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Israelisch-Kurdische Beziehungen : Die Landkarte des Nahen Ostens verändern

  • -Aktualisiert am

Ein Volk mit wenigen Freunden: Kurden, die sich auf den Einmarsch des IS vorbereiten Bild: REUTERS

Ein eigenständiger Kurdenstaat hat derzeit nicht viele Fürsprecher. Israel sieht die Lage anders und setzt auf die Kooperation mit nichtarabischen Gruppen.

          Die Kurden gelten als ein Volk, das wenig Freunde hat. Zwar waren die rund hunderttausend Juden, die Jahrhunderte in den kurdischen Siedlungsgebieten gelebt hatten, nach der Gründung des israelischen Staates dorthin ausgewandert. Doch rissen ihre Beziehungen zur alten Heimat nie ab. In Israel traten die kurdischstämmigen Einwanderer stets als Fürsprecher Kurdistans auf, was seit den sechziger Jahren auch der außenpolitischen Doktrin des Staates Israel entsprach. Damals nämlich ließ man in Jerusalem nichts unversucht, um Kontakte zu Nichtarabern in der Region aufzubauen.

          Neben den säkular regierten Staaten Iran und Türkei sah man vor allem auch in den Kurden des Iraks potentielle Verbündete. Später sollte ihre Stärkung als Opposition zur Herrschaft der Baath-Partei, die aus ihrer radikalen Israelfeindlichkeit kein Hehl machte, Bagdad schwächen. An dieses freundschaftliche Verhältnis und die wiederholten Versuche seiner Wiederbelebung wird heute von israelischen Orientalisten nicht nur gern erinnert, sondern sie rechnen auch mit seiner baldigen Intensivierung (Ofra Bengio: „Surprising Ties between Israel and the Kurds“, in: Middle East Quarterly, Jg. 21, Heft 3, 2014. Online www.meforum.org/3838/israel-kurds).

          Die Kontakte zwischen Israel und den irakischen Kurden intensivierten sich vor allem nach dem Ausbruch des kurdischen Aufstands 1961. Der damals im europäischen Exil lebende kurdische Historiker Ismet Scherif Wanli konnte den Kurdenführer Mustafa Barzani - Kopf der Demokratischen Partei Kurdistans - dafür gewinnen, Kontakt mit Jerusalem aufzunehmen. Wanli selbst fungierte als Mittelsmann und traf sich, unterstützt vom Geheimdienst des iranischen Schah, der sich damals für die Kurden einsetzte, mit führenden israelischen Politikern wie Levi Eshkol und Shimon Peres, die daraufhin einige israelische Vertreter nach Kurdistan entsandten. Jedoch wurden ihre Versuche, Gespräche zwischen Wanli und der amerikanischen Regierung in Gang zu bringen, von Washington blockiert.

          Später, in der frühen Phase der Baath-Herrschaft, wurden die geheim gehaltenen israelisch-kurdischen Beziehungen enger. Barzani und zwei seiner Söhne reisten zwischen 1968 bis 1973 mehrmals nach Israel, israelische Gesandte hielten sich in Kurdistan auf. In den damals über sie kursierenden arabischen Gerüchten war die Rede von einigen tausend. In Wahrheit, schreibt Ofra Bengio, die wichtigste israelische Historikerin für kurdische und irakische Geschichte, waren es nicht mehr als eine Handvoll Israelis, die sich aber in mehreren Bereichen engagierten - von humanitärer bis hin zu militärischer Hilfe. Mit Einverständnis Irans belieferte Israel die Kurden zunächst auch mit Waffen, bis Teheran 1975 im Rahmen eines Abkommens mit Bagdad dieser Kooperation ein Ende setzte.

          PKK als Klient Syriens

          Welche Kontakte Israel zum irakischen Kurdistan danach unterhielt, ist bis heute ein Staatsgeheimnis. Einen ganz anderen Charakter hatte schon immer das Verhältnis zu den türkischen Kurden. Die kurdische PKK galt lange als Klient Syriens, die Türkei als enger Freund Israels. Lange weigerte sich Jerusalem, die PKK als Terrororganisation zu bezeichnen. Benjamin Netanjahu aber tat dies als Ministerpräsident 1997 und machte sogar die Beendigung der syrischen Unterstützung für Abdullah Öcalan zur Bedingung für die Aufnahme von Friedensverhandlungen mit Damaskus. Als der PKK-Chef 1999 inhaftiert wurde, warfen seine Anhänger Israel eine Mitschuld an seiner Festnahme vor. Einige von ihnen kamen sogar um, als sie während einer Demonstration in Berlin die dortige israelische Botschaft zu stürmen versuchten.

          Als nach der amerikanischen Intervention im Irak 2003 und dem Sturz Saddam Husseins die kurdische Autonomiebehörde eingerichtet wurde, schienen sich ihre Beziehungen zu Israel zu intensivieren. Führende israelische Politiker trafen kurdische Amtskollegen, und im Verborgenen kooperierte man nun in ähnlicher Form wie in den siebziger Jahren. Wie damals hieß es auch jetzt, Israel bilde kurdische Kämpfer militärisch aus. Tatsächlich berichteten 2005 israelische Medien über umfangreiche Geschäftsbeziehungen des früheren Mossad-Chefs Danny Yatom im Sicherheitsbereich in Kurdistan; israelische Bau- und Telekommunikationsfirmen sollen dort ebenfalls aktiv gewesen sein.

          Das kurdische Interesse an offenen Beziehungen zu Israel, das belegen Umfragen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Allerdings werden die Kurden, wie auch jüngst geschehen, vor allem von proiranischen irakischen Schiiten bezichtigt, durch den Aufbau von Kontakten zu Jerusalem den Irak verraten und spalten zu wollen. Indes hat in jüngster Zeit die dramatische Entwicklung im Irak die Position des dortigen kurdischen Lagers gestärkt. Mehrere ranghohe israelische Politiker, darunter auch Ministerpräsident Netanjahu, reagierten darauf mit der Erklärung, sie würden einen unabhängigen Kurdenstaat im Nordirak sofort anerkennen. Für die nahe Zukunft sieht Ofra Bengio, die nun häufiger von kurdischer Seite befragt wird, auch deshalb eine weitere Annäherung zwischen Jerusalem und Erbil, weil beide eine Reihe gemeinsamer Interessen verbinde.

          Quelle: F.A.Z.

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