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Veröffentlicht: 12.08.2017, 22:59 Uhr

Intransparenz zu „Hass-Rede“ Twitter schweigt wie ein Grab

Die Intransparenz des Kurznachrichtenkonzerns Twitter wird seit der Kunstaktion von Shahak Shapira immer offensichtlicher: Was passiert, wenn man den Dienst zum Hass im Netz befragen will.

von Florian Kölsch
© AP Photo/Matt Rourke Auf Twitter zu kommunizieren ist nicht schwer. Mit Twitter zu kommunizieren hingegen schon.

Mit 328 Millionen aktiven Nutzern pro Monat weltweit ist Twitter eine der meistgenutzten Online-Plattformen. Doch obgleich Twitter viele Nutzer anlockt, scheint ihnen nicht viel an selbigen zu liegen: Wer einen gegen die Nutzungsrichtlinien verstoßenden Beitrag meldet, bekommt oft keine oder erst spät eine Antwort. In einigen Fällen bleibt die Anfrage komplett unbearbeitet: Diese Erfahrung machte der deutsch-israelische Künstler und Satiriker Shahak Shapira und nahm sie zum Anlass für seine Kunstaktion „#Heytwitter“ (F.A.Z. vom 10. August). Darin übertrug er seine Kritik an Twitter nicht nur in den öffentlichen Diskurs, sondern direkt vor die Tür des Deutschlandsitzes von Twitter in Hamburg. Die Texte - hetzerische Tweets - trug er für jedermann sichtbar auf den Bürgersteig auf. Seine Aktion sorgte für ein internationales Medienecho. Nur einer äußerte sich nicht: Der Konzern Twitter, dessen Geschäft auf Kurznachrichten beruht, setzt in eigener Sache keine Nachrichten ab. Es herrscht Funkstille.

Auch bei mehrfachen konkreten Anfragen dieser Zeitung blieb Twitter vage. Ein offizielles Statement zu Shapiras Kritik und Aktion wollte man nicht geben. Ein Vertreter des Unternehmens versicherte, man versuche, „die richtige Balance“ beim Umgang mit Hass im Netz zu finden und habe auch viele neue Tools und Features eingeführt, um Twitter „für jeden“ zu verbessern. Man gehe wegen hetzerischer Inhalte heute gegen zehnmal so viele Accounts vor als früher. Was heißt das konkret? Um welche Aussagen und Accounts geht es? Keine Antwort.

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Twitter veröffentlicht jedes halbe Jahr einen sogenannten „Transparenzbericht“, in dem Statistiken gesammelt sind, unter anderem auch zur Löschung von Nutzeraccounts. Anfangen kann man damit wenig. Sobald es konkret wird, taucht Twitter ab. Nicht nur, dass es kein Statement zu der Kunstaktion in Hamburg gibt. Auch die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland und die Zahl derjenigen, die bei der Schließung des Büros in Berlin Ende des vergangenen Jahres betroffen waren (die selbstverständlich Geheimsache war), wird nicht verraten. Dabei dürfte auf das verbliebene Büro in Hamburg von Oktober an viel Arbeit zukommen: Dann tritt nämlich das von Justizminister Heiko Maas eingebrachte Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Kraft, das vorsieht, dass in sozialen Medien unter dem Rubrum „Hass-Rede“ gemeldete Beiträge innerhalb von 24 Stunden oder binnen einer Woche bearbeitet werden müssen. Geschieht das nicht, drohen hohe Strafen.

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Fälle wie die von Shahak Shapira publik gemachten Tweets, die offenkundig rassistisch, antisemitisch und volksverhetzend sind, wird sich Twitter dann nicht mehr leisten können. Mit Blick auf die neue Gesetzeslage hat der Netzwerkkonzern Facebook gehandelt. Die Zahl der Mitarbeiter im Löschzentrum in Berlin soll von 650 auf 700 erhöht werden. Ein weiterer Standort soll hinzukommen: In Essen wird ein weiteres Zentrum mit 500 Mitarbeitern aufgebaut. Im Vergleich dazu hat Twitter weltweit 3860 Mitarbeiter, vierzig Prozent von ihnen sind Techniker. Wie viele davon in Hamburg sitzen, ist unbekannt, genauso wie das Unternehmen den Arbeitsaufwand leisten will, den das Netzwerkdurchsetzungsgesetz bedingt. Die Anfragen dieser Zeitung wurden übrigens von einem Mitarbeiter in Dublin beantwortet.

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