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Interview mit Kristina Köhler : Sie täuschen uns in der Maske der Medienprofis

  • Aktualisiert am

Die Unions-Abgeordnete und Islam-Expertin Kristina Köhler macht einen Eklat öffentlich Bild: Michael Kretzer

Nach der Islamkonferenz kam es heraus: Islamische Vertreter nahmen wichtige Beschlüsse wie die Verpflichtung auf die demokratisch-freiheitliche Ordnung wieder zurück. Wie dieser Rückzug zu bewerten ist, erklärt die Unions-Abgeordnete Kristina Köhler im Interview.

          Nach der Islamkonferenz, bei der auch ein radikaler Islamist teilnahm, platzte die Bombe: Islamische Vertreter nahmen wichtige Beschlüsse wieder zurück. Wie dieser Rückzug zu bewerten ist, erklärt die Unions-Abgeordnete Kristina Köhler im Interview.

          Frau Köhler, der Auftritt von Ibrahim El Zayat bei der Islamkonferenz geriet zum Eklat. Was steckt dahinter?

          Zunächst: Die Islamkonferenz ist nach wie vor viel versprechend, auch wenn gegen den Willen des Bundesinnenministeriums Ibrahim El Zayat dort anwesend war. Ibrahim El Zayat war nie Teilnehmer der Islamkonferenz und wird das auch nicht werden. Er ist der Präsident der "Islamischen Gemeinschaft in Deutschland", der IGD. Laut des nordrhein-westfälischen Innenministeriums reichen die Verbindungen der Organisation in den Bereich von islamisch-extremistischen Gruppierungen sowie zu einer islamischen Hilfsorganisation, die im Verdacht steht, heimlich den islamistischen Terrorismus zu unterstützen. Die IGD soll die mitgliedsstärkste Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft in Deutschland sein, die Muslimbruderschaft ist die Mutterorganisation der palästinensischen Hamas.

          Was genau macht ihn so gefährlich?

          Es ist die Ideologie, für die er steht. Die IGD in Deutschland und die mit ihr unmittelbar oder mittelbar vernetzten Organisationen, wie etwa die türkische Milli Görüs, sind politische Islamisten. Sie vertreten eine sehr radikale Haltung, die die absolute Geltung des Grundgesetzes nicht akzeptiert. Wie die terroristischen Islamisten kämpfen sie für die Verbreitung der Scharia, doch ihre Vorgehensweise ist anders: Sie rufen nicht direkt zur Gewalt auf, sondern nutzen gesetzliche Freiräume, um gegen unsere Rechtsordnung vorzugehen. Die ihnen zugerechneten Publikationen sind voll von antisemitischer Hetze und propagieren die Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau. Die Frage zum Beispiel, ob man seine Ehefrau schlagen sollte, wenn sie nicht gehorcht, beantworten politische Islamisten auf ihren Internetseiten so: erst reden, dann getrennte Ehebetten, und wenn auch das nicht hilft, helfen Prügel.

          Wie konnte es aber dann passieren, dass El Zayat an einem Konferenztisch mit der Bundesregierung sitzt?

          Um es noch einmal klarzustellen: Er war weder eingeladen noch angemeldet. Der Vorsitzende des "Zentralrats der Muslime", Axel Ayyub Köhler, hat ihn mitgebracht. Die Naivität, mit der Köhler später auf die Aufregung reagierte, kaufe ich ihm allerdings nicht ab - viele halten Köhler sogar für eine Marionette der Muslimbruderschaft.

          Das heißt, El Zayats Auftritt folgte einem bestimmten Ziel, und die Aufregung war bewusst provoziert?

          Davon bin ich überzeugt. Es geht um Breitenwirkung: Sein Erscheinen bei der Bundesregierung hat El Zayat in den Augen vieler radikalen Muslime sicherlich geadelt. Ohne Zweifel waren die säkularen Vertreter dagegen alles andere als erfreut. Ich könnte mir vorstellen, dass sie sich hintergangen fühlten.

          Warum ist El Zayat nicht von der Veranstaltung ausgeschlossen worden, als man den Fehler bemerkte?

          Man wollte einen Eklat vermeiden, zumal er sich nicht an der Diskussion beteiligt hat. Ich persönlich hätte allerdings dafür gesorgt, dass er rausgeworfen wird.

          Zwischen dem politischen und terroristischen Islamismus liegt nur ein schmaler Grad. Wie kann man sich sicher sein, dass die Grenze bei den Verbänden nicht schon längst überschritten ist?

          Die Übergänge sind in der Tat fließend. Es gibt Videoaufzeichnungen von der Neujahrsfeier der Milli Görüs in Hamm im Januar. Da singen Kinder ein Lied über den Dschihad und tanzen eine fröhliche Polonaise dazu. Ich finde, die Gefahr beginnt schon bei der Dschihad-Polonaise und nicht erst mit unmittelbarer Gewalt.

          Treten die Islamisten hierzulande im Schafspelz auf?

          Früher hatte der Habitus der Verbandsfunktionäre oft etwas sehr Unbeholfenes an sich. Inzwischen haben wir es mit Medienprofis zu tun, die in der Öffentlichkeit ihre radikalen Ansichten geschickt verbergen. Das Gleiche gilt für die Publikationen dieser Verbände. Die deutschen Versionen klingen in der Regel harmlos. Der Ton der arabisch- oder türkischsprachigen Version ist dagegen oftmals radikal.

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