Feuilleton.

          Herr Buzi, die Welt befindet sich mitten in einer immensen Flüchtlingskrise. Experten und Politiker suchen händeringend nach Auswegen. Und da kommen Sie daher, ein Immobilienhändler aus dem Silicon Valley, der bislang nichts mit Migrationsforschung oder Flüchtlingsarbeit am Hut hatte, und sagen: Ich habe die Lösung.

          Ich bin frustriert davon, dass alle klagen, wie schlimm es ist, aber die Politiker keine Alternativen vorschlagen. Wenn man sich andere humanitäre Krisen ansieht, sei es ein Tsunami oder ein Erdbeben, da ist die Weltgemeinschaft schnell handlungsfähig. Im Fall von Ebola etwa haben sich Europa und die Vereinigten Staaten eingesetzt und die Krankheit zügig unter Kontrolle bekommen. Wenn die Welt zusammenkommt, ist es möglich, unglaubliche Dinge zu erreichen. Doch in der Flüchtlingskrise hat niemand überhaupt über Auswege gesprochen. Für mich gibt es aber eine offensichtliche Lösung: Ein eigenes Land für Flüchtlinge.

          Ihre Kritiker finden diese Idee naiv und unrealistisch.

          Warum unrealistisch? Die gegenwärtige Situation ist unerträglich. Neun von zehn Menschen, die fliehen, haben gar keine Chance, in einem stabilen Land Asyl zu beantragen, und selbst wenn sie es bis in die EU schaffen, ist ihr Überleben nicht gesichert. Was wären die Auswege? Entweder die Leute bekommen alle sofort Asyl in unseren Ländern, und zwar so, dass sie als gleichberechtigte Bürger anerkannt werden, oder die Ursachen für Flucht werden gelöst. Beide Optionen sind unwahrscheinlich. In Europa, Australien und den Vereinigten Staaten wächst der rassistische Widerstand gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Gleichzeitig steigt deren Zahl durch die aktuellen Krisen, und die wiederum scheinen immer vertrackter. Es sieht nicht so aus, dass die Leute bald oder überhaupt in ihre Herkunftsländer zurückgehen können. Von all den Auswegen, die es gäbe, ist die Idee eines eigenen Landes für Flüchtlinge am realistischsten. Ich habe sogar schon Nachahmer: Letzte Woche erst hat ein ägyptischer Unternehmer sich ebenfalls für einen eigenen Staat für Flüchtlinge ausgesprochen. Aber ich bin offen für andere Vorschläge – nur sollen die Kritiker bitte schleunigst welche machen.

          Wo sollte so ein neues Land entstehen? Das gesamte globale Territorium gehört doch jeweils irgendjemandem.

          Ja, aber es ist ein großer Irrglaube, dass sämtliche Gebiete auch genutzt würden. Schauen wir uns Kalifornien an: Hier gibt es Milliarden Quadratmeter, die brach liegen. Das Areal für das neue Land ist nicht das Problem.

          In Ihrem Konzeptpapier schlagen Sie unter anderem vor, ein dünn besiedeltes Land zu bitten, einen Teil seiner Gesamtfläche abzugeben. Meinen Sie, die Bewohner wären damit einverstanden?

          Weitere Themen

          Erste Erfolge im Kampf gegen Waldbrände Video-Seite öffnen

          Kalifornien : Erste Erfolge im Kampf gegen Waldbrände

          Der Feuerwehr gelang es, zwei der heftigsten Feuerbrünste einzudämmen. Die Zahl der Toten ist unterdessen auf mindestens 40 Opfer gestiegen. Ein Ende des Großbrands im amerikanischen Westen ist derweil noch nicht abzusehen.

          Entsetzen nach Ermordung von Journalistin Video-Seite öffnen

          Malta : Entsetzen nach Ermordung von Journalistin

          Nach dem Tod der investigativen Bloggerin Daphne Caruana Galizia durch eine Autobombe in Malta vermutet ihre Familie das Motiv für den Anschlag in ihren Recherchen gegen Korruption in dem EU-Land. In der Nacht zu Dienstag versammelten sich auf Malta etwa 3000 Menschen, um der getöteten Journalistin zu gedenken.

          Topmeldungen

          Jamaika-Sondierung : Zwölf Themen, sie zu binden

          Jetzt wird es ernst: Am Nachmittag beginnen die Jamaika-Sondierungen in großer Runde, mit allen Parteien. Die zentralen Punkte für eine Einigung sind identifiziert – von den Bäumen runter sind die Unterhändler deshalb aber noch lange nicht.
          Auf den Zahn gefühlt: Fast alle Parteien leiden unter Phantomschmerzen

          Fraktur : Nervtötende Sondierung

          Die geplante Mesalliance aus Union, FDP und Grünen ist doch im Grunde ein einziger wunder Punkt.
          Ludwig Erhard (1897 bis 1977) sah in der Sozialen Marktwirtschaft nie ein in Stein gemeißeltes Dogma.

          Koalitionsverhandlungen : Mehr Ludwig Erhard wagen

          Schon zehn Jahre nach Einführung der Sozialen Marktwirtschaft forderte der legendäre Wirtschaftsminister Ludwig Erhard eine Weiterentwicklung. Geklappt hat das bis heute nicht. Ein Auftrag für die nächste Regierung!

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.