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Interview mit Nasa-Chef Griffin Eine Frau als erster Marsbewohner

25.01.2007 ·  Hinaus ins All, um es zu besiedeln: Michael Griffin sorgt dafür, dass die achtzehntausend Mitarbeiter der amerikanischen Raumfahrtbehörde dies wieder als ihr wichtigstes Ziel begreifen. Ein Gespräch mit dem Nasa-Chef über unsere Zukunft im Weltraum.

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Hinaus ins All, um es zu besiedeln - Michael Griffin sorgt dafür, dass die achtzehntausend Mitarbeiter der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa dies wieder als ihr wichtigstes Ziel begreifen. Griffin, der seit März 2005 an der Spitze der Nasa steht, wurde 1949 in Aberdeen im Bundesstaat Maryland geboren. Er hat fünf Masterabschlüsse erworben, wurde in Raumfahrttechnik promoviert und hat vor seiner Ernennung viele Jahre als Forscher und später als Chefingenieur bei der Nasa gearbeitet. Sein größter Wunsch ist es, Menschen zuerst auf dem Mond und dann auf dem Mars sesshaft zu machen.

Herr Griffin, was hält Amerika oder andere Nationen eigentlich davon ab, schon heute eine Station auf dem Mond oder auf dem Mars einzurichten? Müssen dazu erst neue Antriebe oder Baumaterialien entwickelt werden?

Nein, es gibt keinen technischen Grund, warum wir nicht schon längst mit den Vorbereitungen dafür begonnen haben, dass Menschen auf dem Mond oder dem Mars leben. Das ist einzig und allein eine Frage des Geldes. Ohne Beschränkungen könnten wir längst auf dem Weg sein. Aber unser Budget ist auf derzeit rund siebzehn Milliarden Dollar im Jahr begrenzt, und wir haben uns verpflichtet, zuerst die Internationale Raumstation ISS fertigzustellen. Die Station ist etwa zur Hälfte zusammengebaut, die noch fehlenden Teile stehen alle parat, müssen aber hinauftransportiert und installiert werden. Dieses Vierhundert-Tonnen-Bauwerk bindet einen beträchtlichen Teil unserer Resourcen. Wenn das Projekt abgeschlossen ist, wird die Nasa in eine neue Phase eintreten.

Sie begründen den Plan, in den zwanziger Jahren Menschen auf dem Mond und wenig später auf dem Mars anzusiedeln, gern mit dem Pioniergeist, den die aus Europa stammenden Siedler in Nordamerika gezeigt hätten. Aber die Siedler sind aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert – nach was sollen Ihre Astronauten auf dem Mars suchen, was nicht auch Roboter finden?

Die ersten Europäer, die losgesegelt sind, um die Neue Welt zu finden, waren weder arm noch verzweifelt. Sie wollten die Welt verstehen und nach neuen Quellen von Wohlstand Ausschau halten. So ist das auch heute. Wie die ersten Entdecker wissen wir nicht, welche Ressourcen uns in den neuen Welten des Sonnensystems zur Verfügung stehen oder auch nicht. Wir können diese neuen Welten heute gerade mal mit den Fingerspitzen berühren, mit unseren unbemannten Raumfahrzeugen und Sonden, aber wir verstehen noch nichts davon, welche Rolle sie für die Zukunft der Menschheit spielen könnten. Wir wollen, ja müssen herausfinden, ob unsere Hoffnungen und Träume eine reale Grundlage haben, ob die Menschheit im Sonnensystem jenseits der Erde eine Zukunft hat.

Sie sprechen viel von der Menschheit, aber eigentlich geht es im Kern um Amerika, die führende Raumfahrtnation. Die Mars-Mission wird bestimmt dazu führen, dass auf dem Mars als erstes die amerikanische Flagge flattert!

Nein , das bezweifle ich. Aus unserer Sicht ist das Raumfahrtprogramm heute ein Weltraumfahrtprogramm. Wir machen eigentlich nichts ohne unsere internationalen Partner. Und wir haben allen gesagt, dass sie gerne mit uns in Richtung Mond und Mars aufbrechen können. Die Europäer sind ja auch gar nicht so raumfahrtskeptisch, wie es oberflächlich betrachtet oft aussieht. Sie geben zwar nicht so viel Geld für Raumfahrt aus wie wir, aber ich habe den Eindruck, dass etwa die Deutschen mit ihrem Astronauten Thomas Reiter sehr stark mitfiebern. Die Europäer werden drei von vier Laboratorien in der ISS betreiben, sie verleihen der Raumstation mit der geplanten intensiven Nutzung erst ihren Wert.

Den Mond betreten haben bisher nur Männer, aber der Anteil weiblicher Astronauten ist gewachsen. Können Sie sich vorstellen, dass der erste Mensch auf dem Mars eine Frau sein wird?

Aber natürlich! Es gibt nichts, was dagegen sprechen würde.

Wären Sie überrascht, wenn auf dem Mars Leben gefunden wird?

Nein, überhaupt nicht. Das wäre faszinerend und ich kann es mir gut vorstellen. Das Leben als solches ist zäh.

Das Gespräch führte Christian Schwägerl. In voller Länge können Sie es im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 26. Januar lesen.

Quelle: F.A.Z.
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