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Last der Geschichte : Wie das deutsche Schuldgefühl die europäische Ehre rettet

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Zu Hause wurde nur dänisch gesprochen, doch die Schriftstellerin Janne Teller ist das Kind deutsch-österreichischer Eltern. Bild: Anita Schiffer-Fuchs

Ich bin Dänin mit deutsch-österreichischen Eltern. Dass ich als Kind deshalb anders behandelt wurde, habe ich spät verstanden. Und jetzt verstehe ich, was die Last der Geschichte bewirkt hat. Ein Gastbeitrag.

          Bei der Suche nach einer Antwort auf die gegenwärtige Flüchtlingskrise sollten die europäischen Länder auf Deutschland schauen. Nicht wegen der aktuellen Rhetorik und Politik, die weit hinter den Erfordernissen zurückbleibt, aber dennoch weitaus humaner ist als im restlichen Europa, sondern wegen der Gründe, die dahinterstehen: einem tiefen Verständnis für die Lasten, die inhumanes Handeln eines Landes zukünftigen Generationen aufbürdet.

          Als ich aufwuchs, sprachen wir zu Hause ausschließlich dänisch. Das hätte kaum verwundern können, wenn wir ebenso dänisch gewesen wären wie die meisten Familien in unserem Vorort. Aber meine Mutter war in Österreich geboren und aufgewachsen, und der Vater meines Vaters war aus Deutschland eingewandert, so dass wir geradeso gut deutsch hätten sprechen können oder zumindest beide Sprachen nebeneinander. Meine Eltern werden einwenden, sie hätten sich ganz bewusst für Einsprachigkeit entschieden, damit wir vollständig dänisch würden. Ich habe jedoch den Verdacht, dass meine Geschwister und ich zweisprachig aufgewachsen wären, wenn es sich um eine andere Sprache als die deutsche gehandelt hätte - wie es bei meinem Kindheitsfreund und seinem Bruder der Fall war, die aus einer halbfranzösischen Familie kamen, oder bei meiner Klassenkameradin, deren Mutter Engländerin war.

          Die Geschichte wirft lange Schatten. Obwohl Dänemark im Vergleich zum übrigen Europa von den schlimmsten Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs verschont blieb (nicht zuletzt wegen einer dubiosen Politik der Zusammenarbeit zwischen dänischer Regierung und deutschen Besatzern), war in den sechziger und siebziger Jahren, in denen ich aufwuchs, die Feindseligkeit gegenüber dem bloßen Gedanken des „Deutschtums“ in der dänischen Gesellschaft noch tief verwurzelt. Das wurde nicht ausgesprochen, und ich bezweifle, dass es den Menschen sonderlich bewusst war. Es lag einfach in der Luft. Wenn meine Klassenkameraden mich necken wollten, griffen sie besonders gern zu dem Ausdruck „Tyskertøs“ (Deutschenflittchen) - ähnlich dem heutigen „Perker“ als pejorativen Ausdruck für Araber oder Muslime.

          Eine unsichtbare Wand

          Später im Gymnasium und an der Universität wurde Deutschland meist ignoriert oder mit einer endlosen, langweiligen Fahrt über Autobahnen in Richtung des eigentlichen Europas assoziiert. „Deutschland untertunneln“ wurde zu einer nicht sonderlich freundlichen Bezeichnung für den Wunsch, diese nächtelange Tortur zu verkürzen, und auch ich benutzte diese Wendung, ohne über die Vorurteile nachzudenken, die darin enthalten sein mochten. Nicht viele empfanden tatsächlich Feindseligkeit gegenüber Deutschland. Das Land interessierte einfach niemanden. Nicht einmal den großen Philosophen, Schriftstellern, Komponisten oder Erfindern schenkte man sonderliche Beachtung, sofern man sie nicht gerade studierte. Und wenn doch, dachte man dabei in der Regel nicht an ihre Nationalität. Meine österreichisch-deutsche Herkunft behielt ich in aller Regel für mich.

          Erst als ich 1988, mit 23 Jahren und einem gerade erworbenen Master in Makroökonomie, zusammen mit zahlreichen anderen jungen Europäern als Praktikantin bei der EU-Kommission in Brüssel arbeitete, wurden mir die aus der nationalen Geschichte herrührenden Unterschiede in Selbstwahrnehmung und damit auch Auftreten auf den Fluren und Korridoren stärker bewusst. Niemand, wirklich niemand, dem ich begegnete, hätte auch nur eine Minute daran gedacht, die jüngere deutsche Generation für die Untaten ihrer Großeltern verantwortlich zu machen. Aber es war, als gäbe es da eine unsichtbare Wand, die dafür sorgte, dass man mit Deutschen nicht so leicht und nicht so eng Freundschaft schließen konnte wie mit jungen Leuten anderer Nationalität.

          Ich bin mir jedoch sicher, dass die jungen Deutschen sich dessen bewusst waren: jener Last der Geschichte, die sie im Namen der in ihrem Pass eingetragenen Nation trugen. Ganz gleich, welche Rolle ihre Großeltern gespielt oder nicht gespielt hatten, die Schuld war in ihrer Nationalität angelegt. Eine Schuld, die ich nicht zu tragen brauchte, obwohl auch ich einen deutschen Großvater und einen deutschen Familiennamen hatte. Und das nicht etwa, weil mein Großvater sich während des Kriegs eindeutig auf die Seite der Dänen gestellt und sich selbst samt seiner Familie in Gefahr gebracht hatte, indem er seine Fabrik zerstörte, damit die Nazis sie nicht für ihre Waffenproduktion nutzen konnten - sondern einfach nur deshalb, weil die Einwanderung meines Großvaters nach Dänemark mir die sichere und damals hochgeschätzte dänische Staatsangehörigkeit in meinem Pass eingebracht hatte.

          Erderschütterndes Schweigen

          Man sprach nicht darüber, aber es war dennoch da: das unsichtbare Gewicht fehlgelaufener Geschichte. Zwei kleine Episoden führten mir in den folgenden Jahren vor Augen, was Deutsche erleben mochten, wenn sie in der Welt unterwegs waren. Als ich 1991 eine Sektion der Verhandlungen über das Gatt-Handelsabkommen zwischen der EU und Pakistan in Genf leitete, kam das Gespräch einmal auf die verschiedenen Nationalitäten in unserem Verhandlungsteam. Um zu demonstrieren, dass er Europa kannte, nannte der Leiter der pakistanischen Delegation höflich ein Emblem für jedes unserer fünf oder sechs Länder. Als er zu Deutschland kam, sagte der pakistanische Delegierte laut und deutlich und mit demselben breiten Lächeln, mit dem er zuvor für Dänemark die „Kleine Meerjungfrau“ und für Holland Van Gogh genannt hatte: „Adolf Hitler“.

          Für das Schweigen, das nun folgte, ist der Ausdruck „Schweigen“ viel zu schwach. Kein Laut war zu hören, nicht einmal ein Stoßseufzer. Es war, als hielten wir alle den Atem an. Der arme pakistanische Delegierte, der bemerkte, dass wir alle blass wurden, aber nicht erkannte, auf welches Niveau radioaktiver Empfindlichkeit er da vorgestoßen war, versuchte den Fauxpas auszubügeln, indem er hinzufügte: „Oh, alle Länder hatten schon ihre Kriegsherren . . .“ Aber nichts vermochte die zerbrochene Atmosphäre wieder zu kitten. Ich erinnere mich nicht mehr, ob oder wie es mir gelang, die Verhandlungen abermals in Gang zu bringen, aber ich werde niemals dieses erderschütternde Schweigen vergessen. Und bis heute frage ich mich, wie sich wohl mein wunderbarer, warmherziger deutscher Kollege damals fühlte.

          Privileg des dänischen Passes

          Ein paar Jahre später, in Maputo, Mosambik, erhielt ich selbst einen Geschmack davon, als in einer schwierigen Phase der Friedensverhandlungen - über die Umschulung (unwilliger) Soldaten für die neue vereinte Armee - der britische Botschafter mich aus der Ruhe zu bringen versuchte, indem er eine nicht gerechtfertigte Verbindung zwischen unseren gegensätzlichen Positionen und meinem österreichischen Erbe herstellte - und dadurch mit dem Umstand, dass Österreich noch stärker naziverseucht war als Deutschland und sich nach dem Krieg nicht angemessen damit auseinandersetzte. Da ich meinen österreichischen Großvater, der als Soldat an der Ostfront gewesen war und starb, als meine Mutter noch ein Kind war, nie kennengelernt hatte, hatte für mich die Geschichte meiner österreichischen Familie während des Kriegs immer aus meiner Großmutter bestanden, die tagsüber in einer Fabrik arbeitete und abends für andere Leute wusch; aus der jüngeren Schwester meiner Mutter, die bis zum Alter von sieben Jahren in einem Naziwaisenhaus untergebracht war; und aus meiner Mutter, die mit acht, neun oder zehn Jahren den Haushalt für sich und ihre beiden Brüder führen musste, bevor sie mit zwölf Jahren nach Dänemark geschickt wurde, und zwar vom Roten Kreuz, das die am stärksten vom Hunger betroffenen österreichischen Kinder mit Nahrung versorgte. Dennoch war ich verblüfft und verlor vorübergehend meinen sicheren Halt: Die Bemerkungen des britischen Botschafters erinnerten mich auf unheimliche Weise an die historische Schuld, die auch mein Stammbaum trägt, die aber nicht als die meinige zu empfinden mein dänischer Pass mir irgendwie das Privileg geschenkt hatte.

          In den folgenden Jahren erlebte ich weitere Episoden dieser Art. Doch erst 2010 - als hohe Verkaufszahlen meiner Bücher in Deutschland dafür sorgten, dass ich viel Zeit auf Reisen durch dieses Land verbrachte, an Debatten teilnahm, Leser traf, zahlreiche deutsche Städte sah, die politischen Nachrichten immer genauer verfolgte und schließlich auch die deutsche Sprache erlernte - entdeckte ich, wie tief das moderne Deutschland und die Menschen dort von ihrer geschichtlichen Vergangenheit geprägt sind und wie tief dieses besondere deutsche Schuldgefühl samt dem zugehörigen Bedürfnis nach Sühne nicht bloß in der nationalen Identität gegenüber den Nachbarn, sondern in jedem einzelnen Aspekt des alltäglichen Lebens in Deutschland verwurzelt ist.

          Überall Gedenkveranstaltungen, Gedenkausstellungen und Mahnmale, vom bekannten Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas bis hin zu den „Stolpersteinen“, kleinen Messingtafeln mit den eingravierten Namen von Juden, die vor jenen Häusern ins Pflaster eingelassen sind, aus denen diese Menschen in den Tod deportiert wurden. Es gibt unzählige Ausstellungen, und ständig kommen neue hinzu. Das Deutsche Historische Museum ist das einzige mir bekannte Museum für nationale Geschichte, in dem versucht wird, die Geschichte eines Landes ohne Glorifizierung und Vertuschung darzustellen, und das Gutes wie Schlechtes mit einer Aufrichtigkeit und einem Ernst zeigt, die ebenso erstaunlich wie selten in unserer Welt sind.

          Keine andere Nation empfindet solche Scham

          Diese Aufrichtigkeit und die Bereitschaft, geschichtliche Verantwortung zu übernehmen, stehen in meinen Augen für das Beste am modernen Deutschland. Sie zeigen aber auch, wie schwer es für die Deutschen ist, die der deutschen Nationalität innewohnende Last der Geschichte zu tragen. Auch das heutige Leben ist auf dem Webstuhl der geschichtlichen Schuld gewebt. Kaum eine politische Entscheidung wird in Deutschland getroffen, ohne dass eine Verbindung zur besonderen Verantwortung des Landes hergestellt würde, und kaum eine größere politische Rede verzichtet auf einen Hinweis darauf. Geisteswissenschaften, Philosophie und Kunst in Deutschland und ganz besonders die plausible Geschichten erzählenden Medien wie Literatur und Film werden bis heute von diesem Thema beherrscht, und jede neue Generation scheint sich abermals die Frage stellen zu müssen: Wie gehen wir mit dieser historischen Schuld um?

          Es ist überall. Als ich vor ein paar Jahren die x-te Dokumentation über die Frage sah, wie Deutsche der dritten Generation mit den fürchterlichen Taten der Großelterngeneration umgehen - wie unterschiedlich sieben Kinder auf die Hinrichtung ihres Vaters nach den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen reagierten: von Verleugnung bis hin zum Ausschluss aus der Familie -, da war mein erster Gedanke: Das ist zu viel. Keine andere Nation empfindet solche Scham über vergangene Untaten, ganz gleich wie viele Tote zu beklagen waren oder welche fürchterlichen Grausamkeiten ihre Soldaten oder Nationen begangen haben.

          Natürlich steht der Nationalsozialismus angesichts des schieren Ausmaßes organisierten Schreckens nahezu oder gänzlich unvergleichlich da. Aber wenn wir die Kongolesen nach ihrer Meinung über die Herrschaft König Leopolds II. fragten, die nahezu zehn Millionen das Leben kostete, nach manchen Schätzungen die Hälfte der damaligen Bevölkerung des Kongos, liegt dann ein Vergleich - zumindest hinsichtlich der Notwendigkeit von belgischer Buße - tatsächlich so fern? Oder fragen Sie die Opfer einiger der anderen Schrecken, die die Kolonialherrschaft - und nicht nur die belgische - noch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg über zahlreiche Völker gebracht hat, dann dürfte deutlich werden, dass Großbritannien, Frankreich und andere Kolonialmächte gleichfalls für einiges an grauenhafter Geschichte zu sühnen hätten. Aber davon ist nichts oder so gut wie nichts zu spüren; die nationale historische Verantwortung ist meist keine populäre Beschäftigung. Manche europäischen Länder leugnen sogar weiterhin ihre Aggressorenrolle wie das heutige Serbien hinsichtlich des Völkermords auf dem Balkan in den neunziger Jahren oder die Türkei im Blick auf den Völkermord an den Armeniern zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Andere wie Frankreich nutzen die große zeitliche Entfernung, um ihre verheerenden Kriegsherren zu Nationalhelden zu stilisieren.

          Bemerkenswerte Regierungsarbeit

          Welche Entschädigungen diverse Nationen zur Wiedergutmachung vergangener Grausamkeiten auch geleistet haben mögen, verglichen mit den deutschen bleiben sie auf dem Niveau winziger Trostpflaster. Die deutschen Reparationen stehen einzigartig in der Weltgeschichte da, so dass man versucht sein könnte, jetzt, nach mehr als siebzig Jahren, da kaum noch ein Täter am Leben ist, die Frage zu stellen, wozu denn all diese fortgesetzte Schuld, Sühne und Rechenschaft gut sei. Die Antwort hat uns die Flüchtlingskrise gegeben.

          Die steigenden Zahlen der in den letzten Jahren nach Europa gekommenen Flüchtlinge haben schrittweise das wahre Maß an Menschlichkeit in Diskurs, Politik und Tun der verschiedenen europäischen Länder enthüllt. Deutschland liegt hier - ohne sonderliche Konkurrenz - weit an der Spitze. Das heißt nicht, dass alles perfekt wäre. Aber zwei Dinge sind durchgängig bemerkenswert: Erstens, dass die deutsche Regierung sich ständig bemüht, die Bevölkerung von aufhetzender Rhetorik fernzuhalten, statt die populistischen Möglichkeiten auszuschöpfen, wie es in den meisten anderen europäischen Ländern geschieht - nicht nur durch extremistische Parteien oder an den bedrängten äußeren Rändern Europas, sondern auch in meinem eigenen, einst solide human gesinnten Dänemark. Und zweitens, dass die deutsche Regierung sich bemüht, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen. Sie empfing die Flüchtlinge nicht nur mit offeneren Armen, als der Zustrom im Sommer letzten Jahres seinem Höhepunkt zustrebte, sondern ist auch bereit, die Kosten dafür zu tragen und sich aktiv um eine Integration der Neuankömmlinge wie um eine gemeinsame europäische Lösung zu bemühen, statt kurzfristige nationalistische Ziele zu verfolgen.

          Wenn seit 2013 mehr als achttausend Flüchtlinge bei dem Versuch, über das Mittelmeer oder die Ägäis nach Europa zu gelangen, ihr Leben verloren haben und Hunderte von ertrunkenen Kindern an den Stränden angeschwemmt wurden; wenn Hunderttausende Flüchtlinge seit Monaten an unseren Grenzen gestrandet sind und Zehntausende davon in heruntergekommenen Lagern auf den griechischen Inseln oder in anderen Grenzgebieten festgehalten werden; wenn wir Menschen, die vor dem Krieg fliehen und verzweifelt auf Sicherheit hoffen, in die hoffnungslosen Verhältnisse in der Türkei oder in die lebensbedrohlichen Gefahren ihrer Herkunftsländer zurückschicken - dann verliert Europa rasch jeglichen Anspruch auf den hohen moralischen Standard, den wir einst besessen haben mögen, und wir setzen für die Zukunft all unsere zentralen humanen Werte aufs Spiel.

          Die deutschen Lehren aus dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg liegen nicht nur in einem durch eine Verfassung gesicherten und standhaft verteidigten demokratischen System, einer Vielzahl von Gesetzen zum Schutz der Rechte von Minderheiten und einem oft wiederholten „Nie wieder“. Die vielleicht wichtigste Lehre liegt im kostbaren Wissen um den Schaden, den man sich selbst und den eigenen Nachkommen zufügt, wenn ein Land zu einer Zeit, da es die Macht in Händen hält - und sei es unter Führung eines Tyrannen, den man später verleugnet -, das Menschsein der Mitmenschen missachtet. Was es mit einem selbst anstellt, wenn man andere Menschen als minderwertig einstuft und als „die Anderen“ abtut; wenn man die Anderen missbraucht, erniedrigt, verletzte oder tötet - aktiv aus eigener Entscheidung oder indem man ihnen die Menschenrechte und die elementaren Mittel für ein würdiges Überleben verweigert. Die Lektion, welche die Deutschen gelernt haben, lautet: Darüber kommt man nicht hinweg. Darüber kommt man niemals hinweg.

          In einer Rede zur Feier der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel vor 50 Jahren erklärte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier: »Dieses dunkelste Kapitel deutscher Geschichte prägt unser Selbstverständnis und wird für immer untrennbar mit unserem Land verbunden bleiben. Unter Geschichte kann man keinen Schlussstrich ziehen.«

          Aus ganzem Herzen möchte ich die deutsche Regierung auffordern, nicht nur das ethische Banner einer würdigen Behandlung der Flüchtlinge noch höher zu halten, sondern auch dem restlichen Europa eindringlich vor Augen zu führen, welch eine Last historische Schuld darstellt – eine Last, die man gewiss nicht wird tragen wollen, wenn die unmittelbare Krise vorüber ist und nüchterne Augen erkennen müssen, welchen Blick der Spiegel zurückwirft; eine Last, die an zukünftige Generationen weiterzureichen aber auch keine Regierung wünschen sollte oder sittlich berechtigt wäre. Alle europäischen Regierungen haben die Pflicht, die Schuld der Unmenschlichkeit nicht zum Erbteil unserer Zeit für die Zukunft ihrer Länder, die Zukunft Europas, zu machen.

          Aus dem Englischen übersetzt von Michael Bischoff. Von der dänischen Schriftstellerin Janne Teller, geboren 1964, erschien auf Deutsch zuletzt der Geschichtenband „Alles – worum es geht“ (Hanser Verlag).

          Quelle: F.A.Z.

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